Strittige Szenen am 1. Spieltag: Die Analyse von Babak Rafati

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Die verwehrten Elfmeter für Köln und Meppen, das 2:1 für Wiesbaden und die nicht gegebenen Tore für Jena und Uerdingen. Am 1. Spieltag hat sich Ex-FIFA-Schiedsrichter Babak Rafati für liga3-online.de fünf Szenen genauer angeschaut.

Hintergrund: Babak Rafati war viele Jahre Bundesliga & FIFA Schiedsrichter. Insgesamt leitete der heute 48-Jährige 84 Erst-, 102 Zweit-, 13 Drittliga- und zahlreiche internationale Spiele. Exklusiv für liga3-online.de analysiert der erfahrene Schiedsrichter jeden Spieltag die strittigen Szenen, die durch die Redaktion im Vorfeld ausgewählt werden. Zudem ist er Kolumnist und TV-Experte für Bundesliga-Spiele. Im Hauptberuf ist Rafati heute Mentalcoach für Profifußballer und Manager sowie ein viel gefragter Referent in der freien Wirtschaft, u.a. bei DAX-Unternehmen zum Thema Stressmanagement und Motivation (www.babak-rafati.de).

Szene 1: Nach einem Schuss von Hamdi Dahamni (Fortuna Köln) berührt Simon Scherder (Preußen Münster) den Ball beim Fallen im Strafraum mit der Hand. Schiedsrichter Daniel Schlager lässt die Partie weiterlaufen. [TV-Bilder – ab Minute 1:20]

Babak Rafati: Nach dem Schuss von Dahamni kommt Scherder im eigenen Strafraum ins Straucheln, beim Hinfallen auf den Boden bekommt er den Ball aus kurzer Entfernung an den Arm geschossen. Hierbei liegt jedoch keine Absicht vor, zudem vergrößert Scherder auch nicht seine Körperfläche, sondern verliert lediglich sein Gleichgewicht. Weiterspielen ist die richtige Entscheidung.

 

Szene 2: Nach einer Flanke in den Aalener Strafraum bleibt Yannis Letard (VR Aalen) verletzt am Boden liegen. Aalen reklamiert, doch Schiedsrichter Florian Badstübner lässt weiterlaufen. Anschließend fällt das 2:1 für Wiesbaden. [TV-Bilder – ab Minute 1:54:50]

Babak Rafati: Wenn sich ein Spieler nach Auffassung des Schiedsrichters ernsthaft verletzt, kann er das Spiel unterbrechen. In dieser Szene hätte der Schiedsrichter die Gelegenheit gehabt, als der Ball aus dem Strafraum geschlagen wurde. Allerdings steht der Spieler bei der anschließenden Flanke in den Strafraum wieder auf und signalisiert damit weiterspielen zu können. Der Schiedsrichter reagiert angemessen, unterbricht das Spiel nicht und lässt weiterspielen.

 

Szene 3: Julian Günther-Schmidt (Carl Zeiss Jena) trifft nach Vorlage von Manfred Starke zum 2:0 für Jena, Schiedsrichter Robert Schröder entscheidet auf Abseits und gibt den Treffer nicht. [TV-Bilder – ab Minute 1:10]

Babak Rafati: Das sind die Szenen, die selbst beim Videobeweis in der Bundesliga ohne kalibrierte Linien nicht aufzulösen sind. Kalibrierte Linien sind virtuelle Abseitslinien, die man auf die Szene legt, um zu erkennen, wessen Körperteil tatsächlich näher zur gegnerischen Torlinie ist. Somit kann in dieser Szene nicht endgültig aufgelöst werden, ob eine Abseitsposition vorliegt. Was den Assistenten definitiv irritiert und ihn zu einer Abseitsentscheidung tendieren lässt, ist, dass der Angreifer in Blau räumlich näher zu ihm steht und er diesen womöglich eher wahrnimmt, als den dahinter positionierten Verteidiger in Rot. Im Zweifel also für den Angeklagten. Diese Entscheidung des Schiedsrichtergespanns muss man akzeptieren.

 

Szene 4: Maximilian Beister (KFC Uerdingen) wird mit einem langen Ball in Szene gesetzt und trifft zum 2:3, wird aufgrund eines vermeintlichen Handspiels jedoch von Schiedsrichter Benedikt Kempkes zurückgepfiffen. [TV-Bilder – ab Minute 3:10]

Babak Rafati: Beister nimmt den Ball absichtlich mit der Hand mit und erzielt anschließend ein Tor. Der Schiedsrichter lässt zunächst weiterlaufen und gibt den Treffer dann doch nicht. Womöglich hat der Assistent im Nachhinein die Entscheidung getroffen. Eine richtige Entscheidung, das Tor zu annullieren, jedoch hätte Beister für dieses Vergehen die gelbe Karte wegen Unsportlichkeit sehen müssen.

 

Szene 5: Nach einer Flanke setzt Michael Schulze (Sportfreunde Lotte) den Körper gegen Luka Tankulic (SV Meppen) ein und bringt diesen im Strafraum zu Fall. Kein Elfmeter, sagt Schiedsrichter Sascha Stegemann. [TV-Bilder – ab Minute 48:00]

Babak Rafati: Schulze setzt seinen Körper im eigenen Strafraum gegen Tankulic ein und dieser kommt anschließend zu Fall. Der Zweikampf ist aber absolut fußballtypisch und regelgerecht und damit nicht strafbar. Eine richtige Entscheidung, weiterspielen zu lassen.

 

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