Strittige Szenen am 11. Spieltag: Die Analyse von Babak Rafati

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Die nicht gegebenen Elfmeter für Rostock, Karlsruhe, Meppen, 1860 München, Zwickau und Köln, die verwehrten Treffer von Rostock und 1860, die Platzverweise für Guttau und Andrist sowie das 2:0 für Wiesbaden. Am 12. Spieltag hat sich Ex-FIFA-Schiedsrichter Babak Rafati für liga3-online.de neun Szenen genauer angeschaut.

Hintergrund: Babak Rafati war viele Jahre Bundesliga & FIFA Schiedsrichter. Insgesamt leitete der heute 48-Jährige 84 Erst-, 102 Zweit-, 13 Drittliga- und zahlreiche internationale Spiele. Exklusiv für liga3-online.de analysiert der erfahrene Schiedsrichter jeden Spieltag die strittigen Szenen, die durch die Redaktion im Vorfeld ausgewählt werden. Zudem ist er Kolumnist und TV-Experte für Bundesliga-Spiele. Im Hauptberuf ist Rafati heute Mentalcoach für Profifußballer und Manager sowie ein viel gefragter Referent in der freien Wirtschaft, u.a. bei DAX-Unternehmen zum Thema Stressmanagement und Motivation (www.babak-rafati.de).

Szene 1: Cebio Soukou (Hansa Rostock) wird von zwei Spielern im Strafraum zu Fall gebracht, Schiedsrichter Franz Bokop lässt das Spiel weiterlaufen. [TV-Bilder – ab Minute 37:45]

Babak Rafati: Soukou dringt in den Strafraum ein und wird leicht von den Karlsruher Verteidigern berührt, was aber nicht für ein Foulspiel ausreicht – auch wenn er anschließend zu Fall kommt. Somit eine richtige Entscheidung, weiterspielen zu lassen.

Szene 2: Hansa-Kapitän Oliver Hüsing zieht Marvin Pourié (Karlsruher SC) im Strafraum am Trikot, einen Elfmeter gibt es nicht. [TV-Bilder – ab Minute 0:55]

Babak Rafati: Hüsing zieht Pourié klar am Trikot, fällt anschließend auf ihn drauf und bringt ihn dadurch zu Fall. Das ist ein doppeltes Foulspiel und hätte einen Strafstoß für Karlsruhe geben müssen. Eine Fehlentscheidung, weiterspielen zu lassen. Dass der Schiedsrichter nicht pfeift, hat womöglich mit der Spieleransammlung und resultierend daraus der schlechten Übersicht zu tun.

Szene 3: Merveille Biankadi (Hansa Rostock) geht im Zweikampf mit Marco Thiede (Karlsruher SC) zu Fall. Bokop gibt Freistoß, Hansa fordert einen Elfmeter. [TV-Bilder – ab Minute 1:20]

Babak Rafati: Der Schiedsrichter ist zunächst einmal, wie man kurz vor der Freistoßentscheidung sieht, dem Spielgeschehen gut gefolgt. Thiede nimmt den Arm raus, stößt Biankadi in den Bauchbereich und hindert ihn am Weiterlaufen. Da sich das Vergehen knapp außerhalb des Strafraums abspielt, erfolgt völlig zurecht ein Freistoßpfiff.

Szene 4: Nach einer Ecke trifft Nico Rieble zum 2:0 für Hansa Rostock, Bokop entscheidet jedoch auf Stürmerfoul und gibt den Treffer nicht. [TV-Bilder – ab Minute 3:15]

Babak Rafati: Rieble nimmt kurz vor dem Einköpfen ins gegnerische Tor seine Arme zu Hilfe und stößt den Verteidiger von Karlsruhe in den Rücken. Da dieser gerade ansetzen und zum Kopfball in die Luft springen will, reicht ein leichter Schubser aus, um ihn aus der Balance zu bringen. Eine richtige Entscheidung, den Treffer nicht anzuerkennen.

