Strittige Szenen am 20. Spieltag: Die Analyse von Babak Rafati

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© imago/Eibner

Der nicht gegebene Elfmeter für Rostock, der Platzverweis gegen Sternberg, das 1:1 für Kaiserslautern, der Strafstoß für Würzburg, die verwehrten Treffer für Meppen und Großaspach. Am 20. Spieltag hat sich Ex-FIFA-Schiedsrichter Babak Rafati für liga3-online.de sechs Szenen genauer angeschaut.

Hintergrund: Babak Rafati war viele Jahre Bundesliga & FIFA Schiedsrichter. Insgesamt leitete der heute 48-Jährige 84 Erst-, 102 Zweit-, 13 Drittliga- und zahlreiche internationale Spiele. Exklusiv für liga3-online.de analysiert der erfahrene Schiedsrichter jeden Spieltag die strittigen Szenen, die durch die Redaktion im Vorfeld ausgewählt werden. Zudem ist er Kolumnist und TV-Experte für Bundesliga-Spiele. Im Hauptberuf ist Rafati heute Mentalcoach für Profifußballer und Manager sowie ein viel gefragter Referent in der freien Wirtschaft, u.a. bei DAX-Unternehmen zum Thema Stressmanagement und Motivation (www.babak-rafati.de).

Szene 1: Nach einer Hereingabe blockt Marc Stein (Energie Cottbus) den Ball mit dem Oberarm zu seinem Torhüter ab, Rostock fordert Elfmeter. Schiedsrichter Sven Waschitzki lässt das Spiel weiterlaufen. [TV-Bilder – ab Minute 1:05:10]

Babak Rafati: Stein will den Ball im eigenen Strafraum sicherlich mit der Brust zu seinem Torwart zurückspielen, jedoch verschätzt er sich hierbei und bekommt den Ball an den Oberarm. Bei dieser Szene hätte der Assistent den Schiedsrichter unterstützen können, wenn der dieser das Handspiel aus seiner Position nicht sehen kann. Es liegt nämlich ein strafbares Handspiel vor und hätte daher mit einem Strafstoß für Rostock geahndet werden müssen. Eine Fehlentscheidung, in dieser Szene weiterspielen zu lassen.

 

Szene 2: Janek Sternberg (1. FC Kaiserslautern) will einen Konter von 1860 München verhindern, hält Stefan Lex am Arm fest, bringt ihn dadurch aus dem Gleichgewicht und sieht von Schiedsrichter Martin Thomsen Gelb-Rot. [TV-Bilder – ab Minute 1:40]

Babak Rafati: Sternberg hat schon Gelb und erlaubt sich trotzdem ein taktisches Foulspiel durch Festhalten im Mittelfeld. Dem Schiedsrichter bleibt nichts anderes übrig, als ihm für diese Aktion die gelb-rote Karte zu zeigen. Eine richtige Entscheidung, bei der der Schiedsrichter keinen Handlungsspielraum hat.

Szene 3: Nach einer Ecke wird Romuald Lacazette (1860 München) von André Hainault und Lukas Gottwalt (1. FC Kaiserslautern) in die Zange genommen und zu Fall gebracht, das Spiel läuft weiter. Direkt nach fällt das 1:1 für Kaiserslautern. [TV-Bilder – ab Minute 3:00]

Babak Rafati: Lacazette steht schon vor dem Zweikampf etwas orientierungslos herum. Als er in den Luftkampf gegen Hainault und Gottwalt geht, ist er einfach nicht entschlossen genug und kommt ohne, dass gegen ihn Foul gespielt wird, zu Fall. Eine richtige Entscheidung, weiterspielen zu lassen und den anschließenden Treffer für Kaiserslautern anzuerkennen.

 

Szene 4: Nach einem Einwurf von Fabio Kaufmann (Würzburger Kickers) bekommt Marc Heider (VfL Osnabrück) den Ball im Strafraum offenbar an den Arm, Schiedsrichter Florian Lechner gibt Elfmeter für Würzburg. [TV-Bilder – ab Minute 2:25]

Babak Rafati: Aus der vorliegenden Kameraperspektive ist das Handspiel nicht zu erkennen, aber nach dem vermeintlichen Handspiel sieht man, wie der Arm wieder nach hinten geht und keine Spannung mehr hat, was daraufhin deutet, dass Heider den Ball kurz zuvor mit dem Arm abgestoppt hat. Somit müssen wir die Entscheidung des Assistenten akzeptieren. Sollte tatsächlich ein Handspiel vorgelegen haben, ist sogar ein Kompliment an den Assistenten auszusprechen, denn nur er könnte aufgrund seines seitlichen Blickwinkels so etwas sehen und entsprechend anzeigen.

 

Szene 5: Marius Kleinsorge trifft aus dem Gewühl zum 3:0 gegen Meppen, wird von Schiedsrichter Henry Müller jedoch aufgrund einer Abseitsposition jedoch zurückgepfiffen. [TV-Bilder – ab Minute 1:45]

Babak Rafati: Zum Zeitpunkt des Abprallers zu Kleinsorge steht dieser im strafbaren Abseits. Sollte der Ball zuletzt vom Gegner berührt worden sein, wäre das irrelevant, da es sich in diesem Fall nicht um eine neue Spielsituation handeln würde. Somit eine richtige Entscheidung, diesen Treffer für Meppen nicht anzuerkennen.

 

Szene 6: Julian Leist (Sonnenhof Großaspach) köpft einen Freistoß ins Tor, Schiedsrichter Nicolas Winter erkennt den Treffer aufgrund einer Abseitsposition jedoch nicht an. [TV-Bilder – ab Minute 51:30]

Babak Rafati: Ob Leist beim Kopfball im Abseits steht, kann man mit den vorliegenden Bildern nicht zweifelsfrei belegen, somit muss man die Entscheidung des Schiedsrichtergespanns akzeptieren, das Tor für Großaspach zu anulieren.

 

   
  • Alvar Fågel

    So wie gegen Cottbus lief, hätten wir den zweiten Elfer vermutlich auch versemmelt, also halb so wild…

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