Saisonvorschau Hallescher FC: Die Hoffnung auf das Kollektiv

Bevor die 3. Liga am Freitag, den 19. Juli, in die neue Saison startet, blickt liga3-online.de auf die 20 Drittligisten und schätzt die Chancen der Teams ein. In der heutigen Ausgabe werfen wir einen Blick auf den Halleschen FC. Die Saalestädter feierten in der vergangenen Saison nach 20 Jahren die Rückkehr in den Profifußball und wussten zu begeistern. Nicht nur das leidenschaftliche Publikum der Hallenser, sondern auch die Liga war überrascht von der Euphorie, die sich rund um den HFC entwickelte und den Club nach kurzen Siegesserien zum Anfang und zum Ende der Saison zur festen Größe in der 3. Liga emporhob. Auch nach einer zwischenzeitlichen Durststrecke vor der Winterpause zahlte sich die Konstanz des Vereins in der Zusammenarbeit mit Cheftrainer Sven Köhler aus, zudem bewies die sportliche Leitung des Vereins in der Winterpause das beste Transfergespür, sodass der HFC in der Rückrundentabelle einen mehr als respektablen 8. Platz belegte und, insgesamt als Tabellenzehnter, bereits kurz nach der Winterpause für die kommende Saison in der 3. Liga planen konnte. Einziger Wehrmutstropfen war, wie bei so vielen Drittligisten in der Saison 12/13, die verpasste Qualifikation für den DFB-Pokal, nachdem man im Halbfinale des Landespokals von Halberstadt geschlagen wurde.

Transfers

Neuzugänge:

  • Akaki Gogia (VfL Wolfsburg)
  • Daniel Ziebig (Energie Cottbus)
  • Dominik Kisiel (Berliner AK 07)
  • Niklas Brandt (Berliner AK 07)
  • Marcel Baude (Chemnitzer FC)
  • Tony Schmidt (VFC Plauen)
  • Adli Lachheb (MSV Duisburg)
  • Marcel Franke (Dynamo Dresden)
  • Florian Brüggmann (VfL Bochum)
  • Pierre Kleinheider (FSV Frankfurt)
  • Sören Bertram (VfL Bochum, geliehen)
  • Pierre Merkel (Eintracht Braunschweig)
  • Robert Schick (FSV Frankfurt, geliehen)

Abgänge

  • Dennis Mast (Karlsruher SC)
  • Marco Hartmann (Dynamo Dresden)
  • Jan Benes (Unbekannt)
  • Michael Preuß (SSV Markranstädt)
  • Dennis Carl (Wacker Nordhausen)
  • Angelo Hauk (Wacker Burghausen)
  • Jürgen Rittenauer (Unbekannt)
  • Steven Ruprecht (Hansa Rostock)
  • Sören Eismann (Carl Zeiss Jena)
  • Nico Kanitz (VfB IMO Merseburg)
  • Darko Horvat (Karriereende)
  • Erich Sautner (SC Freiburg, war ausgeliehen)
  • Timo Furuholm (Fortuna Düsseldorf, war ausgeliehen)
  • Toni Leistner (Dynamo Dresden, war ausgeliehen)

Bisherige Testspiele

Der HFC ein ausgewogenes Testprogramm aus nieder- und höherklassigen Gegnern, welches in seinen Ergebnissen aber wenig Aussagekraft für die kommende Saison hatte, oder gar haben sollte, denn die neuformierte Mannschaft von Sven Köhler verlor die Spiele gegen die klassenhöheren Erzgebirge Aue (0:2) und Esbjerg FB (1:2) und dominierte auch gegen die niederklassigen Lok Leipzig (3:0) und VfB Auerbach (2:0) nur bedingt. Eine Auswahl der hallischen Martin-Luther-Universität wurde gar nur knapp mit 1:0 besiegt, allerdings fand dieses Spiel unmittelbar nach dem Trainingsauftakt statt. Überzeugen konnte man nur beim 3:1 gegen den dänischen Erstligaaufsteiger Vestsjaelland, der mit 3:1 verabschiedet wurde.

