Saisonvorschau Bremen II: Kohfeldts schwere Mission

Bevor die 3. Liga am 29. Juli in die neue Saison startet, wirft liga3-online einen Blick auf das Teilnehmerfeld: 20 Drittligisten gehen mit Chancen, Risiken und Erwartungen in die neunte Auflage der eingleisigen Drittklassigkeit. Wir schätzen die Möglichkeiten und Gefahren der Teams ein. In diesem Text schauen wir auf Werder Bremen II.

So lief die Vorbereitung

Neun Testspiele hat Werder Bremen II in dieser Vorbereitung absolviert, darunter waren Spiele mit nur geringem Erkenntniswert und auch echte Gradmesser. Dass sich das auch in den durchwachsenen Resultaten widerspiegelt, ist für eine so junge Mannschaft nicht ungewöhnlich. In einigen Tests gegen unterklassige Teams wie die U23 des TuS Pewsum (Kreisklasse B) tat sich Werder erschreckend schwer, in diesem Fall reichte es nur zu einem torlosen Remis. Anders sah das in den vermeintlichen Härtetests aus, da war die Mannschaft von Trainer Florian Kohfeldt meist auf der Höhe. Gegen den SV Meppen gewann Bremen zu Beginn der Vorbereitung mit 1:0, im Duell mit dem polnischen Erstligisten Korona Kielce (2:4) war man zumindest auf Augenhöhe und im letzten Test gegen Alemannia Aachen sorgten Tore von Leon Jensen und Idrissa Touré für einen 2:1-Erfolg.

Transferperiode

Zugänge Abgänge
Lars Brünning (Werder Bremen U19) Mohamed Aidara (Ziel unbekannt)
Mattis Daube (Werder Bremen U19) Enis Bytyqi (Würzburger Kickers)
Melvin Krol (Werder Bremen U19) Muhamet Cakolli (Ziel unbekannt)
Jonah Osabutey (Werder Bremen U19) Abdullah Dogan (BSV SW Rehden)
Jannes Vollert (Werder Bremen U19) Maurice Hehne (Hannover 96 II)
Isaiah Young (Werder Bremen U19) Sefa Kahraman (Ziel unbekannt)
Dennis Rosin (FC St. Pauli) Tom Pachulski (ZFC Meuselwitz)
Dario Thürkauf (FC Basel II) Torben Rehfeldt (VfR Aalen)
Idrissa Touré (Schalke 04 II) Björn Rother (1. FC Magdeburg)
Marco Kaffenberger (Stuttgarter Kickers) Luca Zander (FC St. Pauli)   

Bewertung der Transfers / Wer soll noch kommen?

Bremen hat sich wie üblich bei den externen Neuzugängen zurückgehalten, in diesem Jahr sind es vier Neue geworden, von denen Dennis Rosin (FC St. Pauli) mit 21 schon der älteste ist. Rosin, der in der letzten Saison drei Spiele in der zweiten Liga machte, ist ein technisch beschlagener Mittelfeldspieler, der sich einen Stammplatz sichern dürfte. Gleiches gilt für Idrissa Touré (Schalke II), wenn es dem 19-Jährigen gelingt, sich rein auf das Sportliche zu konzentrieren. Im März 2016 debütierte er für RB Leipzig in Liga zwei, dann ging es bergab. Unpünktlichkeit und falsche Kleidung – Touré benahm sich nicht so, wie man es sich in Leipzig von Nachwuchsspielern wünschte, seine Zeit dort endete, bevor sie überhaupt richtig begann. Bei Schalkes Reserve gehörte er in der Rückrunde 2016/17 zum Stamm, konnte den Abstieg in die Oberliga aber nicht verhindern. Marco Kaffenberger (Stuttgarter Kickers) hat gute Chancen auf einen Platz in der Innenverteidigung, Dario Thürkauf (Basel II) hofft auf den Platz zwischen den Pfosten. Dazu kommen, wie eigentlich immer in Bremen, zahlreiche talentierte Youngster aus dem eigenen Nachwuchs. Sie heißen Lars Brünning, Melvin Krol, Mattis Daube, Jonah Osabutey, Jannes Vollert und Isaiah Young und sollen allesamt langsam an den Profifußball herangeführt werden.

