Schiedsrichter-Analyse zum 37. Spieltag mit Babak Rafati

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25 Jahre war Babak Rafati Schiedsrichter, 2008 schaffte er es sogar auf die FIFA-Liste. Insgesamt leitete der heute 44-Jährige 84 Erst-, 102 Zweit- und 13 Drittliga-Spiele. Nun hat Rafati eine neue Aufgabe: Für liga3-online.de analysiert der erfahrene Schiedsrichter jeden Spieltag die strittigen Entscheidungen des Wochenendes. Nach einer Vorauswahl durch die Redaktion sichtet Rafati das Video-Material und gibt eine kurze Einschätzung zu den jeweiligen Szenen ab und erklärt bei falschen Entscheidungen zudem, wie die Unparteiischen auf dem Platz hätten reagieren müssen. Am 37. Spieltag hat er sich sechs Szenen einmal genauer angeschaut.

Szene 1: Halil Savran (Hansa Rostock) geht nach einem Zweikampf mit Anton Makarenko (Energie Cottbus) im Strafraum zu Boden, Schiedsrichter Sven Jablonski lässt weiterspielen. [TV-Bilder – ab Minute 0:50]

Babak Rafati: Bei diesem Zweikampf setzt der Cottbuser Verteidiger seinen Oberkörper mit angelegtem Arm gegen seinen Gegenspieler robust, aber noch im Bereich des Erlaubten ein. Ob dabei der Angreifer derartig fallen muss, ist die entscheidende Frage. Die Entscheidung des Schiedsrichters ist im normalen Ablauf auf dem Platz nachvollziehbar, wenngleich diese Szenen in der Zeitlupe immer schlimmer aussehen. Somit eine richtige Entscheidung. 

Szene 2: Halil Savran (Hansa Rostock) wird in einem Laufduell mit Robin Szarka (Energie Cottbus) im Strafraum zu Fall gebracht, Jablonski gibt keinen Elfmeter. [TV-Bilder – ab Minute 3:10]

Babak Rafati: In dieser Szene steht der Schiedsrichter optimal  und hat einen guten Blick zum Geschehen. Das Tackling ist absolut fair und sauber. Anschließend wird es etwas undurchsichtig. Dabei nimmt der Verteidiger von Cottbus ganz kurz und ansatzlos die Hand zur Hilfe und spitzelt den Ball weg. Wenn der Schiedsrichter diese Szene gesehen hätte, hätte er sicherlich auf Strafstoß für Rostock entschieden und dem fehlbaren Spieler die gelbe Karte gezeigt. Somit liegt eine Fehlentscheidung vor.

Szene 3:  Maximilian Ahlschwede (Hansa Rostock) bringt Robin Szarka (Cottbus) zu Fall, der Unparteiische gibt Elfmeter für Cottbus. [TV-Bilder – ab Minute 3:45]

Babak Rafati: Bei diesem Zweikampf läuft der Verteidiger von Rostock mit voller Dynamik auf den Angreifer zu, als dieser den Ball im Strafraum an ihm vorbei spielen will. Dabei wird der Angreifer ungeschickt umgerannt und kommt dadurch zu Fall. Strafstoß ist eine richtige Entscheidung.

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Szene 4: Branimir Bajic (MSV Duisburg) foult Maik Kegel (Holstein Kiel) im Strafraum, die Pfeife von Schiedsrichter Tobias Stieler bleibt stumm. [TV-Bilder – ab Minute 6:20]

Babak Rafati: Der Verteidiger von Duisburg wird den Angreifer sicherlich berührt haben, aber das wird minimal gewesen sein und somit nicht ausreichend für den Schiedsrichter, um auf Strafstoß zu entscheiden. Die Sicht, die wir im TV haben, ist die gleiche Sicht, die der Schiedsrichter auch auf dem Platz hatte und da kann man nicht einen entscheidenden Kontakt sehen. Daher kann man von einer richtigen Entscheidung ausgehen.

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Szene 5: Nach Luftzweikampf zwischen Adil Lachheb (Jahn Regensburg) und Pascal Testroet (Arminia Bielefeld) fordern die Bielefelder Elfmeter. Schiedsrichter Harm Osmers gibt diesen zunächst auch, nimmt seine Entscheidung nach einer kurzen Besprechung mit seinem Assistenten aber wieder zurück.  [TV-Bilder – ab Minute 5:25]

Babak Rafati: Der Schiedsrichter entscheidet nach kurzem Zögern auf Strafstoß für Bielefeld. Die Regensburger reklamieren sehr vehement und bedrängen den Schiedsrichter auf eine atypische Weise. Daraufhin hält der Schiedsrichter Rücksprache mit seinem Assistenten und nimmt seine Entscheidung zurück. Sehr gut vom Assistenten, der den Vorgang genau beobachtet hat und den Schiedsrichter auf seinen Fehler hinweist. Der Schiedsrichter gibt sicherlich eine unglückliche Figur ab und trifft zunächst eine Fehlentscheidung. Es ist nicht nachvollziehbar, wie dieser Irrtum zustande kommt, aber schlussendlich wird die richtige Entscheidung getroffen und der Strafstoß revidiert, da der Bielefelder den Ball mit der Hand spielte und nicht der Regensburger.

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Szene 6:  Julius Biada (Fortuna Köln) sieht nach einem Foul Gelb-Rot. [TV-Bilder – ab Minute 9:00]

Babak Rafati: Wenn ein Spieler so unkontrolliert von hinten in die Beine seines Gegenspielers springt, nimmt er billigend in Kauf diesen zu verletzen. Auch wenn dabei vielleicht der Ball berührt wird, ist diese Spielweise richtigerweise mit der gelben Karte geahndet worden, was folglich eine gelb-rote Karte nach sich zieht, da der Spieler bereits verwarnt war. Somit eine richtige Entscheidung.

 

   
  • Proband80

    Leider war Patrick Ittrich beim Spiel Halle – Mainz auch mit wenig Fingerspitzengefühl gesegnet. Nach mehreren Verletzungsunterbrechungen hielt er eine Nachspielzeit von einer Minute (!) beim Stand von 1:2 (!) für angemessen. Den HFC wird es nicht jucken – Haching & Hansa hätten sich über eine Verlängerung der Heimschlussoffensive sicher gefreut. So lachten nur die Mainzer über ihren großen Schritt gen Klassenerhalt.

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