Strittige Szenen am 16. Spieltag: Die Analyse von Babak Rafati

Die nicht gegebenen Elfmeter für Mannheim, Kaiserslautern und Zwickau, die gelbe Karte gegen Marx, das Foul von Öztürk an Bachmann, ein zurückgepfiffener Konter von Rostock, die Strafstöße für Bayern II und Meppen und das 4:1 für Zwickau: Am 16. Spieltag hat sich Ex-FIFA-Schiedsrichter Babak Rafati für liga3-online.de zehn Szenen genauer angeschaut

Hintergrund: Babak Rafati war viele Jahre Bundesliga & FIFA Schiedsrichter. Insgesamt leitete der heute 48-Jährige 84 Erst-, 102 Zweit-, 13 Drittliga- und zahlreiche internationale Spiele. Exklusiv für liga3-online.de analysiert der erfahrene Schiedsrichter jeden Spieltag die strittigen Szenen, die durch die Redaktion im Vorfeld ausgewählt werden. Zudem ist er Kolumnist und TV-Experte für Bundesliga-Spiele. Im Hauptberuf ist Rafati heute Mentalcoach für Profifußballer und Manager sowie ein viel gefragter Referent in der freien Wirtschaft, u.a. bei DAX-Unternehmen zum Thema Stressmanagement und Motivation (www.babak-rafati.de).

Szene 1: Kevin Koffi (Waldhof Mannheim) geht im Duell mit Tobias Schröck (FC Ingolstadt) zu Fall. Kein Elfmeter, sagt Schiedsrichter Oliver Lossius. [TV-Bilder – ab Minute 30:10]

Babak Rafati: Schröck geht im eigenen Strafraum im Zweikampf gegen seinen Gegenspieler Koffi klar zum Ball und spielt nur diesen. Daher liegt eine richtige Entscheidung vor, weiterspielen zu lassen.

Szene 2: Gegen Peter Kurzweg (FC Ingolstadt) spielt Jan-Hendrik Marx (Mannheim) den Ball, sieht aber dennoch Gelb. [TV-Bilder – ab Minute 56:30]

Babak Rafati: Marx spielt im Mittelfeld klar und deutlich den Ball, es liegt überhaupt kein Foulspiel an Kurzweg vor. In dieser Szene auf Foul zu entscheiden, ist absolut nicht nachvollziehbar. On top noch die gelbe Karte zu zeigen, ist umso unverständlicher. Eine Fehlentscheidung.

Szene 3: Kevin Koffi (Mannheim) dringt in den Strafraum ein und wird von Tobias Schröck (Ingolstadt) zu Fall gebracht. Das Spiel läuft weiter. [TV-Bilder – ab Minute 2:15]

Babak Rafati: Schröck will im eigenen Strafraum im Zweikampf gegen Koffi sicherlich zum Ball, trifft aber Koffi klar von hinten in die Hacke/Wade und bringt ihn dadurch zu Fall. Das ist ein Foulspiel und hätte einen Strafstoß für Mannheim geben müssen. Eine Fehlentscheidung, weiterspielen zu lassen.

 

Szene 4: Florian Pick (Kaiserslautern) geht im Duell mit Nils Butzen (Rostock) im Strafraum zu Fall und fordert Elfmeter. Schiedsrichter Daniel Schlager lässt weiterlaufen. [TV-Bilder – ab Minute 0:45]

Babak Rafati: Der Schiedsrichter steht gut und erkennt dadurch, dass Butzen im eigenen Strafraum zwar körperbetont gegen Pick in den Zweikampf geht, aber alles regelkonform ist. Das ist kein Foulspiel – auch wenn es zum Kontakt kommt – und daher eine richtige Entscheidung, weiterspielen zu lassen.

Szene 5: Nach einem Heber ist Korbinian Vollmann (Rostock) frei durch und auch schon an FCK-Keeper vorbei, ehe er aufgrund einer vermeintlichen Abseitsposition zurückgepfiffen wird. [TV-Bilder – ab Minute 1:42:40]

Babak Rafati: Vollmann wird wegen Abseitsposition zurückgepfiffen. Allerdings steht lediglich sein Mitspieler an der Mittellinie im Abseits, der wiederrum nicht ins Spiel eingreift. Vollmann, der einen langen Ball zugespielt bekommt, steht nicht im Abseits, sodass das Fahnenzeichen des Assistenten eine Fehlentscheidung ist. Das Spiel hätte – mit einer sehr aussichtsreichen Situation für Rostock – nicht unterbrochen werden dürfen.

