Rico Schmitt: "Hätte, wenn und aber bringt keine Punkte"

Halle-Trainer Rico Schmitt spricht im Interview mit liga3-online.de über die Defensivstärke und das Offensivproblem seiner Mannschaft, die jüngste Niederlage beim FC Hansa Rostock und das kommende Spiel gegen die SG Sonnenhof Großaspach. Außerdem zieht er nach rund zehn Monaten Amtszeit ein Zwischenfazit.

[box type="info" size="large"]Ein anspruchsvolles Ziel[/box]

liga3-online.de: Herr Schmitt, am Sonntag verpasste Ihr Team den Sprung auf Platz drei, verlor 0:1 beim FC Hansa Rostock. Warum hat es nicht zu einem Punktgewinn gereicht?

Rico Schmitt: Wir waren bei einem ruhenden Ball nicht konsequent genug und haben unsere eigenen Möglichkeiten nicht genutzt. In Summe verlieren wir dann ein Spiel, das sich in der Phase, wo das entscheidende Tor fiel, zu unseren Gunsten zu neigen schien. Rostock wollte den Sieg von Beginn an vielleicht einen Tick mehr als wir. In so engen Spielen macht das dann den Unterschied. Insgesamt war es ein typisches Drittliga-Spiel auf Augenhöhe, das auf des Messers Schneide stand und sehr intensiv und temporeich war.

Seit drei Spielen gab es keinen Sieg. Wie bewerten Sie die Punkteausbeute aus den letzten Wochen?

Fünf Punkte aus vier Spielen im neuen Jahr sind exakt die gleiche Ausbeute, die auch nach den ersten vier Saisonpartien zu Buche gestanden hatte. Angesichts der späten Gegentore wäre es sicher möglich gewesen, mehr Zähler zu holen. Aber hätte, wenn und aber bringt eben keine Punkte.

Der Rückstand auf Platz zwei beträgt dennoch gerade einmal drei Punkte. Wie stehen die Chancen auf den Aufstieg?

Dieses Wort spielt bei uns in der täglichen Arbeit keine Rolle – wirklich nicht! Es ist ohnehin überstrapaziert und wird Woche für Woche in die öffentliche Diskussion eingebaut. Nach Siegen rückt man dem Aufstieg ein großes Stück näher, nach Niederlagen vergibt man die Chance auf den Aufstiegsplatz. In der Wahrnehmung geht es nur noch darum – nicht um Leistung, nicht um Entwicklung, nicht um logische Phasen innerhalb einer Saison, nicht um Gründe für Erfolg oder Misserfolg, nicht um sachliche Analysen. Wir sind mittendrin in einem Pulk von zwölf bis 14 Mannschaften, die mit ähnlichen "Waffen" kämpfen. Deshalb sind wir gut beraten, uns auf das jeweils nächste Spiel zu konzentrieren und uns nicht mit Eventualitäten zu beschäftigen.

Wie lautet dann die Zielsetzung für die Restrunde?

Konstanz gepaart mit Stabilität, Disziplin, Hingabe, Teamgeist und fußballerischen Elementen auf den Rasen zu bekommen. Das ist unsere Aufgabe und ein anspruchsvolles Ziel, das wir nicht aus den Augen verlieren. Die Mannschaft ist noch nicht am Ende ihrer Entwicklung.

[box type="info" size="large"]Defensivstärke und Offensivproblem[/box]

Von den ersten zwölf Mannschaften stellt der Halle mit 17 Gegentreffern nach Spitzenreiter MSV Duisburg (15) die zweitbeste Defensive. Allerdings hat der HFC mit nur 23 erzielten Toren zusammen mit Fortuna Köln gleichzeitig die schwächste Offensive der Top zwölf. Woran liegt das?

Zwischen Defensivverhalten und Offensivpower besteht ein kausaler Zusammenhang. Weil die gesamte Mannschaft gegen den Ball arbeitet und sich auch die Stürmer aufopfern, fehlen beim eigenen Abschluss womöglich Kraft oder Konzentration. Diese Balance zwischen stabiler Hintermannschaft und eiskalter Angriffsreihe ist die hohe Schule und zeichnet Spitzenmannschaften aus. Gut ist, dass wir in jedem Spiel Chancen herausspielen, ohne die Abwehr zu entblößen. Der nächste Schritt muss sein, diese Möglichkeiten effektiver zu nutzen.

Am Samstag empfangen Sie die SG Sonnenhof Großaspach. Wie schätzen Sie den Gegner ein?

Für mich ist die SG Sonnenhof eine der Überraschungsmannschaften der Saison. Ich habe großen Respekt davor, dass die vielen Abgänge von Leistungsträgern im letzten Sommer so gut kompensiert wurden und Großaspach wieder ein starkes Team an den Start gebracht hat.

Was stimmt Sie optimistisch, dass es wieder mit einem Sieg klappt?

Unsere Heimbilanz ist sensationell. Als einziges Team der 3. Liga haben wir zuhause noch nicht verloren. Wir treten vor eigener Kulisse mit einem riesigen Selbstbewusstsein auf, das sich die Mannschaft im Laufe der Saison erarbeitet hat.

Sie stehen beim HFC seit April 2016 unter Vertrag. Ihr bisheriger Punktedurchschnitt von 1,66 kann sich sehen lassen. Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung der Mannschaft seit Ihrem Amtsantritt?

Das aktuelle Team ist mit dem aus der Vorsaison kaum zu vergleichen. Der Umbruch im Sommer war gewaltig. Zunächst galt es nach meinem Amtsantritt, den Klassenverbleib zu schaffen. Seit Saisonbeginn arbeiten wir daran, das Team zukunftsfähig aufzustellen und konkurrenzfähig zu machen. Daher bin ich mit den zurückliegenden zehn Monaten durchaus zufrieden.

 

   
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