Strittige Szenen am 10. Spieltag: Die Analyse von Babak Rafati

Die nicht gegebenen Elfmeter für Kaiserslautern, 1860 München, Meppen, Jena und Zwickau, die Tore für Lotte und 1860 sowie das Foul von Lorch an Borgmann. Am 10. Spieltag hat sich Ex-FIFA-Schiedsrichter Babak Rafati für liga3-online.de neun Szenen genauer angeschaut.

[box type="info"]Hintergrund: Babak Rafati war viele Jahre Bundesliga & FIFA Schiedsrichter. Insgesamt leitete der heute 48-Jährige 84 Erst-, 102 Zweit-, 13 Drittliga- und zahlreiche internationale Spiele. Exklusiv für liga3-online.de analysiert der erfahrene Schiedsrichter jeden Spieltag die strittigen Szenen, die durch die Redaktion im Vorfeld ausgewählt werden. Zudem ist er Kolumnist und TV-Experte für Bundesliga-Spiele. Im Hauptberuf ist Rafati heute Mentalcoach für Profifußballer und Manager sowie ein viel gefragter Referent in der freien Wirtschaft, u.a. bei DAX-Unternehmen zum Thema Stressmanagement und Motivation (www.babak-rafati.de).[/box]

Szene 1: Nach einem Schuss von Dominik Schad (1. FC Kaiserslautern) wehrt Adam Straith (Sportfreunde Lotte) den Ball im Strafraum mit der Hand ab. Schiedsrichter Patrick Alt lässt das Spiel weiterlaufen. [TV-Bilder – ab Minute 0:30]

Babak Rafati: Straith bekommt den Ball aus kurzer Entfernung an die Hand geschossen. Dabei geht der Ball an die Hand und der Arm ist in natürlicher Haltung, sodass es sich nicht um eine vergrößerte Körperfläche handelt. Eine richtige Entscheidung, dieses Handspiel nicht als strafbar auszulegen und somit weiterspielen zu lassen.

Szene 2: Denis Rosin (Sportfreunde Lotte) bringt Jan Löhmannsröben (1. FC Kaiserslautern) im Strafraum zu Fall, einen Elfmeter gibt Alt nicht. [TV-Bilder – ab Minute 2:20]

Babak Rafati: Der Schiedsrichter steht etwas zu weit entfernt, um den entscheidenden Kontakt durch Rosin im eigenen Strafraum an Löhmannsröben zu sehen. Auch wenn Rosin seinen Gegenspieler im Zweikampf unbeabsichtigt mit dem Knie an den Beinen trifft, liegt ein Foulspiel vor und hätte mit einem Strafstoß geahndet werden müssen. Eine Fehlentscheidung, weiterspielen zu lasen.

Szene 3: Jeron Al-Hazaimeh (Sportfreunde Lotte) bringt einen Pfosten-Abpraller im Tor unter, steht dabei jedoch im Abseits. Der Treffer zählt dennoch. [TV-Bilder – ab Minute 3:00]

Babak Rafati: Zum Zeitpunkt des Schusses steht Al-Hazaimeh im passiven Abseits, greift noch nicht ein und ist somit nicht strafbar. Als der Ball vom Pfosten abprallt und der Ball zu ihm geht, greift er aktiv ein und steht dadurch im Abseits, sodass der Treffer nicht hätte zählen dürfen. Eine Fehlentscheidung, den Treffer anzuerkennen.

Die Schwierigkeit in dieser Szene liegt darin, dass sich drei Spieler von Lotte im Zentrum befinden und nur einer von ihnen nicht im Abseits steht. Für den Assistenten ist es wichtig, den Zeitpunkt des Schusses im Hinterkopf abzuspeichern, um sich zu merken, welche Spieler im Abseits stehen.

 

Szene 4: Nach einer Flanke in den Strafraum gehen Sascha Mölders (1860 München) und Daniel Hägele (Würzburger Kickers) zum Ball, es gibt Ecke für 1860, aus der das 1:0 für den TSV 1860 resultiert. [TV-Bilder – ab Minute 2:05]

Babak Rafati: Beim Abwehrversuch im eigenen Strafraum ist Hägele einen Moment schneller am Ball als Mölders und spitzelt das Spielgerät weg. Anschließend bekommt Mölders den Ball an den Oberkörper, sodass er zuletzt am Ball ist, bevor der Ball die Grundlinie überschreitet. Statt Ecke für 1860 hätte es somit Abstoß für Würzburg geben müssen – eine Fehlentscheidung.

