12. März 2018 um 14:55 Uhr

Strittige Szenen am 29. Spieltag: Die Analyse von Babak Rafati

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© imago/Simon

Das 1:2 für Paderborn, die nicht gegebenen Elfmeter für Rostock, Münster, Lotte, Köln und Karlsruhe, die Strafstöße für Würzburg und Unterhaching, das 2:2 für Münster, der nicht gegebene Treffer für Zwickau. Am 29. Spieltag hat sich Ex-FIFA-Schiedsrichter Babak Rafati für liga3-online.de zehn Szenen genauer angeschaut.

Hintergrund: 25 Jahre lang war Babak Rafati Schiedsrichter, 2008 schaffte er es sogar auf die FIFA-Liste. Insgesamt leitete der heute 44-Jährige 84 Erst-, 102 Zweit- und 13 Drittliga-Spiele. Seit Februar 2015 hat er eine neue Aufgabe: Exklusiv für liga3-online.de analysiert der erfahrene Schiedsrichter jeden Spieltag die strittigen Entscheidungen des Wochenendes. Nach einer Vorauswahl durch die Redaktion sichtet Rafati das Video-Material und gibt eine kurze Einschätzung zu den jeweiligen Szenen ab.

Szene 1: Nach einem Pressschlag von Felix Herzenbruch (SC Paderborn) gelangt der Ball zu Christopher Antwi-Adjej, kurz danach fällt das 1:2. Hansa reklamiert, dass Antwi-Adjej beim Zuspiel im Abseits stand. Schiedsrichter Daniel Schlager gibt den Treffer. [TV-Bilder – ab Minute 2:10]

Babak Rafati: Diese Szene ist mit den vorliegenden TV-Bildern nicht zweifelsfrei aufzulösen. Zum Zeitpunkt des Abspiels aus dem Mittelfeld von Herzenbruch steht Antwi-Adjej vermutlich im Abseits. Da man diese vermeintliche Abseitsposition jedoch nur erahnen kann, ist es nur eine Tendenz. Daher sollten wir die Entscheidung des Schiedsrichtergespanns akzeptieren.

Szene 2: Nach einer Ecke geht Oliver Hüsing (Hansa Rostock) im Duell mit Philipp Tietz (SC Paderborn) im Strafraum zu Fall, das Spiel läuft weiter. [TV-Bilder – ab Minute 1:25:40]

Babak Rafati: Man sieht an der Flugbahn des Balls, dass Tietz im eigenen Strafraum nur den Ball spielt und Hüsing gar nicht trifft. Das ist ein absolut fairer Einsatz und eine richtige Entscheidung, weiterspielen zu lassen.

 

Szene 3: Simon Scherder (Preußen Münster) kommt im Strafraum nach einem Kontakt von Sören Eismann (Carl Zeiss Jena) zu Fall. Kein Elfmeter, sagt Schiedsrichter Tobias Welz. [TV-Bilder – ab Minute 3:05]

Babak Rafati: Eismann spielt im eigenen Strafraum nur den Ball, Scherder kommt ohne gegnerische Einwirkung zu Fall – also ein Stolperer. Hier weiterspielen zu lassen, ist eine richtige Entscheidung.

Szene 4: Tobias Rühle (Preußen Münster) verlängert eine Flanke, die Adriano Grimaldi zum 2:2 im Tor unterbringt. Jena reklamiert Abseits, der Treffer zählt dennoch. [TV-Bilder – ab Minute 8:10]

Babak Rafati: Florian Brügmann, der vor dem Assistenten am Boden liegt, hebt die Abseitsposition auf. Obwohl er sich außerhalb des Spielfeldes befindet, gehört er zum Spiel. Ein Spieler des verteidigenden Teams, der das Spielfeld ohne die Erlaubnis des Schiedsrichters verlässt, gilt im Sinne der Abseitsregel als auf der Tor- oder Seitenlinie stehend, bis das Spiel unterbrochen wird oder eine neue Spielsituation entsteht. Daher ist es eine richtige Entscheidung, das Tor anzuerkennen.

 

Szene 5: René Lange bringt einen Freistoß zum 1:0 für Zwickau im Tor unter, Schiedsrichter Felix-Benjamin Schwermer entscheidet auf Abseits und gibt den Treffer nicht. [TV-Bilder – ab Minute 38:35]

Babak Rafati: Im Bild ist der genaue Zeitpunkt des Zuspiels auf König nicht zu sehen. Vorausgesetzt, dass sich dieser in einer Abseitsposition befindet, spielt es anschließend keine Rolle, ob er den Ball berührt oder nicht. Durch seinen aktiven Eingriff irritiert und beeinflusst er seine Gegenspieler, sodass die Entscheidung, das Tor wegen Abseits abzuerkennen, richtig ist.

