Strittige Szenen am 14. Spieltag: Die Analyse von Babak Rafati

Die Platzverweise für Handke, Butzen und Gebhart, die nicht gegebenen Treffer für Magdeburg und Kiel, die nicht gegebenen Elfmeter für Rostock und Aalen und der Ausgleichstreffer des FSV Frankfurt. Am 14. Spieltag hat sich Ex-FIFA-Schiedsrichter Babak Rafati für liga3-online.de acht strittige Szenen genauer angeschaut.

[box type="info"]Hintergrund: 25 Jahre lang war Babak Rafati Schiedsrichter, 2008 schaffte er es sogar auf die FIFA-Liste. Insgesamt leitete der heute 44-Jährige 84 Erst-, 102 Zweit- und 13 Drittliga-Spiele. Seit Februar 2015 hat er eine neue Aufgabe: Exklusiv für liga3-online.de analysiert der erfahrene Schiedsrichter jeden Spieltag die strittigen Entscheidungen des Wochenendes. Nach einer Vorauswahl durch die Redaktion sichtet Rafati das Video-Material und gibt eine kurze Einschätzung zu den jeweiligen Szenen ab. [/box]

Szene 1: Nach einem Foul an Kerem Bülbül (Hansa Rostock) sieht Christopher Handke (1. FC Magdeburg) in den erster Halbzeit die gelbe Karte, im zweiten Durchgang wird er nach einem Foul an Marco Kofler (Hansa Rostock) von Schiedsrichter Benjamin Brand mit Gelb-Rot vom Platz gestellt. [TV-Bilder – ab Minute 1:23:20]

Babak Rafati: Zunächst zur gelb-roten Karte: Hier muss sich der Spieler die Frage gefallen lassen, warum er in der gegnerischen Hälfte so ein Foul begeht, nachdem er bereits zuvor die gelbe Karte bekommen hat. Er trifft bei der Aktion zwar den Ball, aber auch den Gegenspieler, sodass diese gelbe sowie die daraus folgende gelb-rote Karte berechtigt ist. Eine richtige Entscheidung des Schiedsrichters.

Zur gelben Karte: In dieser Szene hält Handke zwar seinen Gegenspieler im Mittelfeld fest, das Spiel geht jedoch weiter. Danach erfolgt ein taktisches Foulspiel von einem anderen Magdeburger Spieler, der einen guten Angriff unterbindet. Hier wäre es besser gewesen, für dieses taktische Foul Gelb zu zeigen, zumal die andere Szene mit Handke nicht so hinderlich für die Rostocker war und somit auch nicht ins Gewicht fällt. So etwas sieht man häufiger. Eine unglückliche Entscheidung, nicht das entscheidende Foul, sondern Handke mit Gelb zu belegen.

Szene 2: Nach einem Freistoß von Ronny Garbuschewski (Hansa Rostock) kommt der Ball zu Michael Gardawski (Hansa Rostock). Dieser zieht ab, Nils Butzen (1. FC Magdeburg) wehrt den Ball mit der Hand ab. Hansa fordert Elfmeter, Brand lässt die Partie weiterlaufen. [TV-Bilder – ab Minute 1:46:00]

Babak Rafati: Bei diesem Abwehrversuch wirft sich Butzen in natürlicher Weise in den Ball und bekommt diesen an den Arm geschossen. Dabei sieht man keine aktive Bewegung zum Ball, die Distanz zum Ball ist zudem sehr kurz und letztlich wird der Arm nicht zur Körpervergrößerung eingesetzt. Eine richtige Entscheidung, in dieser Szene weiterspielen zu lassen.

Szene 3: Timo Gebhart trifft zum 1:1 für Hansa Rostock, zieht sich danach das Trikot aus, jubelt provozierend vor den Magdeburger Fans, gerät dann mit Nils Butzen (1. FC Magdeburg) aneinander und sieht erst Gelb und dann Gelb-Rot. Butzen wird aufgrund einer vermeintlichen Tätlichkeit mit Rot vom Platz gestellt. [TV-Bilder – ab Minute 1:51:40]

Babak Rafati: Gebhart sieht regelkonform die gelbe Karte für das Ausziehen des Trikots. Danach geht er zu einem gegnerischen Fanblock und jubelt dort weiter, was einer Provokation gleichkommt. Dafür sieht er folgerichtig ebenfalls Gelb – in der Summe also Gelb-Rot.

