9. März 2018 um 09:34 Uhr

Strittige Szenen am 28. Spieltag: Die Analyse von Babak Rafati

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© imago/deFodi

Ein Foul von Türpitz, die nicht gegebenen Elfmeter für Paderborn, Osnabrück und Karlsruhe, das 1:1 für Paderborn, der verwehrte Treffer für Meppen, das 2:2 für Meppen und ein Foul von Fehr. Am 28. Spieltag hat sich Ex-FIFA-Schiedsrichter Babak Rafati für liga3-online.de sieben acht Szenen genauer angeschaut.

Hintergrund: 25 Jahre lang war Babak Rafati Schiedsrichter, 2008 schaffte er es sogar auf die FIFA-Liste. Insgesamt leitete der heute 44-Jährige 84 Erst-, 102 Zweit- und 13 Drittliga-Spiele. Seit Februar 2015 hat er eine neue Aufgabe: Exklusiv für liga3-online.de analysiert der erfahrene Schiedsrichter jeden Spieltag die strittigen Entscheidungen des Wochenendes. Nach einer Vorauswahl durch die Redaktion sichtet Rafati das Video-Material und gibt eine kurze Einschätzung zu den jeweiligen Szenen ab.

Szene 1: Philipp Türpitz (1. FC Magdeburg) geht mit hohem Bein in einen Zweikampf gegen Felix Herzenbruch (SC Paderborn) und trifft diesen leicht im Gesicht. Schiedsrichter Michael Bacher belässt es bei einer Ermahnung. [TV-Bilder – ab Minute 31:30]

Babak Rafati: In dieser Szene geht Türpitz mit vollem Risiko und hohem Bein auf Kopfhöhe in den Zweikampf, trifft Herzenbruch (wenn überhaupt) allerdings nur sehr minimal, auch wenn sich dieser sofort an den Kopf fasst und großen Schmerz signalisiert. Hätte er in dieser Situation seinen Gegenspieler deutlicher getroffen, hätte es eine rote Karte geben müssen. In diesem Fall ist die Ermahnung angemessen, zumal Herzenbruch sofort und verletzungsfrei wieder aufsteht.

Szene 2: Bei einem Laufduell zwischen Tobias Schwede (1. FC Magdeburg) und Christopher Antwi-Adjej (SC Paderborn) fährt Schwede den Arm aus und trifft Antwi-Adjej im Gesicht, woraufhin dieser im Strafraum zu Fall geht. Einen Elfmeter gibt es nicht. [TV-Bilder – ab Minute 1:02:00]

Babak Rafati: Im Laufduell zwischen Schwede und Antwi-Adjej im Magdeburger Strafraum fährt Schwede kurz und ansatzlos seinen rechten Arm aus und trifft seinen Gegenspieler dabei im Gesicht. Der Arm hat dort nichts zu suchen, sodass man auch nicht von einem normalen Bewegungsablauf sprechen kann. Leider ist generell ein Trend zu beobachten, dass der Arm immer häufiger eingesetzt wird, um den Gegenspieler im Zweikampf fernzuhalten. Für diesen Schlag hätte es einen Strafstoß für Paderborn sowie eine gelbe Karte gegen Schwede geben müssen. Somit liegt eine Fehlentscheidung vor, das Spiel weiterlaufen zu lassen.

Szene 3: Nach Vorlage von Marlon Ritter (SC Paderborn) kommt Philip Tietz im Strafraum an den Ball und setzt sich gegen André Hainault (1. FC Magdeburg) durch. Dieser geht zu Boden, direkt danach trifft Kwame Yeboah zum 1:1. Der Treffer zählt. [TV-Bilder – ab Minute 3:10]

Babak Rafati: Bei diesem Zweikampf hat der Magdeburger Verteidiger ein schlechtes Stellungsspiel und verschätzt sich dadurch. Er lässt sich von Tietz abschütteln, der seinen Körper regelkonform einsetzt und dabei kein Foulspiel begeht. Hier das Spiel weiterlaufen zu lassen und das anschließende Tor anzuerkennen, ist eine richtige Entscheidung.

