SV Waldhof: Last-Minute-Sieg als Wendepunkt im Abstiegskampf?

Mehr Krimi geht nicht, mehr Erleichterung auch nicht: Was die rund 1.000 mitgereisten Fans des SV Waldhof Mannheim beim 2:1-Auswärtssieg in Dortmund erlebt haben, dürfte den Alterungsprozess bei jedem Einzelnen massiv beschleunigt haben. Viel wichtiger aber: Das Formhoch in der Quadratestadt hält an. Und der Klassenerhalt ist viel mehr als ein ferner Traum.

Matchglück ist zurück

Marco Antwerpen hatte vor einigen Wochen noch viel zu bemängeln. Er wirkte überrascht bis erschrocken vom Niveau, das er bei Waldhof Mannheim vorgefunden hat. Mancher runzelte die Stirn: Ist der 52-Jährige hier wirklich an der richtigen Adresse? Kann er diese widrigen Umstände tatsächlich in vollkommene Motivation ummünzen und die verunsicherte, spielerisch oftmals enttäuschende Mannschaft nachhaltig wecken? Die Serie, die der SVW seit dem 28. Spieltag präsentiert, lässt nur ein Urteil zu: Ja! "Antwerpen wirkt", titelte der "Mannheimer Morgen" kürzlich – zehn Punkte hat der Westfale in diesem Zeitraum geholt und seinen Fehlstart in den Wochen zuvor damit postwendend korrigiert.

Gelungen ist das nicht durchweg mit fußballerischen Offenbarungen. Doch ob gegen Bielefeld (1:0) oder nun in Dortmund: Auch das nötige Matchglück, schwer erklärbar und noch schwerer herbeizuführen, ist im Abstiegskampf immer wieder ein zentraler Faktor. War es nun Zufall oder gewollt, dass Luca Bolay gleich zweimal per Eckball Julian Rieckmann fand? Dass der Blondschopf, der in 45 Drittliga-Einsätzen für Magdeburg und den Waldhof zuvor nie getroffen hatte, nun gleich zum Doppelpacker avancierte und als spektakulärer Held damit auch noch den zwischenzeitlich verursachten Strafstoß zum 1:1 vergessen machte? Im Stadion Rote Erde, wo mit Fußballromantik naturgemäß nicht gegeizt wird, wurde der Spielverlauf fast schon ein kitschiger. Und das alles in einer Partie, die auch gut und gerne torlos hätte ausgehen können, weil nicht wirklich viel los war im Schatten des Westfalenstadions. Darf man schon auf das berühmt-berüchtigte Momentum verweisen, das den Waldhof gerade trägt?

Antwerpen setzt neue personelle Akzente

Antwerpen nach den ersten acht Partien eine spielerische Frischzellenkur beim Waldhof anzuerkennen, würde wohl zu weit greifen: Viel läuft über die Grundtugenden, die die Blau-Schwarzen aber immer regelmäßiger abrufen, viel läuft über kompaktes Verteidigen, simple Spielzüge und das In-Szene-Setzen von Stoßstürmer Terrence Boyd. Doch in puncto Personalentscheidungen ist der kompromisslose Antwerpen-Stil längst angekommen. Bestes Beispiel: Torhüter Omer Hanin, etatmäßig dritte Kraft, der aber plötzlich gegen Bielefeld zwischen den Pfosten stand und sich diesen Stammplatz mit guten Leistungen nun wohl vorerst gesichert hat. Matchwinner Rieckmann war im besagten Bielefeld-Spiel schon nach 23 Minuten ausgewechselt worden, um die Taktik gegen den im Mittelfeld klar überlegenen Gegner anzupassen – in Dortmund war er nun wieder von Beginn an gefragt und zahlte das Vertrauen zurück.

Andere etablierte Kräfte wie Fridolin Wagner und Laurent Jans haben es plötzlich ziemlich schwer, auch weil die Wintertransfers Lukas Klünter und Martin Kobylanski derzeit gesetzt sind. Spieler wie Minos Gouras, Pascal Sohm und Jesaja Herrmann sind sogar überhaupt nicht mehr gefragt, von sportlich fragwürdigen Sommertransfers wie Jonas Albenas und Yann Mabella ganz zu schweigen. Kurzum: Eine ganze Reihe von Akteuren wirkt in dieser Saisonphase abgeschrieben – das geht solange gut, wie der aktuell von Verletzten weitestgehend verschonte Waldhof von solchen Ausfällen oder Sperren verschont bleibt.

Erstmals seit Januar auf Nicht-Abstiegsplatz

Obgleich der Sieg im Sechs-Punkte-Duell gegen die Arminia wichtig war, so bahnt sich an, dass die Bielefelder aus dem Abstiegskampf entschwinden. Zwei Punkte vor dem Halleschen FC, fünf vor dem MSV Duisburg: Das sind die Kontrahenten, um die sich in der kommenden Zeit aus Sicht der Nordbadener alles dreht. "Wir müssen jetzt etwas verteidigen", sagte Antwerpen am Samstag – wissend, dass die Mannheimer erstmals seit der Winterpause wieder einen Nicht-Abstiegsplatz belegen. Auf das bis zum BVB-Match auswärtsschwächste Team der 3. Liga warten bis Mitte Mai noch vier schwere Auswärtsspiele und drei Heimpartien, die den Grundstein zum Klassenerhalt bilden sollen.

"So ein Spiel noch zu gewinnen, das setzt unglaubliche Energie frei", sagte Antwerpen im "RevierSport". "Die Konkurrenz ist uns relativ egal, wir wollen jetzt zuhause gegen Unterhaching nachlegen." Ein scheinbar machbares Heimspiel mit allerdings großer Bedeutung, denn Danach geht es zum nächsten Kellerkrimi beim MSV Duisburg, der in noch viel größere Abstiegsnot geraten ist. Die Ausgangslage bis dahin so komfortabel wie möglich zu halten, wird für den SV Waldhof da doppelt wichtig. "Wir sind nicht tot", so Bentley Baxter Bahn in der "Rhein-Neckar-Zeitung".

   
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