Auf diesen Spieler sollte man achten: Jesper Verlaat

Aus Bremens Kader stechen derzeit drei Youngster mit ganz unterschiedlichen Stärken und Schwächen heraus: Jesper Verlaat, Niklas Schmidt und Johannes Eggestein. Sie alle haben das Potential, um in den nächsten Jahre zumindest dauerhaftes Mitglied des Profikaders zu werden und doch ist es mit Verlaat auf den ersten Blick der Unauffälligste von ihnen, der diesem Ziel bereits ganz nahe ist. Er absolvierte nicht nur die komplette Vorbereitung oben mit, sondern erledigte seinen Job auch in den Testspielen meist souverän. Zwar fehlt es ihm noch an Dynamik, doch das macht der 21-Jährige mit Auge und Antizipation wett. Noch wünscht sich Bremens Trainer Alexander Nouri für seine Bundesliga-Mannschaft einen jungen Innenverteidiger mit Perspektive. Bekommt er den nicht, dürfte Verlaat, dessen Vater Frank einst ebenfalls Verteidiger bei Werder war, schon jetzt zu den Profis aufrücken.

AufstellungBremen

Stärken und Schwächen

Für Kohfeldt und seine Mitstreiter Björn Schierenbeck (Nachwuchsdirektor) und Thomas Wolter (Sportlicher Leiter des Nachwuchsleistungszentrums) war es auch in diesem Jahr nicht leicht, eine drittliga-taugliche Mannschaft aufzubauen. Die Ausbildung und Förderung der eigenen Talente ist dem Verein auch in diesem Jahr wichtiger als das Erreichen eines bestimmten Platzes. Und so verzichtete Bremen darauf, einen Routinier zu verpflichten. Deshalb wird es noch mehr als zuletzt schon auf die Ansprache und Führung der Routiniers Tobias Duffner, Marc Pfitzner und Rafael Kazior ankommen. Spielerisch wird die junge Mannschaft keine Probleme bekommen, die könnte dagegen die Umstellung auf das körperbetonte Spiel in Liga drei mit sich bringen. Als problematisch könnte sich herausstellen, dass Kohfeldt bei einigen Spielern, die zwischen erster und zweiter Mannschaft stehen, noch nicht weiß, ob er mit ihnen planen kann. Paradebeispiele dafür sind, wie oben angedeutet, Jesper Verlaat, Johannes Eggestein und Niklas Schmidt.

Die Erwartungen der Fans

Als einzige Reservemannschaft in der Liga hat Bremen eine Ausnahmestellung. Das gilt auch für die Unterstützung durch die Fans, die nicht bei allen Spielen gegeben sein wird. Wenn etwa die Bundesliga-Mannschaft zeitgleich spielt, wird Bremen II wohl ohne Fangesänge auskommen müssen. Im Umkehrschluss sind aber auch in Krisenzeiten keine Unstimmigkeiten mit dem Anhang zu erwarten – es bleibt eine Frage des Blickwinkels.

Fazit & Prognose

Bremen wird eine erfolgreiche Saison spielen – nach ganz eigenen Kriterien. Etliche Spieler werden sich näher an der Profikader herankämpfen, Verlaat und Eggestein könnten schon während der Saison dauerhaft aufrücken. Spannend wird zu beobachten sein, wie Bremen damit umgeht, dass Trainer Kohfeldt in diesem Jahr seltener als zuvor auf Verstärkung aus dem Bundesliga-Kader wird bauen können. Springer zwischen beiden Teams, wie es zuletzt etwa Ousmane Manneh oder Sambou Yatabaré waren, sollen mehrheitlich ausgeliehen oder gleich verkauft werden. Zudem muss Werder II den Verlust der Stammspieler Luca Zander (FC St. Pauli), Torben Rehfeldt (VfR Aalen) und Björn Rother (1. FC Magdeburg) verkraften. Nicht zuletzt deshalb ist zu erwarten, dass sich Bremen – ähnlich wie in der letzten Spielzeit – bis zum Ende mit einem möglichen Abstieg auseinandersetzen muss.

   
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