So läuft die Kooperation zwischen Hansa und Olympiakos Piräus

Die Sommerpause birgt im Fußball immer Überraschungen, so auch in Rostock. Nur einen Tag nach dem Testspiel gegen den FC Bayern München (0:4) durften die Rostocker Fans feststellen, dass das internationale Flair, was der Triple-Sieger mit in die DKB-Arena gebracht hatte, nun auch langfristig die Hansestadt beglücken wird. Gut möglich nämlich, dass schon bald der griechische Rekordmeister und mehrfache Champions-League-Teilnehmer Olympiakos Piräus an der Ostsee vorbei schauen wird. Zumindest sind eventuelle Testspiele der Griechen Teil der neuen Kooperation zwischen dem F.C. Hansa und dem Verein aus der Hafenstadt bei Athen. Doch wie genau läuft dieser Kooperationsvertrag ab? liga3-online.de klärt die wichtigsten Fragen:

Wer ist Olympiakos Piräus?

Die Olympiakos Syndesmos Filathlon Peiraios, die Olympische Vereinigung der Sportfreunde von Piräus, ist ein 1925 gegründeter Sportverein, welcher nicht nur im Fußball, sondern auch und insbesondere im Basketball, Wasserball und Volleyball zu den größten und wichtigsten Vereinen Europas gehört. Im Fußball gewann der Verein im vergangenen Mai seinen 40. Meistertitel, 26 Pokalfinalspiele, 16 Mal das Double aus Meisterschaft und Pokal und vier griechische Supercups. In allen Wettbewerben ist der Verein griechischer Rekordsieger. International konnten die Rot-Weißen in der Saison 98/99 ins Champions-League-Viertelfinale vordringen und sind Gründungsmitglied der Interessenvertretung der europäischen Clubvereine ECA, eine Ehre, die in Deutschland nur dem Testspielgegner FC Bayern München zuteilwurde. Großen Namen, wie Rivaldo, Giovanni, Dennis Rommedahl oder Christian Karembeu schnürten in der Vergangenheit die Fußballschuhe für den Club. Der größte Rivale des Vereins ist Panathinaikos Athen, die gemeinsame Feindschaft besteht gleichzeitig auf einer sportlich-, einer regional- und einer fanbedingten Ebene, was regelmäßig zu schweren Ausschreitungen bei den „Derbys der ewigen Feinde“ führt. Die Fans von Olympiakos (Gate 7, 15.000 Mitglieder) unterhalten zudem eine europaweit bekannte und einflussreiche Fanfreundschaft zu den Fans von Roter Stern Belgrad (Delije) und teilweise auch zu den Fans von Spartak Moskau. Die Verbindung wird als Orthodox Brothers bezeichnet und sehr intensiv gepflegt. Welche Bedeutung der Verein Olympiakos Piräus für den griechischen Fußball hat, zeigt sich auch im Spitznamen des Clubs: Thrylos – die Legende.

Warum kooperiert der Verein mit Hansa Rostock?

Sportvorstand Uwe Vester erklärte die Kooperation mit dem griechischen Rekordmeister folgendermaßen: „In Griechenland gibt es keinen flächendeckenden Unterbau in Form zweiter Mannschaften, in denen sich hoffnungsvolle Talente in Ruhe auf professionellem Niveau entwickeln können.“. Und in der Tat klafft im griechischen Fußball eine große Lücke zwischen der A-Jugend, bzw. den dortigen U20-Mannschaften, und den Profiteams. Der Druck auf junge Spieler ist dadurch enorm, viele werden schon mit jungen Jahren in die Profimannschaft gedrängt, so wie der griechische Nationalspieler Sotiris Ninis (FC Parma), der bereits mit 16 bei Olympiakos‘ Erzfeind Panathinaikos debütierte und dadurch in seiner Entwicklung empfindlich gestört wurde, sodass er sich erst im Alter von 22 Jahren international ernsthaft durchsetzen konnte. Andere durchaus talentierte Spieler schaffen den Durchbruch nicht, weil es keine Möglichkeit gibt, sich im jungen Alter auf Wettkampfniveau zu messen. Stattdessen versauern sie auf der Ersatzbank oder werden Saison für Saison an kleinere Teams verliehen, was keine Konstanz schafft. Hier kam Bernd Storck ins Spiel. Der DFB-Pokalsieger von 1989, der in der Bundesliga unter anderem für Bochum und Dortmund auflief, fungiert beim griechischen Rekordmeister als Jugendkoordinator und Trainer der U20. Er stellte den Kontakt zum F.C. Hansa her, welcher als Drittligist mit bundesligareifer Infrastruktur und der Philosophie als Ausbildungsverein für eine Kooperation perfekt erschien.

Wie wird die Kooperation konkret aussehen?

Konkret handelt es sich um eine zeitlich unbegrenzte Kooperation der beiden Vereine. Dabei werden in erster Linie Spieler von Olympiakos nach Rostock verliehen, Hansa fungiert somit als eine Art „Farmteam“ für die Griechen. Erster Nutznießer dieser Zusammenarbeit ist der griechische U19-Nationalspieler Nikolaos Ioannidis, welcher für mindestens ein Jahr vom Mittelmeer an die Ostsee wechselt. Hier soll er Spielpraxis sammeln und sich für höhere Aufgaben bei seinem Heimverein empfehlen, hilft mit seiner Qualität aber auch der Kogge als Leihspieler. Gleichzeitig ist ein regelmäßiger Austausch im Bereich der Jugendarbeit geplant, hier werden die Griechen aller Voraussicht nach von der hochwertigen Jugendarbeit des A-Jugend-Vizemeisters aus Rostock profitieren können, sind aber selbst kein unbeschriebenes Blatt um europäischen Jugendfußball und nahmen in der vergangenen Saison an der europäischen Jugendfußballmeisterschaft NextGen Series teil. Zudem soll es regelmäßige Trainingslager in Athen bzw. Rostock geben und auch über oben erwähnte Freundschaftsspiele der Profimannschaften, in Rostock oder gar in Athen, können sich die Fans beider Vereine freuen.

Fazit

Dem F.C. Hansa ist mit der Kooperation die sprichwörtliche „gebratene Taube in den Mund geflogen“. Musste Sportvorstand Uwe Vester im vergangenen Winter noch für Leihspieler aus den ersten beiden deutschen Ligen fleißig Klinken putzen, so bietet sich mit dem Austausch von hochtalentierten, griechischen Jugendnationalspielern aus Piräus eine unerwartete, völlig neue Perspektive für den ehemaligen Bundesligisten. Sportlich kann die Kogge also nur gewinnen und auch die Hintergründe, die Aussicht auf Freundschaftsspiele gegen einen Club von europäischem Format, womöglich sogar in Piräus, sind für Verein und Fans mehr als angenehm.

FOTO: F.C. Hansa Rostock

   
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