Szene 6: Für einen Tritt auf den Fuß von Janik Bachmann (Kaiserslautern) sieht Tanju Öztürk (Rostock) nur Gelb. [TV-Bilder – ab Minute 1:44:10]

Babak Rafati: Bei einem Zweikampf im Mittelfeld tritt Öztürk seinem Gegenspieler Bachmann mit Nachdruck und nur mit den Stollen voraus auf dessen Knöchel und Bänder, ohne dabei den Ball spielen zu wollen. Mit dieser Spielweise nimmt Öztürk billigend die Gefährdung der Gesundheit von Bachmann in Kauf, sodass es nur die rote Karte für diesen Tritt geben kann. Die gelbe Karte ist somit eine Fehlentscheidung.

 

Szene 7: Marius Willsch (1860 München) bringt Derrick Köhn (Bayern München) zu Fall, Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus gibt Elfmeter. Willsch moniert, dass das Foul außerhalb des Strafraums stattfand. [TV-Bilder – ab Minute 0:30]

Babak Rafati: Die Schiedsrichterin muss die Situation vorausschauend ahnen und sich entsprechend in Position bringen. In diesem Fall hätte sie sich nach außen bewegen sollen, damit sie parallel zur Strafraumlinie steht, um dann zweifelsfrei beurteilen zu können, ob das Foulspiel von Willsch an Köhn innerhalb oder außerhalb des Strafraumes passiert. Man sieht, dass sich der Kontakt knapp außerhalb ereignet, sodass es einen Freistoß statt Strafstoß für Bayern München hätte geben müssen. Somit liegt eine Fehlentscheidung vor.

 

Szene 8: Deniz Undav (SV Meppen) dringt in den Strafraum ein, sucht das Duell mit Aspach-Keeper Maximilian Reule und geht zu Fall. Schiedsrichter Florian Lechner zeigt auf den Punkt. [TV-Bilder – ab Minute 0:55]

Babak Rafati: Undav geht in den Strafraum von Großaspach und sieht, dass Torhüter Reule ihm entgegenläuft und zum Ball grätschen will. Daraufhin nimmt er die Position des Torhüters dankend an, hebt vorher ab und verursacht dabei selbst einen Kontakt, indem er mit seinem Bein gegen den Körper des Torhüters einfädelt. Hier hätte es keinen Strafstoß und die gelbe Karte gegen den Torhüter geben dürfen, sodass eine Fehlentscheidung vorliegt. Weiterspielen oder noch besser eine gelbe Karte wegen Schwalbe gegen Undav wäre die richtige Entscheidung gewesen.

 

Szene 9: Im Strafraum wird Ronny König (Zwickau) von Ole Kittner (Münster) am Trikot gehalten. Kein Elfmeter, entscheidet Schiedsrichter Marcel Gasteier. [TV-Bilder – ab Minute 49:50]

Babak Rafati: Eigentlich hat der Schiedsrichter eine klare Sicht auf das Geschehen. Kittner hält König klar erkennbar am Trikot fest, hindert ihn dadurch, an den Ball zu kommen und bringt ihn final zu Fall. Das hätte einen Strafstoß für Zwickau und die gelbe Karte gegen Kittner geben müssen. Eine Fehlentscheidung, diesen Strafstoß für Zwickau zu verweigern.

Szene 10: Nach einem Foul bekommt Zwickau einen Freistoß zugesprochen. Zwickau macht das Spiel schnell und trifft anschließend zum 4:1. Allerdings ruhte der Ball zuvor nicht. Der Treffer zählt trotzdem. [TV-Bilder – ab Minute 2:20]

Babak Rafati: Das Problem ist, dass die Ausführung im Rücken des Schiedsrichters passiert und er somit die Richtigkeit der Ausführung nicht überprüfen kann. Der Ball ruht nicht, sodass nicht nur eine Fehlentscheidung, vielmehr sogar ein Regelverstoß vorliegt. Der Ball muss bei einer Freistoßausführung komplett ruhen, sonst ist das Spiel nicht regelgerecht fortgesetzt worden.

 

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