 

Szene 4: Benjamin Girth (SV Meppen) kommt im Strafraum an den Ball und geht zu Fall. Das Spielgerät rollt zu Kleinsorge, der anschließend zum 2:0 trifft. Schiedsrichter Jonas Weickenmeier entscheidet jedoch auf Stürmerfoul und gibt den Treffer nicht. [TV-Bilder – ab Minute 38:55]

Babak Rafati: Der Schiedsrichter steht an sich sehr gut zum Geschehen. Girth rutscht im Osnabrücker Strafraum ohne gegnerischen Einfluss aus und kommt anschließend zu Fall. Daraufhin läuft Adam Susac aktiv weiter und fällt über den bereits am Boden liegenden Angreifer von Meppen. Girth verhält sich dabei jedoch absolut passiv. Ein korrekter Zweikampf und keinesfalls ein Stürmerfoul, sodass dieser Treffer hätte zählen müssen. Eine Fehlentscheidung.

Szene 5: Marc Heider (VfL Osnabrück) wird im Strafraum gehalten und fordert einen Elfmeter. Weickenmeier lässt das Spiel weiterlaufen. [TV-Bilder – ab Minute 46:45]

Babak Rafati: Der Schiedsrichter steht glänzend. Heider wird von seinem Gegenspieler im Meppener Strafraum attackiert und gestellt. Es liegt aber kein Halten und kein Klammern im Sinne einer Regelwidrigkeit, sondern ein gesundes Maß eines Verteidigers von "taktisch am Mann bleiben" vor. Eine richtige Entscheidung, das Spiel nicht zu unterbrechen.

Szene 6: Nach einer Ecke des SV Meppen wird Marc Heider (VfL Osnabrück) gefoult und bleibt liegen, ein Foul pfeift der Schiedsrichter nicht. Stattdessen wird das Spiel mit einem Einwurf für Meppen fortgesetzt, aus dem kurz danach das 2:2 ensteht. [TV-Bilder – ab Minute 1:52:05]

Babak Rafati: Das ist ein Zweikampf, der immer wieder zu beobachten ist. Es gibt Schiedsrichter, die derartige Szenen abpfeifen und andere, die das Spiel weiterlaufen lassen. Eine vertretbare Entscheidung, diesen Zweikampf, der im Grenzbereich liegt, weiterlaufen zu lassen.

 

Szene 7: Der bereits Gelb verwarnte Jeff-Denis Fehr (SG Sonnenhof Großaspach) geht rüde in einen Zweikampf gegen Burak Camoglu (Karlsruher SC), wird von Schiedsrichter Steffen Brütting aber lediglich ermahnt. [TV-Bilder – ab Minute 34:15]

Babak Rafati: Fehr geht im Mittelfeld sehr unglücklich in den Zweikampf, touchiert mit dem linken Fuß den Ball und trifft mit dem rechten Nachziehbein seinen Gegenspieler Camoglu leicht. Er kann von Glück reden, dass er den Karlsruher nicht richtig trifft und dieses Vergehen somit nicht gelbwürdig ist. Eine Ermahnung ist folglich die richtige Entscheidung.

Szene 8: Daniel Gordon (Karlsruher SC) wird nach einem Freistoß leicht geschubst und kommt im Strafraum zu Fall. Kein Elfmeter, sagt Brütting. [TV-Bilder – ab Minute 55:45]

Babak Rafati: Nach einem Freistoß in den Strafraum von Großaspach geht Gordon zum Kopfball hoch und wird von seinem Gegenspieler leicht mit dem Arm gestoßen. Ob dieser leichte Schieber für einen Strafstoß ausreicht, kann bezweifelt werden. Eine vertretbare Entscheidung, weiterspielen zu lassen. Allerdings sieht man, dass Gordon, bevor der Freistoß ausgeführt wird, seinen Gegenspieler klar und deutlich wegschubst. Hier hätte es folglich vorher schon einen Pfiff und eine gelbe Karte gegen Gordon geben müssen und das Spiel mit einer Wiederholung des Freistoßes für Karlsruhe fortgesetzt werden müssen, da der Ball noch nicht im Spiel war.

 

 

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