Butzen stößt nach der Provokation Gebhart mit einer Hand gegen dessen Brust, wobei dieser zu Fall kommt. Dieses Stoßen ist jedoch keine Tätlichkeit, sondern eine Unsportlichkeit und hätte nur mit Gelb bestraft werden dürfen. Die rote Karte gegen Butzen ist viel zu hart und somit eine Fehlentscheidung.

Szene 4: Tarek Chahed trifft zum 2:1 für Magdeburg, Brand gibt den Treffer aufgrund einer Abseitsposition jedoch nicht. [TV-Bilder – ab Minute 1:54:30]

Babak Rafati: Chahed steht zum Zeitpunkt des Zuspiels im Abseits und schießt anschließend ins Tor. Der Assistent entscheidet auf Abseits und trifft somit eine richtige Entscheidung, das Tor nicht anzuerkennen.

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Szene 5: VfL-Keeper Marius Gersbeck kann einen Schuss nur abprallen lassen. Fabian Graudenz (FSV Frankfurt) steht genau richtig und trifft zum 1:1. Osnabrück reklamiert Abseits, Schiedsrichter Lasse Koslowski gibt den Treffer dennoch. [TV-Bilder – ab Minute 1:22:40]

Babak Rafati: Wenn man beim Torschuss das Bild anhält, was wir TV-Zuschauer können, sieht man sehr gut, dass Graudenz zu diesem Zeitpunkt nicht im Abseits steht, da ein Osnabrücker Verteidiger unmittelbar dahinter steht und das Abseits aufhebt. Folglich eine richtige Entscheidung des Schiedsrichtergespanns, das Spiel weiterlaufen zu lassen und das Tor anzuerkennen.

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Szene 6: Rafael Czichos trifft nach einem Freistoß zum 1:0 für Holstein Kiel, Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus gibt das Tor aufgrund einer Abseitsposition jedoch nicht. [TV-Bilder – ab Minute 3:55]

Babak Rafati: Das Schiedsrichtergespann wartet zunächst einmal sehr gut, wohin der Ball geht. Matthias Fetsch, der den Ball anschließend per Kopf zum Torschützen weiterleitet, stand zuvor im Abseits, sodass der Treffer nicht zählen darf. Eine richtige Entscheidung.

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Szene 7: Thomas Bertels (SC Paderborn) bringt Rico Preißinger (Aalen) im Strafraum zu Fall. Kein Elfmeter, sagt Schiedsrichter Marcel Schütz. [TV-Bilder – ab Minute 1:20]

Babak Rafati:  Bertels trifft Preißinger eindeutig mit dem Fuß in die Beine und bringt ihn dadurch im eigenen Strafraum zu Fall. Aus der Position des Schiedsrichters kann man dies aber nicht sehen. Dennoch hätte es Strafstoß für Aalen geben müssen. Eine Fehlentscheidung. Wie so oft ist der Blickwinkel und die Position des Schiedsrichters entscheidend, um die Szenen richtig wahrzunehmen und zu entscheiden. Man sieht, dass der Schiedsrichter beim ersten Klärungsversuch nach der Ecke fast am Strafraumeck steht und sich die darauffolgende Szene ca. 15 Meter von ihm entfernt abspielt.

[box type="info"]Info: Der nicht gegebene Elfmeter für den SC Paderborn in der 5. Minute konnte aufgrund fehlender TV-Bilder nicht analysiert werden.[/box]

   
  • Uwe Arnold

    FCM-Hansa: Der Treffer von Chahed war nicht umstritten, denn er stand klar im Abseits. Umstritten war die gelbe Karte gegen Löhmannsröben wegen Ballwegsschießen. Den auf der Gegenseite hat Schiedsrichter Brand bei einer ähnlichen Aktion den Hansa-Spieler ohne Strafe davonkommen lassen. Seine einseitige Zweikampfbeurteilung in der 2. Halbzeit stand ebenfalls in der Kritik.

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