Thomas Tuchel: "Chemnitz ist ein gefühlter Zweitligist"

Das Traumlos Borussia Dortmund erwies sich für den Chemnitzer FC zumindest in sportlicher Hinsicht als eine Nummer zu groß. Trotz aufopferungsvollen Kampfes und über weite Strecken ausgeglichenen Spielverlaufs unterlag der Drittligist dem Bundesligisten mit 0:2 (0:1). Pierre-Emerick Aubameyang (25.) sowie Henrikh Mkhitaryan (82.) erzielten in einem spielerisch auf hohem Niveau geführten Spiel die entscheidenden Tore und brachten den favorisierten BVB eine Runde weiter.

Drittligist trifft auf Bundesligist oder kurz: Underdog CFC fordert den großen BVB. Ein Duell, welches die Massen schon seit Wochen elektrisierte. Thomas Tuchel zeigte sich äußerst begeistert ob der großen BVB-Anhängerschaft in Sachsen und des warmen Empfangs, der ihm und seinen Spielern vor Ort bereitet wurde. Der Bus der Schwarz-Gelben wurde regelrecht belagert und so mancher Autogrammjäger hoffte, seiner stattlichen Sammlung den einen oder anderen Schriftzug von Reus und Co. hinzufügen zu können. Nicht auf das Sammeln von Autogrammen, sondern auf das Weiterkommen, waren derweil die Akteure auf dem Platz aus. Welch großen Respekt der BVB dem zwei Klassen tiefer spielenden CFC zollte, wurde schon beim Blick auf die Startaufstellung der Tuchel-Elf deutlich. Angefangen mit Roman Bürki im Tor, über die Viererkette mit Schmelzer, Sokratis, Hummels und Piszczek, über das Fünfermittelfeld mit der Doppelsechs Gündogan und Bender sowie den offensiven Castro, Mkhitaryan und Reus, bis hin zu Sturmspitze Aubameyang, bot Thomas Tuchel die Startelf auf, die wohl auch gegen Borussia Mönchengladbach in die Bundesliga starten wird.

Klassenunterschied? Fehlanzeige

Doch von Klassenunterschied war bisweilen selten etwas zu sehen. Nur wenn die Borussia das Spiel einmal schnell machen konnte, blitzte so etwas wie Torgefahr auf. Ansonsten verstanden es die in Weiß-Himmelblau gekleideten Gastgeber, die Räume geschickt zu versperren und den Gegner nicht hinter die eigene Abwehrreihe zu gelangen. Dies war aber auch einer taktischen Finesse von CFC-Trainer Karsten Heine geschuldet, der die Viererkette Nandzik, Röseler, Endres und Conrad mit Defensivspieler Jamil Dem zeitweise zu einer Fünfer-Abwehrreihe umfunktionierte. Dem ebenfalls defensiv eingestellten Tim Danneberg bot sich derweil die Möglichkeit, durch die Absicherung von Dem geschützt, ins Offensivspiel einzuschalten. Und so war es auch Danneberg, der nach 30 Minuten die erste riesige Chance zum Chemnitzer Torerfolg besaß. Einen einfachen Fehler im Spielaufbau nahm der Chemnitzer dankend an, scheiterte jedoch aus halblinker Position. Es wäre die Gelegenheit gewesen, vor der Pause mit dem BVB gleichzuziehen, denn dieser hatte fünf Minuten zuvor durch Pierre-Emerick Aubameyang bereits erstmals jubeln dürfen. Die sonst sichere CFC-Defensive wurde mit einem Flankenwechsel auf Mkhitaryan ausgehebelt und Vorlagengeber Marcel Schmelzer sowie Gabuns Nationalspieler Aubameyang besorgten den Rest.

Hitzeschlacht fordert ihren Tribut 

Die Quecksilberskala auf dem Thermometer näherte sich der 35 Grad-Marke und die sengende Sonne tat ihr übriges, um das Gellertstadion in einen wahren Glutofen zu verwandeln. Von Müdigkeit war beim kickenden Personal jedoch wenig zu sehen. Im Gegenteil! Der Chemnitzer FC kam mit reichlich Dampf aus der Kabine und zwang den großen BVB deutlich öfter in die eigene Hälfte, als es dem achtmaligen deutschen Meister lieb sein durfte. Doch weder Anton Fink oder Marc Endres per Direktabnahmen, noch Frank Löning per Freistoß vermochten es, dem Spiel nochmals eine Wende zu geben. So war es Henrich Mkhitaryan, der mit einem schönen Schlenzer aus halblinker Position knapp zehn Minuten vor Spielschluss den Sack zumachen durfte und als Vorlagengeber sowie Vollstrecker zum „Man of the Match“ avancierte.

Raus mit Applaus

Die stehenden Ovationen des Gros der 12.500 Zuschauer im ausverkauften Gellertstadion verdeutlichten, dass der CFC trotz der Niederlage keinen Grund hatte, mit gesenktem Haupt vom Spielfeld zu gehen. Selten hat es ein Drittligist vermocht, dem BVB derart Paroli zu bieten und die Schwarz-Gelben aus Westfalen mit einigen sehr guten Chancen in Verlegenheit zu bringen. Auch BVB-Trainer Thomas Tuchel fand nach Spielende lobende Worte für die Himmelblauen: "Chemnitz ist ein gefühlter Zweitligist mit tollen Fans."

 

 

   
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