Strittige Szenen am 29. Spieltag: Die Analyse von Babak Rafati

25 Jahre lang war Babak Rafati Schiedsrichter, 2008 schaffte er es sogar auf die FIFA-Liste. Insgesamt leitete der heute 44-Jährige 84 Erst-, 102 Zweit- und 13 Drittliga-Spiele. Nun hat Rafati eine neue Aufgabe: Für liga3-online.de analysiert der erfahrene Schiedsrichter jeden Spieltag die strittigen Entscheidungen des Wochenendes. Nach einer Vorauswahl durch die Redaktion sichtet Rafati das Video-Material und gibt eine kurze Einschätzung zu den jeweiligen Szenen ab und erklärt bei falschen Entscheidungen zudem, wie die Unparteiischen auf dem Platz hätten reagieren müssen. Am 28. Spieltag hat er sich sieben Szenen einmal genauer angeschaut.

Szene 1: Adriano Grimaldi (Preußen Münster) bringt die Adlerträger nach einer Ecke in Führung, Schiedsrichter Marco Fritz will jedoch ein Stürmerfoul gesehen haben und gibt den Treffer daher nicht. [TV-Bilder – ab Minute 0:16]

Babak Rafati: Bei diesem Zweikampf laufen ein Angreifer und ein Verteidiger nach einer Ecke zum Ball. Dabei sieht man überhaupt kein regelwidriges Verhalten des Angreifers von Münster, auch wenn der Verteidiger von Osnabrück zu Fall kommt. Der Schiedsrichter pfeift auch etwas verspätet, weil er vielleicht nur sieht, dass der Verteidiger zu Fall kommt. Der anschließende Treffer hätte zählen müssen und somit liegt eine Fehlentscheidung vor.

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Szene 2: Stefan Wannenwetsch (Hansa Rostock) wird vor der Strafraumgrenze zu Fall gebracht, der Schiedsrichter Thorsten Schriever entscheidet auf Freistoß. Dieser landet bei Marco Kofler, der zum 2:1 trifft. Die Spieler des 1. FC Magdeburg reklamieren Abseits, Schriever gibt den Treffer dennoch. [TV-Bilder – ab Minute 7:25]

Babak Rafati: Der Zweikampf, der zum Freistoß führt, ist absolut fußballtypisch: Der Verteidiger macht keine Anstalten, seinen Gegner regelwidrig zu Fall zu bringen. Er ist im Laufduell, Wannenwetsch läuft in den Gegner hinein und lässt sich fallen. Weiterspielen wäre die richtige Entscheidung gewesen. Bei dem anschließenden Freistoß steht der Torschütze zum Zeitpunkt der Freistoßausführung hauchdünn im Abseits. Dabei wäre es unerheblich, ob ein Magdeburger den Ball danach abfälscht oder nicht, denn es liegt die gleiche Spielsituation vor. Der Treffer hätte nicht zählen dürfen. Somit liegt eine Fehlentscheidung vor.

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Szene 3: Okan Aydin (Rot-Weiß Erfurt) setzt Samiar Benamar in Szene, der Daniel Brückner im Zentrum findet. Dieser trifft zum 2:0 für RWE, Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus gibt den Treffer aufgrund einer vermeintlichen Abseitsposition von Benamar jedoch nicht. [TV-Bilder – ab Minute 37:30]

Babak Rafati: Man sieht bei den vorliegenden Bildern nicht, wo sich Benamar zum Zeitpunkt des Zuspiels befindet. Er kommt plötzlich aus dem linken Bildrand und startet den Angriff. Diese Szene kann aber nicht fallabschließend bewertet werden, somit muss man die Entscheidung des Gespanns akzeptieren.

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Szene 4: Eiður Aron Sigurbjörnsson (Holstein Kiel) bringt Richard Sukuta-Pasu (Energie Cottbus) im Strafraum zu Fall. Elfmeter für Cottbus, entscheidet Schiedsrichter Bastian Börner. [TV-Bilder – ab Minute 0:35]

Babak Rafati: Der Schiedsrichter steht glänzend zum Geschehen, hat freie Sicht und entscheidet ohne zu Zögern auf Strafstoß. Der Verteidiger von Kiel, Sigurbjörnsson, wird von Sukuta-Pasu verladen und der Verteidiger kann nur noch durch Beinstellen den Angreifer am Weiterlaufen hindern und bringt ihn dadurch zu Fall. Eine richtige Entscheidung.

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Szene 5: Nach einem Schuss von Simon Handle (Erzgebirge Aue) bekommt Tevin Ihrig (FSV Mainz 05 II) den Ball im Strafraum an die Hand, Schiedsrichter Johann Pfeifer zeigt auf den Punkt. [TV-Bilder – ab Minute 4:05]

Babak Rafati: Ihrig bekommt den Ball im eigenen Strafraum an die Hand/Arm geschossen. Da der Schuss aus sehr kurzer Entfernung kommt, eine natürliche Körperhaltung vorliegt und der Verteidiger nicht seine Körperfläche vergrößert wäre es hier richtig gewesen, weiterspielen zu lassen. Somit liegt eine Fehlentscheidung vor.

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Szene 6: Cacau (VfB Stuttgart II) trifft zum 1:0, bringt jedoch zuvor Nils Röseler (Chemnitzer FC) zu Fall. Schiedsrichter  Florian Badstübner gibt das Tor aber dennoch. [TV-Bilder – ab Minute 3:30]

Babak Rafati: Der Schiedsrichter hat eine sehr gute Sicht zum Zweikampf. Cacau trifft seinem Gegenspieler Röseler im Strafraum kurz und ansatzlos auf den Fuß, sodass der Verteidiger den Ball beim Kopfballversuch nicht richtig klären kann und anschließend zu Fall kommen. Diese Aktion hätte natürlich abgepfiffen werden müssen, sodass eine Fehlentscheidung vorliegt.

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Szene 7: Nach einem Zweikampf mit Peter Kurzweg (Würzburger Kickers) geht Rafael Kazior (Werder Bremen II) im Strafraum zu Fall. Strafstoß für Bremen II, sagt Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck. [TV-Bilder – ab Minute 6:35]

Babak Rafati: Kurzweg kommt beim Klärungsversuch im Strafraum einen Moment zu spät und trifft dabei Kazior in die Beine. Dadurch kommt der Angreifer zu Fall und es gibt zurecht Strafstoß. Der Schiedsrichter steht sehr gut, obwohl die Situation sehr undurchsichtig ist. An seiner Körperhaltung erkennt man auch sehr gut, dass er äußerst konzentriert ist, was ihm zu einer richtigen Entscheidung verhilft.

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