Rolfsen: ,,VfL hat in der Vergangenheit von der Hoffnung gelebt"

Am Sonntag steht den rund 1300 stimmberechtigten Mitgliedern der zweite Teil der diesjährigen Jahreshauptversammlung beim VfL Osnabrück bevor. Ab 11 Uhr wird über die zukünftige Struktur und das neue Präsidium der Lila-Weißen abgestimmt werden. Die Mitgliederinitiative "NfdV" stellte in der Vergangenheit immer wieder kritische Fragen, welche letztendlich zu einigen Veränderungen und einer positiven Streitkultur innerhalb der Anhängerschaft geführt haben. liga3-online.de sprach mit Ludger Rolfsen, der aus Kreisen von "NfdV" für das Präsidentenamt vorgeschlagen wurde und in den letzten Wochen maßgeblich an der Ausarbeitung eines zukunftsfähigen Konzeptes beteiligt war.

liga3-online.de: Herr Rolfsen, wie haben Sie die letzten Wochen als Präsidentschaftskandidat für eine Vereinslösung erlebt?

Im Grunde genommen war es ein Prozess, der sich aus einer Vereinslösung weiterentwickelt hat in eine modifizierte Form der Ausgliederung. Es hat diese Entwicklung aufgrund des hohen Drucks auf die Finanzen gegeben, sodass zwingend kurzfristig eine Lösung gefunden werden musste, wo ein Millionenbetrag an Liquidität in den VfL gebracht werden kann und das ist unter den derzeitigen Rahmenbedingungen nur die Ausgliederung.

Welche positiven oder auch negativen Reaktionen haben Sie aus den Gremien des Vereins nach Ihrer Vorstellung erhalten? Viele dürften überrascht gewesen sein, dass jemand Verantwortung für die von der Opposition befürwortete Variante übernehmen möchte.

Von der Vereinsseite habe ich so gut wie kein Feedback bekommen. Ich hatte klar den Wunsch geäußert mit verschiedenen Gremien des Vereins zu sprechen, dazu ist es aber leider nicht gekommen.

Haben Sie den Eindruck, dass es mit der momentan angestrebten Lösung zu einem „Neuanfang“ kommt oder es doch eher ein „Weiter so“ beim VfL geben wird?

Ich denke es ist eine Lösung, weil sie primär das finanzielle Problem beheben hilft. Es ist aber nicht die beste Lösung, weil größere Gruppen innerhalb des Vereins diesen Schritt nicht wirklich mitgehen und das ist bei einem solch einmaligen Vorgang sehr bedauerlich. Und ich glaube auch, dass ein Impuls aus dem Verein heraus wichtig wäre um sich weiterzuentwickeln – zum Beispiel die Fans in die neue Struktur hinein mitzunehmen. Es ist sehr schade festzustellen, dass es nicht möglich war eine wirkliche Beteiligung in der Geschäftsstelle zu erwirken.

Aus welchen Gründen ist die von Ihnen zuerst bevorzugte Erhaltung des eingetragenen Vereins gescheitert? 

Im Wesentlichen ausschließlich daran, dass in der Vereinsvariante kurzfristig keine notwendigen Millionenbeträge zu mobilisieren waren. Einzig und allein die Stadt ist in der Lage, dies zu tun und hat sich einseitig für die Ausgliederungsvariante entschieden. Das Jugendleistungszentrum halte ich persönlich für die größte Errungenschaft, die der Verein in der letzten Zeit für sich verbuchen konnte. Eine Einrichtung mit Vorbildcharakter, die natürlich Geld kostet – die aber perspektivisch den Verein einiges an Vorteilen bringt. Unter dem Diktat der aktuellen Not mag das interessant sein auch über solche Dinge nachzudenken, aber es sollte das allerletzte Mittel sein Hand an so eine wichtige Einrichtung anzulegen.

Die Mitglieder werden am Sonntag entscheiden

Bei vielen Fans und Mitgliedern ist das Vertrauen zu den aktuell handelnden Personen verloren gegangen, eine gewisse Zerrissenheit innerhalb der Anhängerschaft ist zu verspüren. Worin sehen die Gründe dafür und Ansätze, diese Problematik zu beheben?

Ich denke das Problem ist sicherlich auf beiden Seiten zu suchen, das muss man ganz klar selbstkritisch sagen. Auf der einen Seite steht ein Präsidium, dass von sich aus es nicht zugelassen hat, dass in die Interna des Vereins hineingeschaut wird und Veränderungen an den Stellen stattfinden, wo offensichtlich Fehler passieren. Auf der anderen Seite muss man natürlich auch sagen, dass eine Opposition auch in der Lage sein muss sich so zu artikulieren, dass man Ernst genommen werden kann, was mitunter nicht immer der Fall war. Wobei ich einschränkend dazu sagen muss, dass sich NfdV und auch die Ultras gerade in den letzten 4 -6 Wochen seriös und konstruktiv verhalten und jeden Grund geboten haben, das Gespräch aktiv zu suchen und die Hürden zwischen den Fronten weiter abzubauen. Dass es dann trotzdem nicht passiert ist, finde ich besonders bedauerlich, weil dies eigentlich zeigt, dass möglicherweise von der anderen Seite von vornherein gar kein Interesse bestanden hat.