Voraussichtliche Startelf

Kisiel wird aller Voraussicht nach das schwere Erbe von Torhüterlegende Darko Horvat übernehmen. Davor postieren sich in der Viererkette allesamt Spieler, die nicht länger als eine Halbserie beim HFC verbracht haben, Alternativen sind Brüggmann rechts oder auch der wieder genesene Publikumsliebling Patrick Mouaya. Im Mittelfeld wird wohl Niklas Brandt den Platz neben Kapitän Maik Wagefeld erhalten, im Angriff postiert sich ebenfalls eine völlig neue Formation, von der nur Toni Lindenhahn Erfahrungen im rot-weißen Trikot aufweist, von Björn Ziegenbein erwartet Sven Köhler einen Angriff auf die Startelf.

Wichtigster Spieler

Dominik Kisiel, denn in all den Jahren war es sein Vorgänger Darko Horvat, der, auch bei einer noch so schlechten Leistung der Mannschaft, den HFC im Spiel hielt und auch gerne so manchen Elfmeter entschärfte. Sein Erbe anzutreten, könnte schwieriger nicht sein und wenn der HFC ein Torwartproblem bekommt, könnte es kritisch werden an der Saale.

Stärken

Aufstieg vor RB Leipzig und Kiel, Drittligaauftakt bravourös gemeistert, sicherer Klassenerhalt nach Niederlagenserie – der HFC ist immer gut für ein Märchen. Selbst mit dem Goalgetter Timo Furuholm wurde die Mannschaft chronisch unterschätzt, nun ist sie nach ihrer Wechselwelle im Sommer erneut unberechenbar, was sie extrem gefährlich macht. Der Mannschaft mangelt es nach wie vor an etwaigen Stars, sie lebt von Überraschungen und davon, dass jeder der auf dem Papier eher durchschnittlich talentierten Spieler Spiel für Spiel über seinem Niveau arbeitet. Trainer und Motivator Sven Köhler und die leidenschaftlichen Fans schafften es bisher, genau das aus der Mannschaft heraus zu kitzeln.

Schwächen

Die Mannschaft muss sich nach den vielen Transfers erst wieder finden. Institutionen wie Darko Horvat oder Nico Kanitz haben den Verein verlassen, übrig bleibt, neben Daniel Ziebig und Maik Wagefeld, eine Mannschaft ohne klare Strukturen, die sich erst definieren muss. Dabei lastet ein besonderer Druck auf Kisiel und den Offensivneuzugängen um Bertram, Gogia und Merkel, denn sie müssen Spieler wie Horvat, Goalgetter Furuholm oder Toptalent Dennis Mast ersetzen. Selbst Rückkehrer Adli Lachheb trifft auf eine veränderte Mannschaft als zu seiner Zeit und muss sich erst einfinden. Bei einem Auftaktprogramm gegen Leipzig, Erfurt und Wiesbaden darf das gleichsam nicht zu lange dauern.

Trainer

Sven Köhler geht in sein 7. Jahr beim HFC und ist trotz einer eher unauffälligen Arbeitsweise die wichtigste Persönlichkeit im Verein. Seine Philosophie vom Fußball führt, wie oben bereits erwähnt, dazu, dass die Spieler des HFC seit Jahren über dem Limit ihrer tatsächlichen Leistungsfähigkeit spielen. Die geflügelte Phrase, dass ein Trainer die Spieler „jeden Tag ein bisschen besser“ machen müsse, trifft auf Köhler absolut zu. Dafür wird er respektiert und kann dadurch meist auf diszipliniertes Arbeiten seiner Spieler zählen.

Prognose

Wie andere Vereine in der 3. Liga musste sich auch der HFC einer Umstrukturierung seiner ersten Mannschaft unterziehen, wichtige Spieler verließen den Verein, interessante, aber schwer einschätzbare neue Spieler sollen ihre Rollen einnehmen. Da eine Prognose abzugeben fällt schwer, denn misslingt es der Mannschaft, sich einzuspielen und einen gemeinsamen Strang zu finden, gibt es in Halle keine Einzelspieler, die diese Misere abwenden können. Der HFC setzt mutig auf ein bisher unvollendetes Kollektiv, könnte aber durchaus im Recht sein, denn die Erfahrung hat gezeigt, dass die Saalestädter mit dieser Taktik unter Sven Köhler gut gefahren sind. Geht es diesmal schief ist selbst der Abstieg keine Utopie, findet sich die Hallenser Mannschaft dürfte man den sicheren Mittelfeldplatz der Vorsaison problemlos wiederholen können.

FOTO: Flohre Fotografie

   
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