Strittige Szenen am 27. Spieltag: Die Analyse von Babak Rafati

Das 3:3 für Meppen, ein Foulspiel von Undav, die nicht gegebenen Elfmeter für Meppen, Ingolstadt, Halle und Köln sowie die verwehrten Treffer von Jena und Rostock: Am 27. Spieltag hat sich Ex-FIFA-Schiedsrichter Babak Rafati für liga3-online.de elf Szenen genauer angeschaut.

Hintergrund: Babak Rafati war viele Jahre Bundesliga & FIFA Schiedsrichter. Insgesamt leitete der heute 48-Jährige 84 Erst-, 102 Zweit-, 13 Drittliga- und zahlreiche internationale Spiele. Exklusiv für liga3-online.de analysiert der erfahrene Schiedsrichter jeden Spieltag die strittigen Szenen, die durch die Redaktion im Vorfeld ausgewählt werden. Zudem ist er Kolumnist und TV-Experte für Bundesliga-Spiele. Im Hauptberuf ist Rafati heute Mentalcoach für Profifußballer und Manager sowie ein viel gefragter Referent in der freien Wirtschaft, u.a. bei DAX-Unternehmen zum Thema Stressmanagement und Motivation (www.babak-rafati.de).

Szene 1: Deniz Undav (Meppen) setzt im Zweikampf gegen Hikmet Ciftic (Kaiserslautern) den Ellenbogen ein – beide sehen von Schiedsrichter Mitja Stegemann Gelb. [TV-Bilder – ab Minute 49:20]

Babak Rafati: Undav setzt an der Seitenlinie vor den Bänken gegen Ciftic völlig unnötig den Ellenbogen und will nach hinten schlagen, obwohl der Ball am Fuß ist. Dabei trifft er ihn – zum Glück für beide – nicht voll. Als unmittelbar danach der Ball ins Seitenaus geht, will er sich von seinem Gegenspieler, den er zuvor attackiert hat, nichts sagen lassen und schiebt ihn leicht weg. Regeltechnisch müsste wegen eines versuchten Schlags die rote Karte gezeigt werden. Die gelbe Karte gegen Undav ist aber vertretbar, da er Ciftic nicht voll trifft.

Ciftic ebenso die gelbe Karte zu zeigen, ist bei den Schiedsrichtern ein Mittel, um bei Rudelbildungen für Ruhe zu sorgen. Kann man so machen, jedoch ist das nicht angemessen, da in dieser Situation die Reaktion von Ciftic menschlich absolut nachvollziehbar ist. Undav zu verschonen, ist noch im Rahmen, aber Ciftic ebenso zu bestrafen, ist eine Fehleinschätzung. So etwas kann übrigens bitter werden, wenn daraus im späteren Spielverlauf eine Ampelkarte zustande kommt.

Szene 2: Im Strafraum wird René Guder (Meppen) von Kevin Kraus (Kaiserslautern) zu Fall gebracht, einen Elfmeter gibt es nicht. [TV-Bilder – ab Minute 1:21:00]

Babak Rafati: Natürlich wird Guder von Kraus am Fuß getroffen, jedoch ist der Ball bereits gespielt, sodass keine Gefahr mehr ausgeht. Nach der Regel ist das zwar nicht relevant und wäre trotzdem ein Foulspiel, aber das pfeift kein Schiedsrichter, was auch richtig ist. Praxisrelevanz ist für einen Schiedsrichter immer mit einzubringen und er sollte nicht streng nach Regel pfeifen. Dennoch eine richtige Entscheidung, weiterspielen zu lassen.

