SV Darmstadt 98: „Sich etablieren“ heißt das Ziel

Zugegeben, Pläne sind schon etwas Sinnvolles. Aber wer kennt das nicht: Meistens hält man sich am Ende dann doch nicht daran. Auch der SV Darmstadt 98 hat dies nicht getan – zur Freude seiner Fans. Als einen „positiven Betriebsunfall“ bezeichneten die Macher der „Lilien“ den Aufstieg in Liga 3, der eigentlich innerhalb eines streng vorgegebenen Drei-Jahres-Plan gelingen sollte.

Gesamtetat beläuft sich auf drei Millionen Euro

Nun hat der südhessische Traditionsverein bereits im ersten Jahr diese schwere und oftmals nicht planbare Hürde gemeistert. Dementsprechend geschäftig geht es derzeit am Böllenfalltor zu. Elf neue Spieler hat der SV98 verpflichtet, überwiegend mit Regionalliga-, aber auch Spieler mit Drittligaerfahrung. Und trotzdem geht es für das Team zunächst einmal nur um den Klassenerhalt. Mit einem Gesamtetat von gerade einmal drei Mio. Euro befindet sich der Verein im unteren Drittel der Liga. Große Sprünge sind da nicht drin. Und doch kann der SV Darmstadt 98 – nach abgewendeter Insolvenz mittlerweile wieder finanziell gesund – einiges bieten. Ein professionell arbeitendes Umfeld, pünktliche Gehaltszahlungen, eine gute Bühne für junge Fußballer, die sich für höherklassige Vereine empfehlen wollen, und eine leidenschaftliche und stimmungsvolle Fanszene. Und so gelang es dem Trainer und sportlichen Leiter Kosta Runjaic, Spieler wie Ex-Junioreneuropameister Danny Latza, den hochtalentierten Julian Ratei oder Torjäger Marcus Steegmann ans Böllenfalltor zu holen.

"Wegen des Geldes kommt kein Spieler nach Darmstadt"

Überhaupt ist es Runjaic zuzutrauen, aus den stark begrenzen Mitteln in Darmstadt das Optimum herauszuholen. Denn auch in der abgelaufenen Regionalligasaison befand sich der SV98 lediglich im Etat-Mittelfeld, und stand damit deutlich hinter Vereinen wie zum Beispiel dem KSV Hessen Kassel. Große Namen waren und sind auch heute in Darmstadt nicht zu finanzieren, wie Runjaic erklärt: „Nur wegen des Geldes kommt jedenfalls kein Spieler nach Darmstadt“. Trotz alldem hat der Verein die Zielsetzung ausgegeben, sich in der dritten Liga „zu etablieren“. Eine hohe Messlatte, und doch scheint dieses Ziel durchaus realisierbar. Denn Spieler wie eben Latza, Ratei oder Steegmann waren Stammspieler und Leistungsträger bei ihren ehemaligen Clubs. Und Fußballehrer Runjaic hat bereits bewiesen, dass er mit geringen Mitteln viel erreichen kann. Aufstiege mit der zweiten Mannschaft des SV Wehen-Wiesbaden und eben mit den „Lilien“ wurden mit minimalen finanziellen Mitteln realisiert.

Stadionneubau in Planung

Aber der Rüsselsheimer ist niemand, der nur im hier und jetzt denkt, sondern er geht bereits einen Schritt weiter. Die Trainingsplätze seien seit Jahren in katastrophalen Zustand: „Wenn man vor dem Training erst die ganzen Maulwurfhügel entfernen muss, dann hat das mit professionellem Fußball wenig zu tun“, moniert Runjaic, der die Erneuerung des Vereins schnell vorantreiben will und dabei auf die Unterstützung der Region hofft. Und auch in die Stadionfrage kommt mittlerweile Bewegung. „Pläne für einen Neubau liegen seit Jahren in der Schublade“, so Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne), allerdings kann ein Neubau nicht alleine durch die finanziell ebenfalls klamme Stadt Darmstadt realisiert werden. Und so wird der Verein auch hier auf die Unterstützung der Wirtschaft angewiesen sein, um das Projekt Stadionneubau zu verwirklichen. Denn das marode Stadion am Böllenfalltor, mittlerweile 90 Jahre alt und von den Fans heiß geliebt, entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen an eine moderne und komfortable Fußballarena.

Der Drei-Jahres-Plan

Viele Baustellen also, die sich der Verein mit der Rückkehr in den bezahlten Fußball geöffnet hat. Baustellen jedoch, die sicher gerne bearbeitet werden mit dem Ziel, die Klasse zu halten und sich in Liga 3 zu etablieren. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja schon bald einen neuen Drei-Jahres-Plan, diesmal aber mit dem Ziel: Aufstieg in Liga 2?

FOTO: www.o-m-d.org

   
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