Saisonvorschau CFC: Mit einem starken Kader zum Aufstieg?

Bevor die 3. Liga am 29. Juli in die neue Saison startet, blickt liga3-online.de auf die 20 Drittligisten und schätzt die Chancen der Teams ein. In der heutigen Ausgabe werfen wir einen Blick auf den Chemnitzer FC.

So lief die Vorbereitung

Im Gegensatz zu den letzten beiden Spielzeiten hat der CFC in diesem Jahr auf eine Vorbereitung gänzlich in heimischen Gefilden gesetzt. Nach Trainingslagern in Kärnten (2014/15) und Oberösterreich (2015/16) war in diesem Jahr die brandenburgische Uckermark Schauplatz des Sommercamps der Himmelblauen. Im Seehotel Templin versammelte Trainer Sven Köhler seine neue Mannschaft, verpasste ihr den nötigen Feinschliff und schwörte das Team für die kommenden Aufgaben ein. Auch das erste echte Testspiel (zuvor bestritt der CFC ein Spiel gegen eine Fanauswahl) gegen Victoria Berlin (Regionalliga Nordost) wurde in Brandenburg absolviert (1:1). Dem Aufgalopp folgten weitere Vorbereitungsspiele, deren Ergebnisse einen ersten Überblick über das Leistungsvermögen ermöglichen. Absteiger Energie Cottbus (3:0) wurde klar besiegt, der tschechische Erstligist Bohemians Prag (2:1) ebenfalls bezwungen. Gegen die beiden Regionalligisten Oberlausitz Neugersdorf (2:2) und Berliner FC Dynamo (1:3) zeigte das Team noch Schwächen. Schützenfeste feierte der CFC gegen die unterklassigen Teams Möhnesee (11:1) und Tirol Dittmannsdorf (10:0) – Aussagekraft dieser beiden Partien gleich Null.

Die Transferperiode

Zugänge Abgänge
Florian Hansch* (Budissa Bautzen) Marc Hensel (unbekannt)
Danny Breitfelder (Chemnitz U19) Matti Steinmann* (Hamburger SV)
Emmanuel Mbende (Birmingham City) Jan Klauke (unbekannt)
Björn Jopek (Arminia Bielefeld) Nils Röseler (VVV Venlo)
Dennis Mast* (Arminia Bielefeld) Marius Gersbeck* (Hertha BSC)
Julius Reinhardt (1. FC Heidenheim) Alexander Nandzik (SSV Jahn Regensburg)
Mario Rodríguez* (Dynamo Dresden) Ronny König (FSV Zwickau)
Dennis Grote (MSV Duisburg) Marcel Kaffenberger (Sportfreunde Lotte)

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Wer soll noch kommen?

Sportdirektor Stephan Beutel macht keinen Hehl daraus, dass noch ein dritter Torhüter unter Vertrag genommen werden soll. Ansonsten scheint der Verein nahezu alle Wunschspieler verpflichtet zu haben. Allerdings ist es durchaus vorstellbar, dass die Himmelblauen auf dem Transfermarkt nochmals aktiv werden, denn auf den Außenverteidigerpositionen ist der CFC noch nicht perfekt besetzt.

Auf diesen Spieler sollte man achten:

Ohne Frage wird Anton Fink erneut im Mittelpunkt stehen. Der Torjäger ist in der 3. Liga das Nonplusultra. Neben ihm dürfte besonders Rückkehrer Julius Reinhardt im Fokus stehen. Der gebürtige Chemnitzer hat den Verein vor sechs Jahren verlassen und sich in der Zwischenzeit reichlich Meriten verdient (Zweitliga-Aufstieg Braunschweig & Heidenheim). Auch Daniel Frahn ist viel zuzutrauen. Der Winter-Neuzugang ist einer der gefährlichsten Drittliga-Stürmer.

Stärken & Schwächen:

Die Offensive ist Trumpf! Anton Fink erzielte in einer für den CFC wenig erbaulichen Spielzeit 2015/16 in 35 Spielen beachtliche 15 Tore. Daniel Frahn steuerte in 15 Spielen 8 Tore bei. Tim Danneberg (6 Tore) und Philip Türpitz (4 Tore) bewiesen ebenfalls Treffsicherheit. Dafür haperte es zuletzt in der Defensive. In der Saison 2014/15 ließ diese nur 36 Treffer zu, ein Jahr später standen 46 Gegentore zu Buche. Mit Alexander Bittroff lotste der CFC im letzten Winter einen starken Außenverteidiger nach Chemnitz. Der Ex-FSV-Frankfurter hielt auf links den Laden dicht. Nun muss der bundesligaerfahrene Bittroff auf der rechten Außenverteidigerposition für Tom Scheffel (Kreuzbandriss) ran. Für ihn besetzt Dennis Grote die linke Außenbahn. Der Ex-Duisburger ist zuletzt aber eher als Offensivspieler in Erscheinung getreten. Ob er den Defensivpart beherrscht, bleibt abzuwarten. Allerdings kann der gebürtige Kaiserslauterer auf entsprechende Erfahrung aus seiner Zeit in Bochum verweisen (2005-2011).

Die Erwartungen der Fans:

Der vom Verein prognostizierte Besucherschnitt liegt bei stolzen 7.500 Zuschauern. Im neuen Stadion scheint dies durchaus realistisch. Allerdings gilt das hiesige Publikum als konservativ, abwartend. Die Anspruchshaltung ist nicht zuletzt aufgrund der prominenten Neuzugänge, des neuen Stadions und der Professionalisierung vereinsinterner Strukturen deutlich gestiegen. Eine Saison im grauen Mittelmaß werden die Fans nicht hinnehmen. Zu groß ist die regionale Konkurrenz. Vor allem den neutralen Stadionbesucher gilt es für den CFC zu gewinnen. Nur durch diesen kann der Verein den angestrebten Zuschauerschnitt erreichen. Doch Vorsicht! Immerhin konkurriert der CFC innerhalb eines Radius von 100 Kilometern mit einem Erstligisten (RB Leipzig) und zwei Zweitligisten (Erzgebirge Aue/Dynamo Dresden) um die Gunst der Fußballfans.

Fazit & Prognose:

Betrachtet man den sportlichen Werdegang der vorigen Saison, scheint der Aufstieg als sportliches Ziel vermessen. Zu lange stand der CFC im Abstiegskampf. Nur der überfällige Trainerwechsel konnte den Verein letztendlich vor Schlimmerem bewahren. Allerdings war der Verein auch mit deutlich höheren Ambitionen in die Saison gegangen, galt sogar als Mitfavorit um den Aufstieg. Das spielerische Personal war vorhanden, wurde mit Wintertransfers wie Daniel Frahn oder Alexander Bittroff sogar noch qualitativ verstärkt. "Die Mannschaft ist jetzt so aufgestellt, dass sie im kommenden Sommer nur punktuell verändert werden muss“, sagte Stephan Beutel im Februar dieses Jahres. Björn Joppek, Julius Reinhardt, Dennis Mast und Dennis Grote sind mehr als punktuelle Verstärkungen. Wenngleich das zu erwartende Gerangel um die Stammplätze die Mannschaft lähmen kann (und vielleicht auch wird) ist der Kader qualitativ stark besetzt. Viele Drittligisten würden sich freuen, wenn sie solch ein spielerisches Personal in ihren Reihen wüssten. Der CFC darf sich also nicht beschweren, wenn er neben den Absteigern MSV Duisburg und SC Paderborn sowie Holstein Kiel als Aufstiegsfavorit gilt. Dieser Rolle muss der CFC auch gerecht werden.

 

 
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