Schoppenhauer: "Es herrscht nicht pure Verzweiflung"

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Im Interview mit liga3-online.de spricht Aalens neuer Kapitän Clemens Schoppenhauer über die Stimmung beim Schlusslicht, das jüngste 0:4 in Münster, den Glauben an den Klassenverbleib und die anstehenden schweren Spiele gegen Halle und beim KSC.

"Die Stimmung ist positiv"

liga3-online.de: Im Januar wechselten Sie vom FC St. Pauli zum VfR Aalen, rund eineinhalb Monate später waren Sie bereits Kapitän. Wie kam es, dass Sie so schnell Verantwortung übernommen haben, Herr Schoppenhauer?

Clemens Schoppenhauer: Ich habe von Beginn an meine Erfahrung mit eingebracht und meinen Mitspielern Mut zugesprochen. Egal, wie aussichtslos es aussehen mag: Wir haben noch eine realistische Chance auf den Klassenverbleib und ich glaube fest daran. Ich hatte bei meinem letzten Verein FC St. Pauli keine einfache Zeit, habe aber nie aufgesteckt und auch bei der zweiten Mannschaft in der Regionalliga Nord immer alles gegeben. Nach dem Trainerwechsel wurde in Aalen das Kapitänsamt neu vergeben. Ich denke, dass meine stets positive Denkweise gut angekommen ist. Ich möchte vorangehen und mit dem VfR unbedingt auch in der kommenden Saison drittklassig spielen.

Für den VfR sieht es düster aus, der Rückstand auf das rettende Ufer beträgt acht Punkte. Wie ist die Stimmung in der Mannschaft?

Natürlich sind wir enttäuscht über den bisherigen Saisonverlauf. Es herrscht aber nicht pure Verzweiflung. Die Stimmung ist positiv, der Glaube an den Klassenverbleib existiert bei jedem einzelnen Spieler. Wichtig ist, dass wir unser großes Ziel nicht zu verbissen verfolgen. Mir hat mal einer meiner ehemaligen Trainer gesagt: Man muss in der Anspannung locker bleiben. Das trifft es gerade ziemlich genau. Lockerheit ist der Schlüssel zum Erfolg.

Beim 4:1 im Nachholspiel gegen die SpVgg Unterhaching zeigte der VfR, das er das Zeug dazu hat, unten rauszukommen. Es folgte aber ein 0:4 bei Preußen Münster. Wie ist das zu erklären?

Das 0:4 in Münster war im Endeffekt natürlich ein Brett. Aber die Partie hätte auch ganz anders ausgehen können. Nach schwachem Start kamen wir besser ins Spiel und erzielten dann eigentlich ein reguläres Tor zum 1:1, was aber nicht gegeben wurde. Zu Beginn der zweiten Halbzeit konnten wir eine große Chance auf den Ausgleich nicht nutzen. Nach dem 0:2 und dem 0:3, die innerhalb weniger Minuten fielen, war dann die Luft raus. Fakt ist: So schlecht, wie es das Ergebnis aussagt, waren wir nicht. Aber es bringt auch nichts, sich darüber einen Kopf zu machen. Wir haben verloren und gut ist. Unser Blick richtet sich nur nach vorne.

 

"Dürfen wir auch ruhig mal ekliger sein"

Sie haben Ex-Trainer Argirios Giannikis noch kennengelernt, etwa einen Monat nach Ihrem Wechsel zum VfR kam Rico Schmitt. Was hat der Trainerwechsel bewirkt?

Rico Schmitt bringt viel Erfahrung mit. Er hat sofort versucht, uns beizubringen, in den Spielen weniger mit uns zu hadern, wenn mal etwas nicht funktioniert. Stattdessen sollen wir fokussiert und bissig bleiben. Ich denke, dass wir bereits etwas kaltschnäuziger und cooler geworden sind. Das ist einer so prekären Lage auch enorm wichtig.

Das anstehende Programm hat es in sich, innerhalb von fünf Tagen treffen Sie mit dem Halleschen FC und dem Karlsruher SC auf zwei Aufstiegsaspiranten. Wie gehen Sie diese Spiele an?

Wie jedes andere Spiel auch. Wir müssen uns von der Tabellensituation lösen. Egal, wer der Gegner ist: Es geht immer bei Null los. Das müssen wir verinnerlichen. Wir dürfen uns auch nicht kleiner machen, als wir sind. Die Hachinger mischen auch oben und wir haben sie deutlich geschlagen – das Ergebnis hätte sogar noch höher ausfallen können. Die Niederlage in Münster war außerdem ein Ausreißer, fast alle anderen verlorenen Spiele waren eng.

Halle sorgte am letzten Wochenende für Furore, besiegte den KFC Uerdingen 4:0. Wie groß ist der Respekt?

Der Respekt ist sicherlich da, der HFC steht auch nicht umsonst auf Relegationsplatz drei. Allerdings wird uns der Respekt vor dem Gegner nicht lähmen. Wir werden uns optimal auf Halle vorbereiten und haben Bock, einen Aufstiegsanwärter zu ärgern.

Was ist von Ihrer Mannschaft gefordert, um für eine Überraschung zu sorgen?

Wir müssen die Zweikämpfe besser annehmen als zuletzt und schneller Entscheidungen treffen. Oft überlegen wir zu lange und verpassen dann den richtigen Moment, um eine Aktion auszuführen. Außerdem dürfen wir auch ruhig mal ekliger sein, anstatt zu brav zu agieren und dann wieder als Verlierer den Platz zu verlassen.

   

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