 

Szene 6: Im Strafraum geht Simon Skarlatidis (Würzburger Kickers) nach einem Kontakt von Marc Wachs (VfL Osnabrück) zu Fall, woraufhin Schiedsrichter Marco Fritz Elfmeter für Würzburg pfeift. [TV-Bilder – ab Minute 0:45]

Babak Rafati: Man sieht sehr gut, dass Skarlatidis zuerst am Ball ist und diesen spielt. Wachs kommt etwas zu spät und tritt Skarlatidis von hinten kurz in die Hacken. Das ist ein ungeschicktes Zweikampfverhalten des Verteidigers, der sich selbst über diese Szene ärgern wird. Eine richtige Entscheidung des Schiedsrichters, diesen kurzen und ansatzlosen Tritt mit einem Strafstoß zu belegen.

 

Szene 7: Moritz Heyer (Sportfreunde Lotte) wird von Christoph Menz (Köln) im Strafraum zu Fall gebracht. Kein Elfmeter, sagt Schiedsrichter Justus Zorn. [TV-Bilder – ab Minute 0:45]

Babak Rafati: Der Schiedsrichter steht sehr gut und hat freie Sicht. Heyer läuft in den Strafraum und wird von Menz im Laufduell absolut sauber gestellt. Das ist gut verteidigt von Menz. Es liegt sowohl im Oberkörperbereich als auch im Fußbereich kein Foulspiel vor, auch wenn sich Heyer gestört fühlt. Eine richtige Entscheidung des Schiedsrichters, weiterspielen zu lassen.

Szene 8: Adam Straith (Sportfreunde Lotte) bringt Dominik Ernst (Fortuna Köln) im Strafraum zu Fall, einen Elfmeter gibt Zorn nicht. [TV-Bilder – ab Minute 4:10]

Babak Rafati: Auch in dieser Szene steht der Schiedsrichter gut und hat freie Sicht. Ernst tritt im Laufduell kurz vor dem Strafraum selbst und ohne gegnerischen Einfluss mit dem linken Fuß in den Boden und verliert dadurch sein Gleichgewicht. Anschließend verdreht er sich unglücklich das rechte Knie. Ein Foulspiel von Straith ist nicht zu sehen. Auch hier eine richtige Entscheidung, das Spiel nicht zu unterbrechen.

 

Szene 9: Im Strafraum will Fabian Schleusener (Karlsruher SC) zum Ball, wird aber von Jens Möckel (Rot-Weiß Erfurt) gehalten und geht zu Boden. Schiedsrichter Pascal Müller lässt das Spiel weiterlaufen. [TV-Bilder – ab Minute 1:31:00]

Babak Rafati: Der Schiedsrichter hat an sich eine gute Position und freie Sicht zum entscheidenden Zweikampf. Im Strafraum von Erfurt wird Schleusener von seinem Mitspieler in guter und zentraler Position angespielt. Als er zum Ball laufen will, wird er von Möckel eindeutig an der Schulter herunter gerissen und am Weiterlaufen gehindert. Hier hätte es einen Strafstoß für Karlsruhe und eine gelbe Karte gegen Möckel geben müssen. Somit liegt eine Fehlentscheidung vor.

Eine Notbremse und eine rote Karte ist das hingegen nicht, da Schleusener keine Ballkontrolle hat und zudem noch andere Verteidiger um ihn herum postiert sind und somit nur eine gute Angriffsposition und keine glasklare Torchance vereitelt wird.

 

Szene 10: Jim-Patrick Müller (SpVgg Unterhaching) nimmt einen Kontakt von Mike-Steven Bähre (SV Meppen) an und geht im Strafraum zu Fall. Elfmeter, sagt Schiedsrichter Tobias Fritsch. [TV-Bilder – ab Minute 1:35]

Babak Rafati: Müller läuft in den Strafraum von Meppen und wird von Bähre gekreuzt, dabei gibt dieser ihm einen kleinen Schubser mit dem Arm in den Rücken. Bei diesem Lauftempo reicht dieser leichte Kontakt aber schon aus, um den Gegenspieler zu Fall zu bringen. Sicherlich ist die Aktion vom Stürmer clever gelöst und gleichzeitig vom Verteidiger ungeschickt ausgeführt. Eine vertretbare Entscheidung, in dieser Szene auf Strafstoß zu entscheiden.

 

 

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