Weil im Interview: "In Magdeburg wird der Fußball gelebt"

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Richard Weil vom 1. FC Magdeburg spricht im Interview mit liga3-online.de über die Fußball-Mentalität in Magdeburg, die holprige Phase nach der Winterpause, seine Elfmeter und über die 2. Bundesliga.

"Das habe ich so noch nicht erlebt"

liga3-online.de. Hallo Herr Weil! Ein gebürtiger Frankfurter ist an der Elbe heimisch geworden. Wie gut sind Sie in den ersten Wochen in Magdeburg angekommen?

Richard Weil: Wunderbar. Zwar ist der Wechsel kurzfristig über die Bühne gegangen, doch ursprünglich sollte ich bereits im Winter-Trainingslager dazu stoßen – das hat sich dann leider etwas gezogen.

Wie kam es dazu?

Bestimmte Rahmenbedingungen sind kurzfristig geändert worden. Ich bin aber froh, nun in Magdeburg zu sein.

Sie sind ein klassischer Last-Minute-Transfer. Erklären Sie uns doch kurz, wie hektisch die Planungen bei einem Spieler verlaufen, der erst kurz vor knapp einen Wechsel quer durch die Republik vornimmt.

Klar, der Wechsel war schon etwas kurzfristig, aber so ist das Geschäft. Dann packt man schnell ein paar Sachen zusammen, sucht sich eine neue Wohnung und kündigt die alte. Das ist während des laufenden Trainingsbetriebs zwar nicht so einfach, aber für mich war das kein Problem.

Heidenheim, Mainz, Würzburg – in Süddeutschland sind Sie viel herumgekommen, ehe nun der Sprung nach Sachsen-Anhalt erfolgt ist. Wie nehmen Sie die Fußball-Mentalität in der Bevölkerung wahr? Gibt es Unterschiede zu Ihren vorherigen Stationen?

Ja, das muss ich auch ganz deutlich sagen. In Magdeburg wird der Fußball von einer ganzen Region erlebt. Das habe ich so noch nicht erlebt und letztlich war diese Tatsache – neben der sportlichen Perspektive – auch der Grund, warum ich mich für den FCM entschieden habe.

Offensichtlich können Sie sich mit Verein und Mannschaft gut identifizieren. Sie haben sich auf Anhieb in die Startelf gespielt.

Das war auch mein Ziel. Ich habe die Würzburger Kickers schließlich nicht verlassen, um hier in Magdeburg nur auf der Bank zu sitzen.

"Hatten keine schwierige Phase"

Der Start in die Rückrunde verlief zunächst etwas holprig, fast ließ sich das aus der ebenso mäßigen Wintervorbereitung ableiten. In dieser Phase sind Sie zum Team gestoßen. Können Sie datieren, wann auch mental eine Wende erfolgt ist?

Aus meiner Sicht hatten wir keine schwierige Phase. Wenn man die Spiele nach der Winterpause nochmal einzeln betrachtet, stellt man fest: es war viel Pech dabei. Gegen Zwickau kassieren wir ein kurioses Gegentor, müssten aber eigentlich 5:1 gewinnen. Dann in Paderborn das Eigentor von Christian Beck – das war schon sehr unglücklich. Oder anders gesagt: Viele Gegentore haben wir uns mehr oder weniger selbst reingelegt. Aber das haben wir mittlerweile abgestellt, wie auch die Statistik beweist. Und seitdem läuft es. Da spielt es dann auch keine Rolle, ob wir 1:0 oder 3:0 gewinnen. Wichtig ist, dass wir die Spiele gewinnen und dass hinten die Null steht.

Ist das spielerische Erarbeiten von Schüssen oder Torchancen also erstmal zweitrangig?

Nicht unbedingt, aber man muss auch folgendes sehen: Wenn Gegner wie Mainz, Münster und Wiesbaden in unserem Stadion teilweise mit elf Spielern in der eigenen Hälfte stehen, ist es eine echte Herausforderung, spielerische Lösungen zu finden – wir sind nun mal nicht Bayern München oder Borussia Dortmund. Außerdem: Die Elfmeter, die wir bekommen haben, sind ja Torchancen, die vom Gegner verhindert wurden.

Aber klar: Gegner, die sich nicht hinten reinstellen, liegen uns mehr. Von daher wird uns die offensive Spielweise von Kiel am Samstag sicherlich zugute kommen …

Sie sprechen die Elfmeter an: Drei Mal in Folge hätten Sie allein das entscheidende Tor zum 1:0-Erfolg per Elfmeter beisteuern können. Ein unsauberer Schuss oder eine sensationelle Parade – warum scheiterten Sie gegen den SV Wehen Wiesbaden?

Ich war mir sicher, dass ich den Ball im Tor unterbringe, aber Kolke (Torhüter des SV Wehen Wiesbaden; Anm. d. Red.) hat sehr gut reagiert. Hätte ich ein wenig länger geschaut, hätte ich vielleicht in die andere Ecke geschossen. Aber das spielt für mich keine Rolle mehr, ich lebe nicht im Konjunktiv. Auch beim nächsten Elfmeter werde ich wieder die Verantwortung übernehmen. Angst, wieder daneben zu schießen, besteht überhaupt nicht – ansonsten braucht man auch gar nicht erst antreten.

Sie schießen Elfmeter außerordentlich hart, zeitgleich aber ziemlich platziert. Wann wurden Sie beim 1. FC Magdeburg zum Schützen ernannt? Und was geht Ihnen unmittelbar vor einem Strafstoß durch den Kopf?

Ich habe nach meinem Wechsel relativ schnell mitbekommen, dass die Elfmeterbilanz nicht so gut war. Der Trainer hat mich dann gefragt, ob ich Elfmeter schießen könne. Das habe ich bejaht, mir den Ball bei der nächsten Situation geschnappt und ihn dann reingemacht.

"Bringt nichts, von 'was wäre wenn' zu sprechen"

Trainer Jens Härtel hat mit der Verlängerung seines Vertrags zwischenzeitlich etwas gezögert. Inwiefern hat die unklare Vertragslage die Mannschaft beeinflusst?

Nach meiner Wahrnehmung gar nicht. Es ist völlig legitim, dass auch der Trainer um einen besseren Vertrag kämpft. Der Plan für die Saison ist dadurch aber keineswegs beeinflusst worden. Wenn sich der Poker noch bis zum Saisonende gezogen hätte, dann wäre das auch kein Problem gewesen.

Mit 46 Punkten ist der Klassenerhalt zehn Spieltage vor dem Saisonende gemeistert. In der 3. Liga kann es doch nun eigentlich nur noch ein anderes Ziel geben: Den Aufstieg in die 2. Bundesliga.

Zum aktuellen Zeitpunkt wäre es vermessen wenn wir sagen, dass wir in die 2. Bundesliga aufsteigen müssen. Es bringt ohnehin nichts, von ‚was wäre wenn‘ zu sprechen. Unser Ziel lautet einfach, so viele Spiele wie möglich zu gewinnen.

Sie sind gewissermaßen ein Experte für den Aufstieg, haben schließlich vor einem Jahr mit den Würzburger Kickers diesen Triumph erreicht. Auch dort war der Schlüssel zum Erfolg eine sichere Defensive. Dementsprechend dürften die Vorzeichen beim FCM gar nicht schlecht sein, oder?

Klar, wer nur wenige Gegentore kassiert, steht in der Regel oben. Und wenn es gut läuft, stimmt natürlich auch das Selbstvertrauen.

   
  • blauWeißerBREMER

    Richard, gutes Interview!

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