Rizzuto im Interview: "Wenn 3. Liga, dann nur 1. FC Saarbrücken"

Im Interview mit liga3-online.de spricht Calogero Rizzuto, jüngster Neuzugang des 1. FC Saarbrücken, über seinen Schnellstart vom vereinslosen Profi zum Startelfdebüt innerhalb weniger Tage, das bevorstehende Derby in Mannheim und den Staub auf seiner Scorer-Anzeige.

"Stein vom Herzen gefallen"

liga3-online.de: Von Ihrer Unterschrift beim 1. FC Saarbrücken bis zu Ihrem Startelfeinsatz bei der U23 des SC Freiburg sind nur wenige Tage vergangen. Wundern Sie sich, wie schnell es manchmal gehen kann, Herr Rizzuto?

Calogero Rizzuto: Im Fußball kann es sehr schnell nach oben gehen, aber genauso zügig auch nach unten. Manchmal wundert man sich aber schon, wie schnelllebig dieser Sport ist. Innerhalb weniger Tage kam es zunächst zu einem ersten Gespräch mit den Verantwortlichen, dann zur Unterschrift und schließlich zum Startelfeinsatz. Trainer Uwe Koschinat hatte mir aber von Beginn an signalisiert, dass er direkt auf mich setzten will.

Wie haben Sie die letzten beiden Monate erlebt, als Sie ohne Verein waren?

Für einen Spieler ist es eine extrem schwierige Situation. Ich muss gestehen, dass ich zu Beginn nicht so recht wusste, wie ich damit umgehen soll. Schließlich hatte ich eine solche Konstellation noch nicht erlebt. Aber mir war klar, dass sich irgendwann eine neue Chance ergeben würde. Als dann der Anruf aus Saarbrücken kam, ist mir ein Stein vom Herzen gefallen.

Wie haben Sie sich in dieser Zeit fit gehalten und vor allem auch selbst motiviert?

Für mich war eines von vorne herein klar: Mich mit einem Bierbauch zu präsentieren, ist nicht mein Ding. Von daher bin ich in den ersten Wochen sehr viel gelaufen, um meine Ausdauer aufrecht zu halten. Mit der Zeit hat mir aber die Abwechslung gefehlt und ich sehnte mich nach einem Ball an meinem Fuß. Deswegen habe ich gemeinsam mit Saarbrückens Athletiktrainer Christoph Fuhr, den ich noch aus der Schulzeit kenne, an meiner Fitness gearbeitet und mich zusätzlich bei unterklassigen Vereinen fitgehalten.

Für den F.C. Hansa Rostock und den FC Erzgebirge Aue haben Sie nicht weniger als 162 Zweitliga-Spiele absolviert. Warum hat es so lange gedauert, bis Sie einen neuen Verein gefunden haben?

Es gab die eine oder andere Anfrage – auch aus dem Ausland. Allerdings nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe. Zum Beispiel hatte ich die Möglichkeit, zum moldawischen Europa League-Teilnehmer FC Sheriff Tiraspol zu wechseln. Mit einer schwangeren Frau und einer kleinen Tochter gibt es dann aber andere Prioritäten, als sich einem Klub in der Nähe des Kriegsgeschehens rund um den Ukraine-Konflikt anzuschließen.

 

"Rückkehr in die Heimat"

Warum ist Ihre Entscheidung auf den 1. FC Saarbrücken gefallen?

In erster Linie ist es für mich auch eine Rückkehr in die Heimat. Für mich war von Beginn an klar, dass wenn ich in die 3. Liga wechsle, dann nur der 1. FC Saarbrücken infrage kommt. Der FCS ist ein ambitionierter Verein. Mit der Strahlkraft des Vereins kann es langfristig nur ein Ziel geben: die Rückkehr in die 2. Bundesliga. Diese Ziele decken sich auch mit meinen Vorstellungen. Außerdem habe ich unter anderem schon mit Steven Zellner, Tobias Schwede und Sebastian Jacob in früheren Stationen zusammengespielt. Das hat sicherlich auch dazu beigetragen, dass mir der Entschluss so leichtgefallen ist.

Sie haben schon in der Jugend für den FCS-Nachwuchs gekickt. Hat es sich wie eine Reise zurück zu Vergangenheit angefühlt?

In der Tat. Auf dem FC-Sportfeld, wo wir mit der Mannschaft trainieren, haben wir damals mit der U17 in der B-Junioren Bundesliga gespielt. Als ich das Feld zum ersten Mal nach so vielen Jahren wieder betreten habe, kamen einige Erinnerungen und Flashbacks zurück. Es war eine schöne und vor allem auch erfolgreiche Zeit in der Jugendabteilung des FCS.

Wie bewerten Sie Ihr Debüt bei der U23 des SC Freiburg?

Erst einmal war es ein tolles Gefühl, wieder vor Freunden und der Familie im Einsatz zu sein. Rostock war ja doch etwas weiter entfernt, sodass nur selten Angehörige von mir bei den Spielen dabei waren. Dadurch, dass ich gerade einmal drei Trainingseinheiten mit der Mannschaft hatte, denke ich, dass es eine ordentliche Leistung war. Ein Sieg wäre mir aber deutlich lieber gewesen. Ich habe hohe Erwartungshaltung an mich selbst und weiß, dass da noch viel Luft nach oben ist.

Nun wartet für Sie ein erster Höhepunkt. Das Südwest-Derby beim SV Waldhof Mannheim steht auf dem Programm. Was für ein Duell erwarten Sie?

Ich gehe davon aus, dass die Hütte in Mannheim voll sein wird und rechne mit einer hitzigen Atmosphäre. Aber egal, wie das ganze Drumherum aussieht, unser Ziel ist klar: Wir wollen die drei Punkte mit nach Saarbücken nehmen.

Wie aussagekräftig ist die jüngste 0:5 Niederlage der Mannheimer beim VfL Osnabrück für das eigene Spiel?

Für Mannheim war es eine herbe Niederlage. Ich bin mir sicher, dass sie mit einer ordentlichen Portion Wut im Bauch gegen uns antreten werden. Der SV Waldhof wird beweisen wollen, dass es nur ein Ausrutscher war. Wir wissen, dass sie in dieser Woche noch intensiver trainieren werden. Darauf stellen wir uns aber ein.

Sie sind gerade einmal 30 Jahre alt. Was haben Sie sich mit dem FCS vorgenommen?

Auf der Anzeige meiner Scorer-Punkte hat sich in letzter Zeit etwas Staub angesammelt (lacht). Das ist ein Punkt, an dem ich gerne arbeiten würde. Allerdings möchte ich nicht nur mit Toren und Assists der Mannschaft helfen, die gesetzten Ziele zu verwirklichen. Ich stelle mich voll und ganz in den Dienst des Teams. Wichtig ist mir, dass ich so viel wie möglich spiele und von Verletzungen verschont bleibe.

   
Back to top button