Souverän und abgezockt: So wird Arminia Bielefeld nicht absteigen

Sie war in Bielefeld greifbar, die Anspannung vor dem Ostersonntag. Doch das, was der DSC im Abstiegskracher gegen Duisburg zeigte, war vielleicht mehr als drei eminent wichtige Punkte wert: Arminia Bielefeld hatte das Selbstverständnis eines Teams aus ganz anderen Tabellenregionen an den Tag gelegt – und dies mindestens punktuell auch spielerisch unterstrichen. Es geht bergauf am Teutoburger Wald, und das wurde auch höchste Zeit.

Nicht wie ein Abstiegskandidat

Die Varianz an möglichen Misserfolgen war beim DSC Arminia Bielefeld in den vergangenen Monaten, nein Jahren ziemlich groß gewesen. Enttäuschend bis blutleer, höchst unglücklich oder schlicht rätselhaft: Viele Auftritte dieser Saison waren mit einem dieser Adjektive treffend umschrieben – nicht aber der gegen den MSV Duisburg. Im Moment, in dem es drauf ankam, lieferten die Schwarz-Weiß-Blauen am Sonntagabend eine ihrer besten, allemal ihrer souveränsten Saisonleistungen ab. Der 2:0-Sieg war hochverdient, ungefährdet, locker über die Zeit geschaukelt – Worte, die im ostwestfälischen Vokabular erst wieder neu gelernt werden müssen. Vier Punkte Vorsprung auf Platz 17 und eine Leistung, die nicht an Abstiegskampf erinnerte, haben die Hoffnung auf ein Happy End genährt.

"Wir sind bis Freitag nicht mehr auf der Intensivstation, sondern auf der Normalstation“, umschrieb es Trainer Mitch Kniat. Noch mehr als aus seinen Worten ließ sich aus der Mimik des 38-Jährigen lesen, dass er nach anstrengenden und ermüdenden Wintermonaten mit seiner Mannschaft ein zartes Frühlingshoch erlebt. Der frühe Anfangsdruck, auch wenn er nicht sofort zum Torerfolg (ein regulärer Treffer wurde fälschlicherweise nicht anerkannt) führte, mausert sich zum kleinen Markenzeichen des DSC. Das viel bessere Verhalten bei offensiven wie defensiven Standardsituationen, in der ersten Saisonhälfte zugunsten der spielerischen Grundidee offenbar stark vernachlässigt, ist spürbar. Und auch die Idee, den Gegner mit raschen Tempowechseln erst zu locken und dann zu überspielen, klappte beim 2:0 prima. Schafft es der DSC, dieses überzeugende kollektive Auftreten zu konservieren, wird er nicht absteigen.

Kniat mitten im Turnaround

Sicherlich spielten restlos enttäuschende Duisburger eine gewichtige Rolle, die in der zweiten Halbzeit nichts mehr entgegensetzen konnten. Doch die Leistung der Bielefelder schmälert das nicht, im Gegenteil: Gewissermaßen knüpft sie sogar an eine sehr gute Phase an, die mit dem 1:1 in Saarbrücken Ende Februar begann und im März gegen Dortmund (2:0) und trotz Niederlage auch in Mannheim (0:1) bestätigt worden war. Auch wenn die Ergebnisse stets hart erarbeitet sind und das Glück den Ostwestfalen selten hold ist: Arminia scheint sich gefunden zu haben – und Stand jetzt auch mit der Entscheidung, Kniat weiter zu vertrauen, richtig zu liegen. Nicht nur die gängigen Statistiken wie die Expected-Points-Tabelle sehen die Bielefelder dabei in dieser Saison deutlich weiter oben in der Tabelle. Auch – laut liga3-online.de-Experte Babak Rafati – bereits 18 (!) Fehlentscheidungen der Unparteiischen, Höchstwert in der 3. Liga, dürften die Kniat-Elf schon so einige Punkte gekostet haben.

Nicht weiter erwähnt werden muss, dass Arminia Bielefeld mit seinem Umfeld nichts, aber auch gar nichts in einer Regionalliga und damit im Amateurfußball verloren hätte. Die Unterstützung, die der Verein am Sonntagabend erfuhr, war jedenfalls bemerkenswert: Fast 24.000 Fans strömten in die Schüco-Arena – selbst abzüglich der über 3.000 Duisburger Anhänger war dieser Besuch nach fast drei Jahren voller Enttäuschungen mehr als bemerkenswert. Der emotionale Busempfang des Teams vor Anstoß war für Kapitän Fabian Klos in einem seiner letzten Heimspiele vor dem Karriereende derart emotional, dass er sich "zusammenreißen" musste, "damit ich nicht anfange zu heulen". Nichts anderes darf in den kommenden Spielen erwartet werden – der Bielefelder weiß, wann ihn sein Verein braucht, und schenkt ihm in diesen Situationen fast endlosen Kredit.

Sieben bis acht Punkte fehlen noch

Das positive, oder besser versöhnliche Ende einer alles andere als komplikationsfreien Saison ist jetzt noch sieben bis acht Punkte entfernt. Eine Hürde, die mit den Leistungen der vergangenen vier Wochen überspringbar scheint, selbst wenn Rückschläge – etwa beim schweren Auswärtsspiel in Ingolstadt am kommenden Freitag – wohl nicht ausbleiben werden. Absehbar ist mit Blick auf das Restprogramm: Gewinnt der DSC seine "Pflichtaufgaben", nämlich die direkten Duelle zuhause gegen den Halleschen FC und den VfB Lübeck, dann braucht er sich keine Sorgen mehr zu machen. Und knüpft er mit der Qualität seines Kaders an die zuletzt konstanten Leistungen an, dann stehen die Chancen für diese Siege wirklich gut.

   
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