Saisonvorschau MSV Duisburg: Alles auf Null

Bevor die 3. Liga morgen in die Saison startet, blickt liga3-online.de auf die 20 Drittligisten und schätzt die Chancen der Teams ein. In der heutigen Ausgabe werfen wir einen Blick auf den MSV Duisburg. In der letzten Saison spielten die "Zebras" noch im Mittelfeld der 2. Bundesliga – und wurden dann von der Lizenzverweigerung überrascht. Nach einem erfolglosen Einspruch galt es einige Zeit bange zu warten, bis schließlich die Lizenz für die 3. Liga erteilt wurde. Hier beginnt der MSV Duisburg bei Null! Am 9. Juli – vor neun Tagen – waren die Meidericher ein Drittligist ohne Trainer und ohne Spieler. In zwei Tagen empfangen sie den 1. FC Heidenheim zum Saisonauftakt – mit einem Rumpfkader und einer Mini-Vorbereitung.

Transfers

Neuzugänge:

  • Deniz Aycicek (Hannover 96 II)
  • Tobias Feisthammel (SC Paderborn)
  • Michael Gardawski (Viktoria Köln)
  • Maximilain Güll (eigene U19)
  • Matthias Kühne (SV Babelsberg)
  • Phil Ofosu-Ayeh (RW Erfurt)
  • Kingsley Onuegbu (Greuther Fürth)
  • Michael Ratajczak (Royal White Star Brüssel)
  • Julien Rybacki (eigene U19)
  • Maurice Schumacher (eigene U19)
  • Jens Wissing (SC Paderborn)
  • Patrick Zoundi (Union Berlin)

Abgänge:

  • Xhelil Abdulla  (unb.)
  • Srdan Baljak (unb.)
  • Džemal Berberović (Litex Lowetsch)
  • Dustin Bomheur (Fortuna Düsseldorf)
  • Sören Brandy (Union Berlin)
  • Daniel Brosinski (Greuther Fürth)
  • Waleri Domowtschijski (unb.)
  • Maurice Exslager (1. FC Köln)
  • Jürgen Gjasula (Litex Lowetsch)
  • Danny Latza (VfL Bochum)
  • Stephan Hennen (unb.)
  • Emil Jula (Ceahlăul Piatra Neamț)
  • Ranislav Jovanović (SV Sandhausen)
  • Julian Koch (1. FSV Mainz 05 – war von Borussia Dortmund ausgeliehen)
  • Adli Lachheb (Hallescher FC)
  • Timo Perthel (Eintracht Braunschweig)
  • Roland Müller (unb.)
  • Antonio da Silva (unb.)
  • Goran Šukalo (Greuther Fürth)
  • Felix Wiedwald (Eintracht Frankfurt)

Testspiel-Übersicht

Vor der Lizenzverweigerung bestritten die "Zebras" schon Testspiele, da sie mit dem aktuellen Kader aber nichts zu tun haben, bleiben diese hier nur am Rande erwähnt. Nach dem Trainingsauftakt am 9. Juli standen zwei Testspiele an: Ein Test wurde gegen die eigene U23 (Oberliga Niederrhein) mit 1:3 verloren – Torschütze: Sascha Dum. Gestern Abend siegte die besser eingespieltere Mannschaft beim Nachbarn VfB Homberg (Oberliga Niederrhein) 2:1, Torschützen hier waren: Onuegbu und Aycicek. Das nächste "Testspiel" findet bereits am kommenden Samstag um 14 Uhr gegen den 1. FC Heidenheim statt…

Voraussichtliche Startelf

 

Eine andere Möglichkeit ist, dass Feisthammel statt Wolze im Defensiven Mittelfeld aufläuft und für ihn in der Innenverteidigung Kühne spielt. Sobald Kapitän Bajic seine Rotsperre abgesessen hat (zum 4. Spieltag) wird er wohl den Platz von Bollmann in der Innenverteidigung übernehmen. Da es auf alle Fälle noch weitere Zugänge beim MSV geben wird, geht die aktuelle erste Startelf vom heutigen Stand aus.

Wichtigster Spieler

Den wichtigsten Spieler wird man in Duisburg nicht ausfindig machen können. Wichtig ist auch nur, dass sich aus dem zusammengewürfelten Haufen so schnell wie möglich eine Mannschaft bildet.

