Schiedsrichter-Analyse zum 31. Spieltag mit Babak Rafati

25 Jahre war Babak Rafati Schiedsrichter, 2008 schaffte er es sogar auf die FIFA-Liste. Insgesamt leitete der heute 44-Jährige 84 Erst-, 102 Zweit- und 13 Drittliga-Spiele. Nun hat Rafati eine neue Aufgabe: Für liga3-online.de analysiert der erfahrene Schiedsrichter jeden Spieltag die strittigen Entscheidungen des Wochenendes. Nach einer Vorauswahl durch die Redaktion sichtet Rafati das Video-Material und gibt eine kurze Einschätzung zu den jeweiligen Szenen ab und erklärt bei falschen Entscheidungen zudem, wie die Unparteiischen auf dem Platz hätten reagieren müssen. Am 31. Spieltag hat er sich vier Szenen einmal genauer angeschaut:

Szene 1:  Maximilian Schulze-Niehues (Preußen Münster) und Thorsten Schulz (Preußen Münster) gehen im Strafraum zum Ball und bringen Sören Bertram (Hallescher FC) zu Fall, Schiedsrichter Dr. Felix Brych entscheidet auf Elfmeter für Halle und Rot für Schulz (76.). [TV-Bilder – ab Minute 6:25]

Babak Rafati: Eine sehr undurchsichtige Szene für den Schiedsrichter. Der Verteidiger trifft den Angreifer am Bein und bringt ihn dadurch klar zu Fall. Dadurch, dass der Torwart auf den Angreifer zuläuft, sieht es für den Schiedsrichter so aus, dass dieser den Angreifer von vorne trifft. Die Schwierigkeit liegt darin, dass der Schiedsrichter dem schnellen Konter nicht folgen kann, wofür er aber nichts kann. Dies sieht man sehr gut beim Pass aus dem Mittelfeld auf die linke Angriffsseite. Beim entscheidenden Zweikampf am Fünfmeterraum hat der Schiedsrichter nicht den optimalen Blickwinkel und schaut demzufolge frontal zum Geschehen. Wäre er weiter nach links gelaufen, hätte er einen seitlichen Blick auf die Szene und hätte sehen können, dass der Verteidiger das Foul begeht und nicht der Torwart. Die richtige Entscheidung wäre somit Strafstoß und rote Karte gegen den Verteidiger wegen Verhinderung einer glasklaren Torchance. Somit ist die Strafstoßentscheidung richtig, jedoch liegt bei der roten Karte gegen den Torwart eine Fehlentscheidung vor. Das Stellungsspiel ist oft die Ursache einer Fehlentscheidung, wobei man in diesem speziellen Fall dem Schiedsrichter keinen Vorwurf machen kann, dass er dem lang geschlagenen Ball nicht folgen konnte. 

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Szene 2: Manuel Junglas (Arminia Bielefeld) spielt im Mittelfeld auf Christoph Hemlein, danach trifft Dennis Mast zum 2:0. Stand Hemlein beim Pass von Junglas im Abseits? (41.) [TV-Bilder – ab Minute 2:22]

Babak Rafati: Diese Szene ist sehr interessant und zeigt die komplexe Schwierigkeit bei Abseitsentscheidungen auf. Dadurch, dass die Verteidiger immer rauslaufen und die Angreifer immer reinlaufen, ergibt sich eine gegenläufige Bewegung, was der Assistent bildlich und gedanklich zunächst einmal festhalten muss. Gleichzeitig muss er zusätzlich den ballführenden Spieler beobachten, um zu beurteilen, wann das Abspiel geschieht, was maßgeblich für eine Abseitsposition ist. In diesem Fall kommt noch hinzu, dass der Angreifer, der den Ball zugespielt bekommt, näher zum Assistenten steht als der Verteidiger und zudem dunkle Spielkleidung trägt. Dann neigt ein Assistent Abseits anzuzeigen, da man diesen Spieler aufgrund der räumlichen Nähe eher wahrnimmt und zudem das dunkelblaue Trikot eher als ein weißes registriert. Als dann ein paar Sekunden später der entscheidende Pass zum Torschützen kommt, zeigt der Assistent Nervenstärke, denn er musste vorher schon eine knappe Entscheidung treffen. Bei diesem Abspiel liegt auch keine Abseitsposition vor, wie bereits zuvor. Hier ist der Torschütze hinter dem Ball, so dass das Tor korrekt erzielt wird. Ein Kompliment an den Assistenten für diese richtige(n) Entscheidung(en) innerhalb kurzer Zeit.

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Szene 3: Tammo Harder (Dortmund) bringt den BVB in Führung, Schiedsrichter Patrick Alt gibt den Treffer aber nicht (35.). [TV-Bilder – ab Minute 2:50]

Babak Rafati: Der Schiedsrichter steht ideal und hat eine gute Sicht in den Strafraum. Bei der Ecke in den Strafraum köpft ein Dortmunder Spieler den Ball korrekt ins Tor. Allerdings wird der Torhüter von einem anderen Dortmunder Spieler klar gefoult, indem er ihn mit dem Körper "wegcheckt." Zwar gab es vor drei Jahren eine Regeländerung, in der festgelegt wurde, dass der Torwart im Torraum keinen Sonderstatus mehr hat, aber in dieser Szene ist das nicht relevant. Hier liegt ein klares Foulspiel vor. Somit eine völlig richtige Entscheidung.

Szene 4: Gerrit Müller (Stuttgarter Kickers) läuft in den Strafraum, Torhüter Hendrik Bonmann (Dortmund) geht zum Ball, Schiedsrichter Alt entscheidet auf Elfmeter (66.). [TV-Bilder – ab Minute 5:00]

Babak Rafati: Bei diesem Zweikampf darf sich ein Torwart nicht wundern, dass es in vollem Lauf zwangsweise zu einer Berührung kommt und einen Stürmer bei einem minimalen Kontakt außer Tritt bringen kann. Somit ist Strafstoß und die gelbe Karte eine völlig richtige Entscheidung. 

   
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