Spielplan-Revolution? Härtel regt Abschaffung der Winterpause an

Wenn ab Freitag in der 3. Liga wieder der Ball rollt, endet eine fünfwöchige Winterpause. Geht es nach Hansa-Trainer Jens Härtel, könnte die Pause im Winter künftig Geschichte sein. Der DFB zeigt sich gesprächsbereit.

"Ein Alleinstellungsmerkmal"

Weihnachtsurlaub, Trainingslager und Testspiele: Die Winterpause in Deutschland folgt seit Jahren einem festen Schema, in der 3. Liga sieht das nicht anders aus. Die Frage ist: Wie lange noch? Im Hinblick auf eine Weiterentwicklung der 3. Liga plädiert Jens Härtel, Trainer des F.C. Hansa Rostock, im Gespräch mit dem "Kicker" für "einen Boxing Day wie in England". Im Mutterland des Fußballs gibt es keine Winterpause, auch über Weihnachten rollt am sogenannten "Boxing Day", dem 26. Dezember, der Ball.

Eines solches Modell kann sich Härtel auch für die 3. Liga vorstellen. "Es wäre ein Alleinstellungsmerkmal", meint der Hansa-Coach. Bisher sei die 3. Liga lediglich ein Lückenfüller. "Am Wochenende gehen die Leute zu den Bundesligaspielen oder zur 2. Liga. Wenn die 3. Liga im Winter aber durchspielen würde, würde die Aufmerksamkeit vermutlich steigen", prognostiziert der 50-Jährige gegenüber dem Fachmagazin. 

Längere Sommerpause?

Zwar sei sich Härtel der Tatsache bewusst, dass das "für die Spieler eine andere Belastung wäre", aber auf der anderen Seite seien die Temperaturen im Winter anders als noch vor einigen Jahren. "Man könnte dafür die Pause im Sommer verlängern", schlägt Härtel vor, zumal die 3. Liga ohnehin bereits viel früher starte – meist Mitte Juli. Härtel plädiert daher dafür, die 3. Liga zeitgleich mit der Bundesliga starten zu lassen und die Spieltage dann im Winter aufzuholen.

Positiver Nebeneffekt aus Sicht des Hansa-Trainers: Die Klubs könnten sich das Geld für das Wintertrainingslager sparen. "Und zwischen den Jahren sind die Menschen zu Hause. Diejenigen, die Lust auf Fußball haben und sonst zur Bundesliga gehen, könnten in dieser Zeit Drittliga-Spiele anschauen", geht Härtel von volleren Stadien aus. Außerdem "wäre es sicherlich auch attraktiv für das Fernsehen." In England funktioniert das System bereits seit einigen Jahren. Und in Deutschland? "Es sollte aus finanzieller Sicht Sinn ergeben", so Härtel. Ein Versuch sei es auf jeden Fall wert, meint der Hansa-Trainer. "Dann wird man sehen, wie die Resonanz ist." Sollte das Konzept nicht angenommen werden, "könnte man dieses Prozedere nach drei, vier Jahren wieder einstampfen."

DFB zeigt sich gesprächsbereit

Beim Deutschen Fußball-Bund zeigt man sich von einer 3. Liga ohne Winterpause nicht abgeneigt: "Wir sind für alle Themen und Anregungen offen, die dazu beitragen könnten, die 3. Liga noch attraktiver zu gestalten. Deshalb ist auch ein möglicher Boxing Day eine Diskussion wert", sagt die zuständige DFB-Direktorin Heike Ullrich. "Es wäre in jedem Fall ein Alleinstellungsmerkmal."

Durchaus möglich also, dass das Thema künftig im Drittliga-Ausschuss diskutiert wird. "Noch war diese Idee dort kein Thema", berichtet Ulrich, die auch den Austausch mit den Fans anregt. Es gelte zu prüfen, "ob dort eine grundsätzliche Akzeptanz für einen Boxing Day in der 3. Liga bestehen würde." Auch Tom Eilers, der als Vorsitzender des Drittliga-Ausschusses fungiert, betont: "Unsere Aufgabe ist es, die 3. Liga weiterzuentwickeln."

Was haltet ihr von Härtels Idee?

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  • flierfy

    Was Härtel dabei vergisst, ist die Tatsache, dass man bei uns Tausende Polizisten braucht, um die Spiele abzusichern. Die stehen am zweiten Weihnachtsfeiertag sicherlich nicht zur Verfügung. Und so lange das so bleibt, wird es keine Fussballspiele an diesem Tag geben.

