Wenn zwischen Hölle und Himmel nur 336 Tage liegen

"Der SCP ist wieder da" schallte es am Samstagnachmittag aus tausenden Kehlen durch die Benteler-Arena. Und wie der SC Paderborn wieder da ist! Gerade einmal ein Jahr, nachdem die Ostwestfalen sportlich in die Regionalliga abgestiegen waren, kehrt der SC Paderborn in die 2. Bundesliga zurück. Wenn zwischen Hölle und Himmel nur 336 Tage liegen. Ein Kommentar.

Aufstieg mit neuen Rekorden

Es war die wohl bitterste Stunde in der Vereinsgeschichte, als die Ostwestfalen am 20. Mai 2017 nach einem torlosen Remis in Osnabrück den Gang in die Regionalliga antreten mussten. Warum der SCP dennoch in der 3. Liga verbleiben konnte, ist hinlänglich bekannt und wurde ihm mit Gesängen gegnerischer Fans ("Ohne Sechzig wärt' ihr gar nicht hier") mehrmals vor Augen geführt. Doch Paderborn hat seine Chance – im Gegensatz zu anderen Vereinen – genutzt, sich neu aufgestellt und kann nun genau 336 Tage nach dem Abstieg in die Regionalliga den Aufstieg in die 2. Bundesliga feiern – was für eine Geschichte! "Ich bin überglücklich, es ist schwer zu beschreiben", rang Torwart Leopold Zingerle beim "WDR" um die richtigen Worte. "Ich habe noch nicht ganz realisiert, was wir erreicht haben."

Darüber, dass der Aufstieg hochverdient ist, gibt es keine zwei Meinungen: 83 Tore, 76 Punkte und nur fünf Niederlagen nach 35 Spieltagen sprechen eine mehr als deutliche Sprache. Nie erzielte ein Drittligist in einer Saison mehr Tore – den bisherigen Rekord von Eintracht Braunschweig aus der Saison 2011/12 übertraf der SCP am Samstag beim 3:0-Sieg gegen die SpVgg Unterhaching – und drei Spiele stehen noch an. Darüber hinaus stellten die Paderstädter auch einen neuen Gegentorlos-Rekord in der Geschichte der 3. Liga auf: Seit nunmehr 704 Minuten ist die Defensive um Keeper Zingerle nicht mehr überwunden worden. Den letzten Gegentreffer kassierte der SCP am 10. März in Rostock – danach machte Paderborn aus einem 0:2 in letzter Sekunde ein 3:2 und schaffte damit den Turn-Around im Aufstiegskampf.

"Wir sind da, wo wir hinwollten"

Auch der Sieg gegen Unterhaching hat einmal mehr deutlich gemacht, warum der SCP zurecht aufgestiegen ist. Bereits nach drei Minuten traf Sven Michel zur frühen Führung, Sebastian Schonlau (27., Elfmeter) und erneut Michel (31.), der damit seinen 30. Scorerpunkt in dieser Saison verbuchte, machten noch vor der Pause alles klar und stellten somit früh die Weichen auf Aufstieg. Die beeindruckende Bilanz: In den letzten vier Spielen erzielte Paderborn 19 (!) Tore. Selten zuvor hat ein Drittligist derart überzeugenden und begeisternden Fußball gespielt wie der SC Paderborn in dieser Saison. Auch deshalb ist der Aufstieg hochverdient.

"Wir sind da, wo wir hinwollten", stellte Trainer Steffen Baumgart auf der Pressekonferenz nach Spielende mit gewohnt ernster Miene fest. "Ich freue mich, was die Jungs für einen Job gemacht haben." Viele Worte verlor Baumgart zunächst wie üblich nicht, um dann aber doch noch emotional zu werden: "Danke an alle, die uns unterstützt haben. Auch dann, wenn es mal nicht lief. Wer die Bilder in Osnabrück vor Augen hat, beim Spiel vor einer Woche und im letzten Jahr: Wie viele Leute ich da gesehen habe, die mit einem Lächeln da standen … Danke, für den Aufstieg." Starke Worte, die für Applaus im Presseraum sorgten.

Wundersame Wiederauferstehung

Doch nicht nur den Fans, auch Baumgart selbst war nach dem 5:0-Sieg in Osnabrück ein für ihn seltenes Lächeln entwichen. Der Erfolgstrainer, unter dem der SCP in 51 Pflichtspielen 36 Siege feierte und 126 Tore (!) erzielte, freut sich mehr nach innen und für sich alleine: "Ich werde mir eine Zigarre anstecken, mich ganz in Ruhe zurückziehen und den Aufstieg genießen." Kurz danach fügte er aber noch an: "Ich gehe davon aus, dass ich morgen keine Stimme mehr habe." Zusammen mit Manager Markus Krösche ist Steffen Baumgart der wesentliche Faktor für die wundersame Wiederauferstehung eines Vereins, der im Mai 2017 vor einem Scherbenhaufen und am Abgrund zur Hölle stand.

Jetzt ist der SCP wieder da. Dementsprechend euphorisch war am Samstagnachmittag die Stimmung in der mit 14.011 Zuschauer besetzten Benteler-Arena sowie die anschließende Aufstiegsfeier auf dem Platz. Und als Kapitän Christian Strohdiek mit viel Selbstironie und einem Augenzwinkern in Richtung der Konkurrenz "Ohne Sechzig wärn' wir gar nicht hier" anstimmte, war endgültig klar: Der SCP hat die Hölle überwunden, feiert den wichtigsten Aufstieg der Vereinsgeschichte und ist zurück im Fußball-Himmel – und das innerhalb von nur 336 Tagen. Hallelujah!

   
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