Szene 3: Im Kampf um den Ball prallen Yannik Oseé (Meppen) und Manfred Starke (Kaiserslautern) zusammen, Starke bleibt liegen. Der Schiedsrichter lässt weiterspielen, aus dem Angriff fällt das 3:3. [TV-Bilder – ab Minute 3:40]

Babak Rafati: Bei diesem Zweikampf im Mittelfeld spielt Oseé nur den Ball und wird anschließend von Starke umgerannt. Das Spiel läuft aber weiter, da Meppen in Ballbesitz bleibt. Der Schiedsrichter zeigt an, dass kein Foulspiel vorliegt – obwohl es sich eigentlich um eines handelt – und lässt weiterspielen. So oder so liegt eine richtige Entscheidung vor, das Spiel weiterlaufen zu lassen und den anschließenden Treffer für Meppen anzuerkennen.

Szene 4: Stefan Kutschke (Ingolstadt) geht im Strafraum zum hohen Ball und wird von zwei HFC-Verteidigern gedoppelt. Der Stürmer fällt, bekommt von Schiedsrichter Robin Braun aber keinen Strafstoß zugesprochen. [TV-Bilder – ab Minute 25:15]

Babak Rafati: Das ist ein ganz normaler Zweikampf, bei dem es im Strafraum natürlich immer wieder zum Körperkontakt kommt. Eine richtige Entscheidung des Schiedsrichters, dieses Duell im Strafraum von Halle gegen Kutschke weiter laufen zu lassen.

Szene 5: Pascal Sohm (Halle) wird im Strafraum angespielt und von Michael Heinloth (Ingolstadt) zu Fall gebracht – kein Elfmeter. [TV-Bilder – ab Minute 53:55]

Babak Rafati: Sohm und Heinloth gehen im Strafraum von Ingolstadt zum Ball, Heinloth ist dabei schneller am Ball und spielt diesen klar, auch wenn er womöglich Sohm leicht touchiert. Hier ist nur der Ball Spielobjekt, sodass der Zweikampf sauber ist und somit eine richtige Entscheidung vorliegt, weiterspielen zu lassen.

 

Szene 6: Nach einer Ecke trifft Kilian Pagliuca zum 1:3 für Jena. Schiedsrichter Florian Exner gibt den Treffer allerdings nicht. [TV-Bilder – ab Minute 2:05:00]

Babak Rafati: Früher gab es die Regelung, dass der Torwart im "Fünfer" überhaupt nicht angegangen werden darf. Vor vielen Jahren wurde diese Regel aufgehoben. Ein Torhüter wird mittlerweile genauso wie ein Feldspieler behandelt, sodass der Zweikampf gegen Hiller absolut korrekt ist und der anschließende Treffer von Pagliuca hätte zählen müssen. Eine Fehlentscheidung, diesen Treffer abzuerkennen.

 

Szene 7: Nils Butzen (Rostock) dringt in den Strafraum ein, über Umwege gelangt der Ball zu Aaron Opoku. Der trifft zum 3:0, gegeben wird der Treffer aufgrund eines vermeintlichen Foulspiels von Verhoek an Becker aber nicht. [TV-Bilder – ab Minute 1:19:30]

Babak Rafati: Bei diesem Zweikampf im Strafraum von Braunschweig stochern beiden Spieler ein wenig, treffen beide ins Leere und nicht den Ball. Es kann auch sein, dass der Angreifer den Verteidiger minimal berührt, aber diese Berührung ist nicht die Ursache für das Zufallkommen des Verteidigers. Das ist kein Foulspiel, sodass eine Fehlentscheidung vorliegt, diesen Treffer zu verweigern.

 

Szene 8: Bei einem Zweikampf im Strafraum geht Mike Wunderlich (Viktoria Köln) gegen Julian Schauerte (Münster) zu Fall. Kein Elfmeter für Köln, sagt Schiedsrichter Michael Bacher. [TV-Bilder – ab Minute 1:00]

Babak Rafati: Beim Zweikampf im Strafraum von Münster stellt Schauerte das Bein in den Weg von Wunderlich, hindert ihn am Weiterlaufen und bringt ihn zu Fall. Der Ball ist dabei überhaupt nicht Spielobjekt, sodass ein Foulspiel vorliegt und es einen Strafstoß für Köln hätte geben müssen. Somit eine Fehlentscheidung, weiterspielen zu lassen.

 

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