Stroh-Engel im Interview: "Der Strafraum ist mein Wohnzimmer"

Im Interview mit liga3-online.de spricht Drittliga-Legende Dominik Stroh-Engel über seinen bevorstehenden Wechsel zum FC Memmingen in die Regionalliga Bayern, die ersten Planungen für die Zeit nach der Karriere, seinen bestehenden Rekord in der 3. Liga, sowie einen Makel seiner Laufbahn.

"Habe noch genug Kraft in meinem Körper"

liga3-online.de: Sie schlagen ab dem neuen Jahr ein neues Kapitel beim FC Memmingen in der Regionalliga Bayern auf. Wie sehr haben Sie den deutschen Fußball vermisst?

Dominik Stroh-Engel: Ich muss gestehen, dass mir der Fußball in Deutschland schon sehr gefehlt hat. Von daher freue ich mich besonders, dass beim FC Memmingen die Möglichkeit erhalten haben, wieder nach Deutschland zurückzukehren. Beim FC Kufstein in der dritten österreichischen Liga lief alles eher semiprofessionell ab. Das gesamte Niveau in der Liga war nicht so hoch. Auch die Trainingsumfänge und die Intensität der einzelnen Einheiten könnten besser sein.

Sie sind 36 Jahre jung. Wie viel Saft steckt noch in Ihnen für die neue Aufgabe?

Ich habe noch genug Kraft in meinem Körper. Während meiner Laufbahn bin ich zum Glück von größeren Verletzungen verschont geblieben. Ich fühle mich fit und vor allem habe ich noch viel Spaß am Spiel. Schließlich habe ich auch für eineinhalb Jahre in Memmingen unterschrieben. Danach könnt ihr mich gerne noch einmal fragen, wie viel Power ich noch habe (lacht). Der FCM hat mir aber eine hervorragende Perspektive aufgezeigt – auch über meine aktive Laufbahn hinaus.

Wie genau sieht die aus?

Im kommenden Jahr soll ein neues vereinseigenes Multifunktionsgebäude auf dem Trainingsgelände fertiggestellt werden. Der Verein hat mir in Aussicht gestellt, im Nachwuchsbereich eine größere Rolle zu übernehmen. In welche Richtung es genau gehen soll, haben wir aber noch nicht festgelegt. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, jungen Spielern auf ihrem Weg zum Profifußball zu unterstützen – egal, ob als Trainer oder in einer beratenden Rolle.

Ein halbes Jahr waren Sie in Kufstein unter Vertrag. Ihren Torinstinkt konnten Sie auch in Österreich unter Beweis stellen. In 18 Spielen erzielten Sie 14 Tore. Was macht Ihren "Riecher" aus?

Das ist nichts, was man sich großartig antrainieren kann. Entweder man hat einen Torinstinkt oder eben nicht. Für mich ist die Box mein Wohnzimmer. Ich weiß, wo die Bälle im besten Fall hinkommen. Allerdings bin ich auch immer abhängig von meinen Mitspielern. Wenn sie mich gut in Szene setzen, dann will ich zu Stelle sein. Ich würde von mir behaupten, dass ich für Tore garantieren kann.

Dass haben Sie während Ihrer Laufbahn eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Auch nach über sieben Jahren ist Ihr Torrekord mit 27 Treffern für den SV Darmstadt 98 in der Saison 2013/2014 noch unantastbar. Ist das eine besondere Auszeichnung für Sie?

Ich bin sehr stolz auf diese Marke. Ich freue mich immer wieder, wenn der Rekord eine weitere Spielzeit standhält. Mir ist aber bewusst, dass dieser Top-Wert nicht für ewig bestehen bleibt. Irgendwann kommt ein Spieler und wird auch diesen Rekord knacken. Dann werde ich aber da sein und demjenigen gratulieren.

 

"Bin mit jeder einzelnen Entscheidung zufrieden"

Von der 1. bis zur 4. Liga waren Sie in jeder Spielklasse am Ball. Sie sind während Ihrer Laufbahn quasi durch Höhen und Tiefen gegangen. Wie blicken Sie auf Ihre Karriere zurück?

In erster Linie blicke ich auf meine Stationen zurück und kann sagen, dass ich mich nie anders entschieden hätte. Ich bin mit jeder einzelnen Entscheidung zufrieden. Dafür habe ich auch immer alles für die Vereine gegeben, bei denen ich unter Vertrag stand. Ich denke nicht, dass ich bei irgendeinem Verein einen schlechten Eindruck hinterlassen habe. Besonders durch die Aufstiege mit dem SV Wehen Wiesbaden und dem SV Darmstadt in die 2. Bundesliga und dem den direkten Durchmarsch mit den Lilien in die 1. Bundesliga blicke ich auf eine sehr erfolgreiche Zeit zurück.

Welcher Moment bleibt unvergessen?

Das Rückspiel in der Aufstiegsrelegation mit dem SV Darmstadt 2014 bei Arminia Bielefeld. Nachdem wir das Hinspiel zu Hause 1:3 verloren hatten, konnten wir uns mit einem Treffer in der Schlussphase noch in die Verlängerung retten. Aber auch da haben wir erst ein Gegentor kassiert. Erst nach über 120 Minuten kam der erlösende Treffer für uns. Wir haben gekämpft, geschwitzt und am Ende gewonnen. Der Aufstieg war in jeder Hinsicht sensationell und bleibt für immer in Erinnerung.

Ein Tor in der 1. Bundesliga für Eintracht Frankfurt oder Darmstadt 98 blieb Ihnen verwehrt. Ein kleiner Makel in Ihrer Vita?

Das ärgert mich tatsächlich sehr, dass ich in 22 Spielen im Oberhaus keinen einzigen Treffer erzielt habe. Das kann man aber nun auch nicht mehr ändern. Es sollte einfach so sein, aber damit kann ich leben. Rückblickend betrachtet, bin ich sehr stolz auf meine Laufbahn.

   
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