16. April 2018 um 14:48 Uhr

Strittige Szenen am 34. Spieltag: Die Analyse von Babak Rafati

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Die nicht anerkannten Treffer für Rostock und Chemnitz, die verwehrten Strafstöße für Karlsruhe, Magdeburg und Meppen, die rote Karte für Erik Domaschke und der Elfmeter für Bremen II. Am 34. Spieltag hat sich Ex-FIFA-Schiedsrichter Babak Rafati für liga3-online.de sieben Szenen genauer angeschaut.

Hintergrund: 25 Jahre lang war Babak Rafati Schiedsrichter, 2008 schaffte er es sogar auf die FIFA-Liste. Insgesamt leitete der heute 44-Jährige 84 Erst-, 102 Zweit- und 13 Drittliga-Spiele. Seit Februar 2015 hat er eine neue Aufgabe: Exklusiv für liga3-online.de analysiert der erfahrene Schiedsrichter jeden Spieltag die strittigen Entscheidungen des Wochenendes. Nach einer Vorauswahl durch die Redaktion sichtet Rafati das Video-Material und gibt eine kurze Einschätzung zu den jeweiligen Szenen ab.

Szene 1: Soufian Benyamina (Hansa Rostock) wird von Pascal Breier in Szene gesetzt und trifft zum 1:0. Schiedsrichter Alexander Sather gibt den Treffer aufgrund einer vermeintlichen Abseitsposition jedoch nicht. [TV-Bilder – ab Minute 1:09:25]

Babak Rafati: Zum Zeitpunkt des Abspiels von Breier auf Benyamina stehen neben dem Torhüter zwei weitere Verteidiger von Karlsruhe näher zur eigenen Torlinie. Der Assistent ist eigentlich optimal positioniert und trotzdem trifft er eine Fehlentscheidung. Möglicherweise spielt die räumliche Nähe des Angreifers zum Assistenten eine Rolle, sodass er die Spieler, die vom Assistenten aus räumlich etwas weiter hinter dem Stürmer stehen, nicht richtig wahrnimmt.

Szene 2: Nach einer Grätsche von Nico Rieble (Hansa Rostock) geht Marcel Mehlem (Karlsruher SC) im Strafraum zu Fall, einen Elfmeter gibt es nicht. [TV-Bilder – ab Minute 1:10:55]

Babak Rafati: Der Schiedsrichter steht sehr gut und hat einen optimalen Blick auf den Zweikampf. Rieble geht im eigenen Strafraum sehr engagiert zu Werke und spielt klar den Ball. Das ist ein absolut sauberes Tackling und somit liegt eine richtige Entscheidung vor, hier weiterspielen zu lassen.

 

Szene 3: Marcel Costly (1. FC Magdeburg) wird von Alf Mintzel (Wehen Wiesbaden) geblockt und im Strafraum zu Fall gebracht. Kein Elfmeter, sagt Schiedsrichter Dr. Matthias Jöllenbeck. [TV-Bilder – ab Minute 1:00]

Babak Rafati: Costly läuft in den Strafraum von Wiesbaden und wird von Mintzel nur geblockt. Dieses Blocken mit dem Körper ist im Bereich des Erlaubten und somit liegt kein Foulspiel vor, zumal er sich nicht in Luft auflösen kann. Eine richtige Entscheidung, das Spiel weiterlaufen zu lassen.

 

Szene 4: Nach einem langen Ball von Tom Baumgart bringt Myroslav Slavov (Chemnitzer FC) den Ball im Tor unter, Schiedsrichter Benjamin Cortus gibt den Treffer nicht. [TV-Bilder – ab Minute 1:10]

Babak Rafati: Slavov geht im Meppener Strafraum beim Kopfballduell hoch und setzt dabei seinen Körper robust aber regelgerecht ein – auch wenn der Gegenspieler anschließend zu Fall kommt. Dabei ist überhaupt kein Foulspiel zu erkennen, auch kein möglicher Armeinsatz. Der Treffer hätte somit zählen müssen, sodass eine Fehlentscheidung vorliegt.

Szene 5: Bei einem Angriff des Chemnitzer FC kommt Erik Domaschke (SV Meppen) aus dem Tor und blockt einen Schuss von Florian Hansch (Chemnitzer FC) außerhalb des Strafraums ab. Cortus zeigt Rot. [TV-Bilder – ab Minute 1:30]

Babak Rafati: Domaschke blockt den Schuss des Chemnitzer Angreifers auf das leere Tor außerhalb des Strafraumes mit dem Arm ab und verhindert dadurch ein Tor. Der Torhüter setzt den Arm aktiv ein und führt ihn zum Ball, sodass eine Absicht vorliegt. Die rote Karte ist absolut berechtigt und somit liegt eine richtige Entscheidung vor.

Szene 6: Fabian Sennigner (SV Meppen) geht nach einem Laufduell mit Fabio Leutenecker (Chemnitzer FC) im Strafraum zu Fall und fordert einen Elfmeter. Der Schiedsrichter lässt die Partie weiterlaufen. [TV-Bilder – ab Minute 1:59:05]

Babak Rafati: Der Schiedsrichter steht gut zum Zweikampf. Senninger läuft in den Strafraum von Chemnitz und will sich den Ball an Leutenecker vorbeilegen. Der Torwart springt mit seinem linken Bein dazwischen und trifft erst den Ball und unmittelbar danach läuft der Angreifer gegen das ausgestreckte Bein des Torhüters. Das ist ein absolut sauberes Tackling des Torhüters, zumal das Spielobjekt in dieser Szene nur der Ball ist. Eine richtige Entscheidung, das Spiel weiterlaufen zu lassen.

 

Szene 7: Rafael Kazior (Werder Bremen II) geht im Duell mit Kai Gehring (SG Sonnenhof Großaspach) zu Boden, Schiedsrichter Patrick Schulz zeigt auf den Punkt. [TV-Bilder – ab Minute 2:50]

Babak Rafati: In dieser Szene verliert Gehring im eigenen Strafraum den Ball an seinen Gegenspieler Kazior. Im anschließenden Laufduell läuft der Stürmer selbst mit seinem Fuß in die Wade von Gehring und kommt dadurch zu Fall. Gehring führt dabei keine aktive Bewegung im Fußbereich zum Angreifer aus und auch oben ist kein Halten zu erkennen. Der Kontakt geht vom Stürmer aus. Hier wäre es richtig gewesen, weiterspielen zu lassen. Somit liegt eine Fehlentscheidung vor.

 
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