 

Szene 5: Marco Komenda (SV Meppen) bringt Adriano Grimaldi (1860 München) im Strafraum zu Fall, einen Elfmeter gibt Schiedsrichterin Katrin Rafalski nicht. [TV-Bilder – ab Minute 0:50]

Babak Rafati: Die Schiedsrichterin steht sehr gut zum Zweikampf und sieht sicherlich wie Komenda zwar Grimaldi ein wenig an den Arm greift. Dennoch reicht dieser Einsatz nicht für ein Foulspiel aus, denn dieses Behaken und Bearbeiten ist fußballtypisch. Eine richtige Entscheidung, weiterspielen zu lassen.

Szene 6: Molls von Komenda abgefälschter Pass landet bei Sascha Mölders, der zum 1:1 für den TSV 1860 trifft. Rafalski entscheidet jedoch auf Abseits und gibt den Treffer nicht. [TV-Bilder – ab Minute 1:28:50]

Babak Rafati: Zum Zeitpunkt des Torschusses steht Mölders im passiven Abseits und greift zunächst einmal nicht ins Spielgeschehen ein. Nachdem Komenda den Ball abfälscht und das Spielgerät anschließend zu Mölders kommt, greift er aktiv ins Spiel ein und steht im Abseits. Da sich der gesamte Vorgang in einer Spielsituation abspielt, ist es unerheblich, dass der Ball zuletzt vom Gegner berührt wurde. Somit eine richtige Entscheidung, auf Abseits zu entscheiden.

Szene 7: Nachdem Deniz Undav (SV Meppen) in den Strafraum eingedrungen ist, wird er von Felix Weber (1860 München) abgedrängt, Simon Lorenz kommt hinzu und spielt den Ball auf dem Boden mit der Hand. Das Spiel läuft weiter. [TV-Bilder – ab Minute 1:46:25]

Babak Rafati: Die entscheidende Frage ist, ob Lorenz den Ball tatsächlich mit der Hand spielt. Wenn dem so ist, berührt er den Ball minimal mit der Hand, weil keine Richtungsänderung des Balls zu sehen ist. Aber das leichte Berühren würde schon ausreichen, um auf Strafstoß und Gelb entscheiden zu müssen. Sollte die Hand nicht am Ball gewesen sein, wäre es eine richtige Entscheidung, weiterspielen zu lassen, denn der Zweikampf kurz zuvor ist in Ordnung und nicht strafbar. Tendenziell eine richtige Entscheidung, keinen Strafstoß wegen eines vermeintlichen Handspiels zu pfeifen.

 

Szene 8: Einen Schuss von Nils Miatke (FSV Zwickau) bekommt Lars Bender (Energie Cottbus) im Strafraum an die Hand. Kein Elfmeter, sagt Schiedsrichter Patrick Hanslbauer. [TV-Bilder – ab Minute 3:35]

Babak Rafati: Bender nimmt im eigenen Strafraum deutlich den linken Arm heraus und blockt den Schuss von Miatke auf das eigene Tor. Dabei ist der Arm nicht in natürlicher Körperhaltung, zudem wird der Arm bewusst nach vorne bewegt. Hier hätte es wegen absichtlichem Handspiel einen Strafstoß für Zwickau sowie eine gelbe Karte gegen Bender geben müssen. Somit liegt eine Fehlentscheidung vor.

 

Szene 9: Erst sieht Julian Guttau (Hallescher FC) nach einem Zusammenprall mit Manuel Schäffler (Wehen Wiesbaden) von Schiedsrichter Eric Müller Gelb, dann nach einem Foul gegen Moritz Kuhn und muss vom Platz. [TV-Bilder – ab Minute 0:30]

Babak Rafati: Die erste gelbe Karte gegen Guttau ist nicht angemessen, denn er springt zwar seinen Gegenspieler an, begeht dabei aber kein gelbwürdiges Foulspiel. Es liegt kein böswilliges oder hartes Einsteigen vor, somit wäre es mit einem Freistoßpfiff abgetan gewesen.

Die zweite gelbe Karte hingegen ist absolut berechtigt, da Guttau zwar ein bisschen zu spät kommt, seinen Gegenspieler dennoch am Knöchel trifft. Das ist ein rücksichtsloser Einsatz und hat die gelbe Karte zu Folge. Insgesamt ist die erste gelbe Karte eine Fehlentscheidung und die zweite eine richtige Entscheidung.

