Strohdiek im Interview: "Bin noch nicht bereit für die Zuschauer-Rolle"

Im Interview mit liga3-online.de spricht Christian Strohdiek von den Würzburger Kickers über den aktuellen Lauf seiner Mannschaft, die Wehwehchen im hohen Alter, die Absichten, in Bayern Wurzeln zu schlagen und die Vorbild-Funktion als Fußballer.

"Finden als Mannschaft immer besser zueinander"

liga3-online.de: Nach dem Abstieg aus der zweiten Liga nimmt der Motor der Würzburger Kickers so langsam Fahrt auf. Seit vier Begegnungen haben die Kickers nicht mehr verloren. Was läuft jetzt besser, Herr Strohdiek?

Christian Strohdiek: Der Hauptgrund liegt wohl darin, dass wir als Mannschaft immer besser zueinander finden. Unser neuer Trainer Danny Schwarz gibt uns eine klare Idee mit an die Hand. Er arbeitet akribisch und legt viel Wert auf`s Detail. Außerdem steigt mit unserer aktuellen Serie von Tag zu Tag auch das Selbstvertrauen .

Auffällig ist, dass Ihre Mannschaft in 16 Spielen bislang nur elf Tore erzielt hat. Was fehlt aktuell noch?

Das ist eine Baustelle, an der wir bereits hart arbeiten. Schon viele Mannschaften haben es geschafft, für eigenen jeweiligen Verhältnisse gut zu verteidigen. Das schwierigste im Fußball ist aber, Chancen zu kreieren, sodass daraus Tore entstehen. Für uns ist es wichtig, unter anderem Marvin Pourié in Abschlussposition zu bringen. Wir müssen einfach weiter daran arbeiten. Man sieht aber auch, dass die vielen Trainingseinheiten so langsam Früchte tragen. Zum Beispiel unser früher Führungstreffer bei Viktoria Berlin nach einem Konter war kein Zufallsprodukt.

Hatten Sie damit gerechnet, dass es nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga und dem Umbruch so schwierig sein würde, in der 3. Liga Fuß zu fassen?

Es war allen klar, dass wir nach einem solch großen Umbruch erst einmal in die Spur finden müssen. Viele neue Spieler sind auf eine Mannschaft gestoßen, die nach dem Abstieg ohnehin nicht vor Selbstvertrauen strotzte. Sicherlich hatten wir uns diese Situation nicht gewünscht. Umso wichtiger ist es jetzt, dass wir die Gefahrenzone so schnell wie möglich hinter uns lassen. Es tut gut, dass wir seit einigen Spielen nicht mehr verloren haben. Die Grundstimmung innerhalb der Mannschaft stimmt auf jeden Fall.

Sie mussten zwischenzeitlich aussetzen, feierten zuletzt nach sieben Spielen ohne Einsatz bei Viktoria Berlin (1:1) Ihr Comeback. Sind Sie wieder bei 100 Prozent?

In meinem Alter ist es nicht mehr so einfach, sich schnell von Verletzungen zu erholen (lacht). Aber im Ernst: Ich versuche jeden Tag näher an die Mannschaft zu kommen. Der kurze Einsatz in Berlin hat sicherlich dazu beigetragen, um den nächsten Schritt zu machen.

Der kommende Gegner am Samstag ist der SV Meppen. Die Emsländer strotzen derzeit nur so vor Selbstbewusstsein. Wie wollen Sie den SVM aber dennoch ärgern?

Wir müssen weiterhin an unsere Stäken aus den letzten Partien glauben. Kleinigkeiten werden in dieser Begegnung über Sieg oder Niederlage entscheiden. Wir sind uns bewusst, dass die Aufgabe gegen Meppen nicht einfach wird. Aber in der 3. Liga gibt es nunmal keine einfachen Gegner, die man im Vorbeigehen schlagen kann. Wir konzentrieren uns auf unsere eigenen Stärken und versuchen das beste Ergebnis rauszuholen.

 

"Weiß, was ich an den Kickers habe"

Nach über 20 Jahren haben Sie Ihren Heimatklub SC Paderborn endgültig verlassen. Haben Sie ab und zu Heimweh?

Ja, natürlich. Wenn man so lange, bei einem Verein ist, dann hinterlässt das Spuren. Natürlich verfolge ich auch die aktuellen Geschehnisse und freue mich, dass es beim SCP derzeit so gut läuft. Es ist schön zu sehen, dass der Verein den bisherigen Weg weitergeht, auch wenn nun andere Personen in der Verantwortung stehen.

Oftmals gehen Fußballer gegen Ende Ihrer Laufbahn wieder zurück in die Heimat. Sie haben sich bewusst für eine neue Herausforderung entschieden. Warum?

Ganz einfach: Ich war noch nicht bereit, die Fußballschuhe an den Nagel zu hängen. Mein Ziel war es, eine neue Herausforderung zu finden, bei der ich mit anpacken und mit meiner Erfahrung weiterhelfen kann. Leider ist es so, dass ich in meinem Alter von Verletzungen oder Wehwehchen, die mich in dieser Saison immer wieder aus der Bahn geworfen haben, nicht verschont bleibe. Aber dass ich jetzt schon die Zuschauer-Rolle annehme, kam für mich nicht infrage.

Können Sie sich vorstellen, auch nach Ihrer Karriere in Bayern Wuzeln zu schlagen?

Bei dieser Frage gibt es immer auch eine zweite Partei: den Verein. Es muss für beide Seiten Sinn machen, ein Engagement zu verlängern. In der aktuellen Situation liegt meine Priorität allerdings darauf, dabei zu helfen, den Verein zu stabilisieren. Persönliche Schicksale sind dabei Nebensache. Ich weiß, was ich aktuell an den Kickers habe. Im Gegenzug wissen die Würzburger aber auch genau, was sie an mir haben. Allerdings ist es aber auch kein Geheimnis, dass mir vorstellen kann, nach meiner aktiven Laufbahn eine Position beim SC Paderborn zu übernehmen.

In Bayern wurde in dieser Woche aufgrund neuer Corona-Bestimmungen der Fußballbetrieb unterhalb der Regionalliga vorerst eingestellt. Wie nimmt man solche Entscheidungen als Sportler wahr?

Das ist ein brisantes Thema. Wir hatten zu Beginn der Saison alle gehofft, dass wir von erneuten Abbrüchen und Zwangspausen verschont bleiben. Es ist schade, dass zum Teil weniger Zuschauer zugelassen sind. Davon lebt nämlich der Fußball. Allerdings nehme ich auch uns Sportler in die Pflicht. Wir haben eine Vorbildfunktion und müssen dieser auch gerecht werden.

   
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