Stärken

Eine richtige Stärke findet man derzeit bei den Fans des MSV. 4.800 Dauerkarten wurden in neun Tagen bereits verkauft, gegen Heidenheim werden 13.000 Zuschauer erwartet. Viel wird davon abhängen, wie die Fans der "Zebras" ihre Mannschaft nach vorne treiben werden. Wenn sie das Wedaustadion in ein Tollhaus verwandeln, ist das noch einmal ein großes Plus auf einer Mannschaft mit vielen Fragezeichen. Ein weiterer kleiner Vorteil ist, dass neben den Spielern, die trotz Abstieg beim MSV geblieben sind, durchaus Spieler mit Erfahrung sowie hungrige Talente verpflichtet werden konnten – eigentlich die perfekte Mischung für eine erfolgreiche Saison.

Schwächen

Wo soll man anfangen? Der MSV hat einen Kader von 18 Spielern – zu wenig um eine Saison mit mindestens 40 Pflichtspielen schadlos überstehen zu können. Die Vorbereitungszeit der Mannschaft betrug nur elf Tage – zu wenig um sich vom Fleck weg mit Teams wie Heidenheim oder Regensburg messen zu können. Sollte der MSV den Auftakt verpatzen steht man schon nach den ersten Spielen mit dem Rücken zur Wand – was die Situation noch viel schwieriger gestaltet.

Trainer

Mit Karsten Baumann hat der Meidericher Spielverein einen neuen Trainer – den jüngsten im Amt. Der bisherige Coach Kosta Runjaic verließ den MSV eine Woche bevor die Entscheidung über die Ligazugehörigkeit fiel. Nachdem die Liga dann bekannt war, wurde sofort der neue Fußball-Lehrer verpflichtet. Auf Baumann wartet eine Hammer-Aufgabe: Bei Amtsantritt war kein einziger Spieler unter Vertrag, zur Saisonvorbereitung blieben ihm nur elf Tage. Der 43-jährige ist einer der erfahrensten Drittligatrainer (71 Spiele in 2. und 3. Liga für Erfurt, Osnabrück und Aue; Mit dem VfL stieg er 2010 auf), so eine Situation hat allerdings auch er noch nicht meistern müssen. Dennoch: "Einfach kann jeder", meint Baumann. Es gibt aktuell wohl keinen Trainer, der die Aufgabe in Duisburg besser bewältigen könnte, als der gebürtige Oldenburger.

Prognose

Der MSV Duisburg gleicht einer Wundertüte. Mit einem Spieler-Etat von etwa 3 Millionen Euro bewegen sie sich im oberen Mittelfeld. Die Neuzugänge sind zum Teil erfahrene Zweit- oder Drittligaspieler (Ratajczak, Kühne, Feisthammel, Onuegbu), zum Teil Talente mit ersten Profierfahrungen (Wissing, Ofosu-Ayeh, Gardawski) bzw. aus Jugendteams (Güll, Aycicek, Rybacki) – eigentlich die perfekte Mischung für eine erfolgreiche Saison. Das große Manko des MSV: Lange Zeit war die Ligazugehörigkeit unsicher, mit der Saisonvorbereitung konnte erst anderthalb Wochen vor Saisonstart begonnen werden. Neuzugänge tröpfeln erst nach und nach ein. Es wird dauern, bis die Mannschaft eingespielt ist. Und bei derzeit nur 17 Spielern im Kader – und nur unerfahrene Jugendspieler als Back-Up – darf auch nicht viel passieren was Verletzungen betrifft, sonst geht der MSV baden. Das Ziel an der Wedau kann eigentlich nur sein, sich von den Dämpfern der ersten Spiele nicht entmutigen zu lassen und die Saison so schadlos wie möglich zu überstehen. Der Klassenerhalt und ein Platz im Mittelfeld sind mehr als nur möglich – für mehr reicht es nur, wenn alle Neuzugänge eine Ausnahme-Saison spielen und sich keiner verletzt. Man sollte aber nicht außer Acht lassen, dass es bei derart schlechten Voraussetzungen und einem (eventuellen) schlechten Saisonstart auch ganz schnell nach unten gehen kann… Der MSV, die Wundertüte, erwartet eine Wundertüten-Saison, in der alles möglich ist.

FOTO: André Ellies

   
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