Szene 10: Stephan Andrist (Wehen Wiesbaden) setzt gegen Niklas Landgraf (Hallescher FC) nach, trifft ihn leicht und sieht Rot. [TV-Bilder – ab Minute 2:45]

Babak Rafati: Natürlich hat Andrist das Bein zu hoch, jedoch trifft er Landgraf an der gegnerischen Eckfahne nur leicht und ohne Zug und Dynamik. Hier hätte es nur eine gelbe Karte geben dürfen, denn es liegt kein überhartes oder brutales Spielen vor. Somit ist die rote Karte eine Fehlentscheidung.

Szene 11: Niklas Schmidt legt auf Simon Brandstetter quer, der zum 2:0 für Wiesbaden trifft. Halle reklamiert Abseits, der Treffer zählt. [TV-Bilder – ab Minute 3:45]

Babak Rafati: Man sieht an der Strafraumgrenzenmarkierung sehr gut, dass Brandstetter mit dem Ball auf einer Höhe steht, als das Zuspiel von Schmidt kommt. Somit eine richtige Entscheidung, den Treffer anzuerkennen.

 

Szene 12: Bernard Kyere-Mensah (Fortuna Köln) blockt einen Schuss von Matthias Morys (VfR Aalen) im Strafraum mit der Hand, Schiedsrichter Patrick Ittrich lässt das Spiel weiterlaufen. [TV-Bilder – ab Minute 1:45]

Babak Rafati: Der Schiedsrichter steht sehr gut und hat einen freien Blick zum vermeintlichen Handspiel. Morys schießt auf das Tor von Fortuna Köln und Kyere-Mensah versucht sich noch im eigenen Strafraum wegzudrehen und bekommt den Ball aus kurzer Entfernung vom eigenen Körper in Billardmanier dann an die Hand. Hier liegt aber keine Absicht vor. Somit eine richtige Entscheidung, weiterspielen zu lassen.

   
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  • O. K.

    Blindes Volk unter sich, würde ich sagen.

    "Da dieser gerade ansetzen und zum Kopfball in die Luft springen will, reicht ein leichter Schubser aus, um ihn aus der Balance zu bringen"

    Leichter Schubser, aha, von hinten, aha. Und deswegen fällt man ebenfalls nach hinten und nicht wie zu erwarten nach vorne? Da bin ich aber mal richtig erstaunt!

    Nico Rieble hat die Hände vor sich und hält sich den Gegner oberhalb der Gürtellinie fern.
    Ich vermute, der merkt diese Miniberührung und nutzt das. Dumm nur, das er vor Schwäche nach hinten fällt, entgegen bekannter physikalischer Gesetze!
    https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/nordmagazin/Hansa-Rostock-schlaegt-den-Karlsruher-SC,nordmagazin56322.html

    Ich sage mal, typisch DFB!

    • Alvar Fågel

      Szene 2 gehe ich noch mit, da hatten wir Glück dass es keinen Elfer gab. Aber wenn er in Szene 4 das 2:0 nicht geben möchte, hätte es in Szene 1 ebenso Elfer für uns geben müssen. Entweder kein Elfer in Szene 1, dafür das 2:0 in Szene 4 anerkennen, oder umgekehrt. Beides gemischt wirkt unglaubwürdig.

      • Jörg Stubbe

        Das ist genau der Punkt, den man kritisch sehen muß. In Szene 1 wird ein Elfer nicht gegeben weil eine LEICHTE Berührung nicht ausreicht um ein Foul anzuerkennen. In Szene 4 reicht eine LEICHTE Berührung um ein Foul zu geben.Entweder LEICHTE Berührung = Foul oder LEICHTE Berührung = nicht Foul. Oder im Vorfeld ansagen: leichte Berührung gegen Hausa ist ein Foul und leichte Berührung für Hausa wird nicht geahnt. Dann kann sich jeder auf die Komiker( die Bezeichnung "Unparteiischer" trifft es nicht) vom DFB einrichten.

  • Hans

    Rafati war mit einer der schlechtesten Schiedsrichter. Warum fühlt gerade er sich berufen, den Oberschiedsrichter zu geben?

    • Brückenfan

      Wer sagt das?
      Wer schön, wenn du eine Quelle nennen würdest!
      Oder ist das nur deine Meinung, einfach mal so hier reingeworfen?

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