Szene 5: Adriano Grimaldi (1860 München) wird im Strafraum von Peter Kurzweg (Würzburger Kickers) zu Fall gebracht. Kein Elfmeter, sagt Schiedsrichter Eric Müller. [TV-Bilder – ab Minute 1:58:35]

Babak Rafati: Natürlich bedrängt Kurzweg seinen Gegenspieler ein wenig, doch dieser Zweikampf ist fußballtypisch und im Bereich des Erlaubten. Eine richtige Entscheidung, weiterlaufen zu lassen. Auch die anschließende gelbe Karte wegen heftigen Meckerns (Grimaldi tritt an den Pfosten, Anm. d. Red.) ist absolut in Ordnung.

 

Szene 6: Hassan Amin (SV Meppen) dringt in den Strafraum ein und wird von Felix Burmeister (Eintracht Braunschweig) gelegt. Einen Elfmeter gibt Schiedsrichter Sören Storks nicht. [TV-Bilder – ab Minute 52:10]

Babak Rafati: Der Schiedsrichter steht sehr gut zum Zweikampf im Braunschweiger Strafraum. Amin legt sich den Ball an Burmeister vorbei, dieser nimmt den Fuß raus, trifft ihn am Bein und hindert ihn am Weiterlaufen. Das ist ein Foulspiel und somit ein Strafstoß. Eine Fehlentscheidung, diesen Elfmeter für Meppen nicht zu pfeifen.

 

Szene 7: Nach einem Kontakt von Felix Schiller (VfL Osnabrück) geht Vincent Louis Stenzel (Carl Zeiss Jena) an der Strafraumkante zu Boden. Schiedsrichter Tobias Schultes lässt das Spiel mit einem Abstoß für Osnabrück weiterlaufen. [TV-Bilder – ab Minute 1:15]

Babak Rafati: Schiller wirft sich Stenzel beim Angriff in den Weg und bringt ihn im eigenen Strafraum zu Fall. Das ist ein klares Foulspiel und hätte somit mit einem Strafstoß geahndet werden müssen. Es liegt eine Fehlentscheidung vor.

 

Szene 8: Mike Könnecke (FSV Zwickau) wird auf der Strafraumlinie von Royal-Dominique Fennell (VfR Aalen) gelegt. Schiedsrichter Bastian Börner entscheidet auf Freistoß. [TV-Bilder – ab Minute 2:25]

Babak Rafati: Dieses Foulspiel von Fennell, was unumstritten ist, geschieht auf der Strafraumlinie, doch der Schiedsrichter gibt nur einen Freistoß. Er schaut noch hilfesuchend zu seinem Assistenten. In diesem Fall folgt der Assistent aber dem Spielgeschehen und dadurch, dass viele Spieler im Strafraum stehen, kann er sich nicht auf die Position und die Höhe dieses Zweikampfes konzentrieren und seinen seitlichen Blick als Vorteil nutzen. Der Schiedsrichter hätte das selbst erkennen können, denn die Position von Fennell ist ein gutes Indiz dafür, dass das ein strafstoßwürdiges Vergehen ist. Eine Fehlentscheidung, nur einen Freistoß zu geben.

 

Szene 9: Jeremias Lorch (Wehen Wiesbaden) foult Janik Borgmann (Preußen Münster), der anschließend verletzt ausgewechselt werden muss. Eine Karte sieht Lorch von Schiedsrichter Guido Winkmann nicht. [TV-Bilder – ab Minute 2:10]

Babak Rafati: Hier ein Foulspiel zu pfeifen, ist absolut in Ordnung. Man sieht jedoch, dass Lorch zum Ball will und an Borgmann sogar vorbeiläuft. Erst anschließend kommt es zum Kontakt, bei dem sich Borgmann verletzt. In dieser Szene keine Karte zu zeigen, ist eine richtige Entscheidung, denn es liegt kein verwarnungswürdiges Vergehen vor. Eine Verletzung muss nicht immer automatisch mit einer Karte sanktioniert werden.

   
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