  • ironimus

    Ich halte das für keine gute Idee. Die Anlehnung an den englischen Terminplan ist nicht so einfach. Im Gegensatz zu England hat der 2. Weihnachtstag (dort Boxing-day genannt) bei uns keine Fussballtradition. Die Vorstellung, dass dann auch bei uns alle in die Stadien rennen würden, ist reichlich naiv. Ausserdem dominiert von Ende Dezember bis Ende Januar/Anfang Februar bei uns der Wintersport. Die Leute schauen gerne Skispringen, Biathlon, nordische und alpine Wettbewerde. Alles das gibt es in England nicht. Und auch das unterschiedliche Klima spielt eine Rolle. Während es in England aufgrund der Inselllage und des nahen Golfstroms kaum richtigen Winter gibt, kann es in Deutschland zu dieser Jahreszeit auch mal knackig kalt werden oder zu erheblichen Schneefällen bis in Flachland kommen. 4-6 Wochen Winterpause (je nach Liga) sind durchaus angebracht.

    • Hansa-Fan 1.0

      Das sehe ich ganz anders. Wann hatten wir in den letzten Jahren mal eine länger andauernde Phase mit winterlichen Wetter? Die Stadien der Drittligisten haben zum größten Teil eine Rasenheizung und daher ist es nur zu begrüßen, dass über Änderungen nachgedacht wird, um der 3. Liga mehr Aufmerksamkeit zu zollen. Ich finde schon die vier Wochen Pause der 1. & 2. Bundesliga zu lang. Mir fehlt irgendwas und Wintersport interessiert mich nur am Rande und ich glaube auch nicht, dass echte Fußballfans auf Fußball verzichten, wenn sie die Möglichkeit haben, diesen auch in der Winterpause zu schauen?! Von mir aus sehr gerne und ich hoffe der Vorschlag von Jens Härtel findet genügend Zuspruch, damit er sehr bald in die Tat umgesetzt werden kann.

      • ironimus

        Ich sehe natürlich schon Deine Argumente. Die unterschiedliche Betrachtungsweise hat auch regionale Aspekte. Oben an der Küste spielt Wintersport keine Rolle, hier im Süden schon.
        Aber Härtel hat die Diskussion jetzt angestoßen und nun gilt es eben, das für und wider gegeneinander abzuwägen. Nur sollte man sich nicht zu sehr auf den 2. Weihnachtsfeiertag konzentrieren. Der "Boxing-day" hat in England einen ganz besonderen Status und ich habe meine Zweifel, dass man ihn 1:1 auf deutsche Verhältnisse übertragen kann. Evtl. könnte man auch bis Weihnachten durchspielen und schon Mitte Januar wieder anfangen. Das wären dann nur 3 Wochen Pause und durchaus umsetzbar. Mal abwarten, was dabei herauskommt.

  • Fat Tony

    Nur weil wir in dieser Saison mal einen milden Winter haben? Ich erinnere mich an genügend ausgefallene Spiele, weil die Plätze trotz Rasenheizung unbespielbar waren. Meinetwegen könnte auch noch der Februar spielfrei sein.

    • Svenja

      Einen? Wann gab es denn zuletzt mal richtig Winter? Eher werden die Sommer immer heißer und die Spiele mit zig Trinkpausen und hoher Belastung nehmen überhand.

  • Anti HFC

    Ich find das eine richtig gute Idee. Jetzt müsste nur HFC nur noch absteigen und alle sind glücklich

  • Sterneneisen

    Uff. Gerade von einem Härtel, für viele Fußballromantiker ein Fels in der Brandung, kommt diese Idee. Dabei geht es doch nur um Kommerz, aus sportwissenschaftlicher Sicht ist die Winterpause eine sehr gute Möglichkeit 1. Sich mal primär auf Trainingssteuerung zu konzentrieren und 2. insbesondere die Regenerationszeit zu nutzen… Kann mit der Idee nichts anfangen, v. a. weil sich hier eher die Ungeduld der Fans zeigt, die nicht ohne Fußball können.

    • Nikita

      Wundert mich auch. Gerade bei Hansa gibt es ja nun wirklich genug Rekonvaleszente, die die Pause dringend brauchen. Bei einem solchen Mammutprogramm würden gerade in der kalten Jahreszeit noch etliche dazukommen.

      • Kunde

        Haben wir nicht immer unser Leistungstief im Winter? Vielleicht sollte man mal Training, Taktik und Motivation hinterfragen und nicht eine Regenerationspause. Zumal in der 3. Liga viele Spiele ausfallen im Winter.

      • Nikita

        Na ja, wenn Bülow, Nartey, Atilgan, Riedel, Scherff, zeitweise auch Omladic und Vollmann ausfallen, hat das natürlich sehr stark mit dem Leistungstief zu tun. Mir ging es hier aber nicht um Hansa, sondern grundsätzlich darum, dass alle Spieler aller Vereine dringend die Regenerationszeit brauchen. Die Gesunden, um sich nicht wegen allgemeiner Erschöpfung zu verletzen (zumal das Risiko bei Kälte ohnehin größer ist), die Verletzten, um wieder ranzukommen.

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