Sie haben der Mitgliederinitiative „NfdV (Nur für diesen Verein)“ ein Gesicht gegeben und an einem Konzept mit vielen neuen Ideen und Vorschlägen zur Rettung des VfL mitgearbeitet welches gestern im Rahmen eines Treffens präsentiert wurde und dem zukünftigen Präsidium zur Verfügung gestellt werden soll. Können sie kurz näher den Inhalt beschreiben und aufzeigen, auf welche derzeitigen Problemstellen die Lösungsansätze eingehen?

Eine hohe Medienpräsenz wird am Sonntag gegeben sein

Der VfL Osnabrück hat im Wesentlichen 3 Probleme. Das erste Problem ist, dass das Marketing des Vereins deutlich verbessert werden kann. Ganze Personengruppen, die in Reichweite des VfL stehen, werden überhaupt nicht erfasst. Das Produkt „VfL“ wird nicht ideal vermarktet. Das vorgestellte Konzept war dazu gedacht auf der Marketingseite Impulse zu geben, Mehreinnahmen zu generieren, den VfL als Produkt wieder zu platzieren und auch den regionalen Charakter des Vereins zu intensivieren, sodass auch dort neue Fans gewonnen werden. Das zweite Problem ist das unterentwickelte Controlling, weil mir alleine schon aus den letzten Wochen sehr objektiv nachprüfbare Missstände offenkundig geworden sind , die einem Internen längst bekannt sein müssten – doch es gibt keine Maßnahmen dagegen. Das dritte Problem sehe ich daran,  dass es nicht gelingt den Verein auf breiter Front überzeugend in die neue Struktur mitzunehmen. Ein Verein wie der VfL lebt von den Emotionen, den Fans und den Geschichten, die im Stadion erzählt werden. Wenn das gelingt, dann ist es auch eine Hypothek für die Zukunft.

Der VfL steht zweifelsohne finanziell am Abgrund und erhält durch das geplante Rettungspaket der Stadt Osnabrück eine letzte Überlebenschance. Was muss Ihrer Meinung nach kurzfristig und mittelfristig passieren, damit der Verein wieder in eine bessere Zukunft blicken kann?

Die Zeitspanne, die der Verein hat, um wirtschaftlicher zu werden ist aufgrund der Umstände sehr kurz. Man hat keinen Zeitraum von zwei oder drei Jahren, um etwas zu erreichen. Es macht Sinn in den nächsten 6-12 Monaten nachhaltige Effekte zu erzielen, die schon andeuten, dass ein erhebliches Potential gehoben wurde. Ich sehe gerade in den Bereichen Merchandising und Catering kurzfristig Verbesserungspotential, wo man bis Mitte nächsten Jahres durchaus auch Beträge im sechsstelligen Bereich erzielen kann.

Sehen Sie es als Fehler an, dass in den letzten Jahren oftmals wenige Konsequenzen aus den unbefriedigenden Situationen gezogen wurden und kommt das derzeitige Bestreben  nach einem Neuanfang nun zu spät?

Ich halte es definitiv für einen Fehler, dass nicht reagiert wurde. Ich glaube aber auch, dass es noch nicht zu spät für einen Neuanfang ist, man es sich aber unnötig schwer gemacht hat, weil man in der Vergangenheit nur von der Hoffnung gelebt und nicht die nötigen Anpassungsmaßnahmen getroffen hat.

In der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ konnte man in den vergangenen Tagen lesen, dass intern über eine mögliche Einbindung ihrer Person in eine neue Geschäftsführung nachgedacht wird. Können Sie dazu etwas sagen und würden Sie sich einer solchen Aufgabe annehmen wollen?

Grundsätzlich stimmt das und es ist auch das Ziel von NfdV jemanden in den inneren Kreis des VfL Osnabrück hineinzubekommen, um eben mitzugestalten, mitzuwirken und das Potential von NfdV mit einzubringen. Zudem habe ich vor Kurzem einen Antrag für die kommende Jahreshauptversammlung gestellt, dass der Verein in der Zwischenzeit vom 10.12.2012 bis zum 30.06.2013 durch einen oder zwei hauptamtlich bestellte Vorstände oder Geschäftsführer geführt werden soll. Zurzeit wird über eine Möglichkeit nachgedacht.

Vielleicht noch ein kurzes Statement zum sportlichen Erfolg der Mannschaft von „Pele“ Wollitz in dieser Hinrunde. Was ist diese Saison alles möglich und wie wichtig wäre die Rückkehr in die 2. Bundesliga für die Konsolidierung des  VfL?

Die sportliche Entwicklung ist sehr erfreulich. Die Mannschaft funktioniert, sie scheint einen sehr guten Zusammenhalt zu haben und sie wirkt sehr konstant. Vor allem Herr Wollitz ist dafür verantwortlich, dass die sportliche Entwicklung so positiv verlaufen ist. Ich denke, wenn sowohl die sportliche als auch die kaufmännische Fraktion zusammenhalten ist die Zukunft des VfL durchaus gesichert, auch mit der Möglichkeit in der zweiten Liga zu bestehen.

FOTOS: Flohre Fotografie

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