Strittige Szenen am 2. Spieltag: Die Analyse von Babak Rafati

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© imago/Simon

Der nicht gegebene Treffer für Meppen, die verwehrten Elfmeter für Unterhaching, Münster, Halle und Wiesbaden sowie das Foul von Hofmann an Rankovic. Am 2. Spieltag hat sich Ex-FIFA-Schiedsrichter Babak Rafati für liga3-online.de sechs Szenen genauer angeschaut.

Hintergrund: Babak Rafati war viele Jahre Bundesliga & FIFA Schiedsrichter. Insgesamt leitete der heute 48-Jährige 84 Erst-, 102 Zweit-, 13 Drittliga- und zahlreiche internationale Spiele. Exklusiv für liga3-online.de analysiert der erfahrene Schiedsrichter jeden Spieltag die strittigen Szenen, die durch die Redaktion im Vorfeld ausgewählt werden. Zudem ist er Kolumnist und TV-Experte für Bundesliga-Spiele. Im Hauptberuf ist Rafati heute Mentalcoach für Profifußballer und Manager sowie ein viel gefragter Referent in der freien Wirtschaft, u.a. bei DAX-Unternehmen zum Thema Stressmanagement und Motivation (www.babak-rafati.de).

Szene 1: Max Kremer (SV Meppen) bringt einen Eckball zum 1:1 direkt im Tor unter, Schiedsrichter Tobias Welz will jedoch ein Foulspiel gesehen haben und erkennt den Treffer nicht an. [TV-Bilder – ab Minute 2:45]

Babak Rafati: Ein bisschen Geschiebe in den Strafräumen ist immer gegeben, die Spieler wollen das auch so. In dieser Szene ist aber überhaupt kein Foulspiel auszumachen, daher hätte der Treffer zählen müssen. Eine Fehlentscheidung, diesen Treffer nicht zu geben.

 

Szene 2: Einen Schuss von Sascha Bigalke (SpVgg Unterhaching) berührt Torben Rehfeldt (VfR Aalen) im Strafraum mit der Hand. Einen Elfmeter gibt Schiedsrichter Thorben Siewer nicht. [TV-Bilder – ab Minute 2:10]

Babak Rafati: Der Schiedsrichter steht optimal und kann den Vorgang sehr gut sehen. Rehfeldt nimmt den Arm weit raus, vergrößert dabei deutlich seine Körperfläche und berührt den anschließenden Schuss von Bigalke mit der Hand – wenn auch nur minimal. Das ist ein absichtliches Handspiel und muss mit einem Strafstoß und einer gelben Karten geahndet werden. Somit liegt eine Fehlentscheidung vor.

 

Szene 3: Fabian Menig (Preußen Münster) will einen langen Ball erlaufen, wird dabei jedoch von Jena-Keeper Jo Coppens im Strafraum zu Fall gebracht. Die Pfeife von Schiedsrichter Martin Petersen bleibt jedoch stumm. [TV-Bilder – ab Minute 34:25]

Babak Rafati: Die Sicht des Schiedsrichters ist durch zahlreiche Spieler versperrt, weil er nicht in die optimale Position läuft. Somit kann er den Vorgang nicht genau erfassen. Coppens läuft aus seinem Tor heraus und will den Ball erreichen. Menig ist aber zuerst am Ball und wird anschließend von Coppens, der etwas zu spät kommt, am Fuß getroffen. Hier hätte es Strafstoß für Münster geben müssen. Somit eine Fehlentscheidung.

 

Szene 4: Philip Hofmann (Eintracht Braunschweig) geht im Mittelfeld mit gestrecktem Bein in einen Zweikampf mit Vladimir Rankovic (Hansa Rostock) und bringt diesen zu Fall – Schiedsrichter Dr. Robert Kampka lässt das Spiel weiterlaufen. [TV-Bilder – ab Minute 1:07:40]

Babak Rafati: Das gestreckte Bein von Hofmann ist nur zum Ball gerichtet, Rankovic wird nicht getroffen. Vielmehr fällt er möglicherweise im Bewegungsablauf über das Knie von Hofmann. Diese Spielweise ist absolut korrekt. Es ist daher richtig, weiterspielen zu lassen.

 

Szene 5: Vor einer Ecke wird Bryadon Manu (Hallescher FC) von Dominik Ernst und Nikolai Rehnen (Fortuna Köln) zur Seite geschubst und geht dabei zu Fall. Schiedsrichter Lasse Koslowski lässt weiterlaufen. [TV-Bilder – ab Minute 1:25:55]

Babak Rafati: Der Torwart von Fortuna Köln schubst seinen Gegenspieler Manu zu Boden, bevor der Ball bei der Ecke ausgeführt ist. Da der Ball jedoch noch nicht im Spiel ist, kann es keinen Strafstoß geben. Eine Spielstrafe ist nur dann möglich, wenn der Ball im Spiel ist. Dennoch hätte es für diese Unsportlichkeit eine gelbe Karte geben müssen, da diese unabhängig davon verhängt werden kann. Wahrscheinlich sieht der Schiedsrichter diesen Vorgang zuvor nicht und nimmt nur wahr, dass Manu am Boden liegt.

 

Szene 6: Marc Stein (Energie Cottbus) will klären, trifft dabei allerdings Manuel Schäffler (Wehen Wiesbaden), der daraufhin zu Boden geht und ausgewechselt werden muss. Auf den Punkt zeigt Schiedsrichter Markus Schmidt nicht. [TV-Bilder – ab Minute 20:20]

Babak Rafati: Sicherlich wird Schäffler von Stein beim Klärungsversuch am Fuß getroffen, jedoch reicht das nicht für einen Strafstoß aus. Die anschließende Verletzung liegt daran, dass Schäffler unglücklich umknickt. Eine richtige Entscheidung, weiterspielen zu lassen.

 
  • Sechzga

    Das ist gute Rubrik mit so einem guten/erfahrenen Schiedsrichter!

  • Thomas Horstmann

    In den ersten 3 Spielen hätte es auch 3 Elfer für die Preußen geben können/müssen. Braunschweig wurde dagegen gegen Zwickau ein Elfer geschenkt.

  • Sano

    Ja in der Tat, da hat der VfL mächtig viel Glück gehabt, dass der Schiri den Treffer nicht anerkannt hat, wer weis, wie der Spielverlauf bei anderer entscheidung geworden wäre. Aber es gint in Zukunnft sicher ähnliche Situationen, wo Meppen bevorteilt, bzw. Osna das Nachsehen hat.

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