Reportage: Bekannt, im neuem Gewand: Die Regionalliga

Die viertklassige Regionalliga erlebt nun schon zum zweiten Mal innerhalb von vier Jahren eine kolossale Veränderung. Während zur Saison 2008/09 die Regionalliga wegen der neu eingeführten 3.Liga auf drei Staffeln verändert worden ist, hat sich die Zahl ab der kommenden Spielzeit auf fünf eingleisige, gleichrangige Regionalligen erhöht. Schon in den 60er Jahren gab es die fünf Regionalligen West, Südwest, Süd, Nord und Berlin (West). Das gegenwärtige System ist ausgeklügelt, soll aber für eine größere Wettbewerbsgleichheit und vor allem auch für mehr Derbys sorgen.

Kürzere Weg = mehr Derbys

Vom DFB wurde intensiv diskutiert und analysiert, welcher Weg letztlich der effizienteste sein könnte. Nach intensiven Beratungen, in denen auch die Verbände und Vereine umfassend informiert und befragt worden sind, gibt es nun fünf Staffeln, die in den Regionalligen Nord, Nordost, West, Südwest und Bayern unterteilt worden sind. Die Wege der Vereine werden durch die größere Aufteilung deutlich kürzer. Es gibt jedoch ein paar Änderungen im Vergleich zum vergangenen Spieljahr, wo es noch drei unterschiedliche Regionalligen gegeben hat. So ist klar festgelegt worden, dass innerhalb einer Liga nur noch maximal sieben zweite Mannschaften aus den beiden Bundesligen vertreten sein dürfen. Die Reserveteams von Drittligavereinen werden gänzlich ausgeschlossen.

Reglementierung der Reserveteams

Der Grund könnte darin liegen, dass regionale Traditionsvereine durch diese Reglementierung gestärkt werden sollen. Die Zweitvertretungen sind vielen Amateurvereinen ein Dorn im Auge, weil sie über wenig Zuschauerzuspruch sowohl in Heim- als auch in Auswärtsspielen verfügen. Auch wird häufig ein Wettbewerbsvorteil angeprangert, da die finanziellen Möglichkeiten der Zweitvertretungen größer sind. Der Modus, um die drei Aufsteiger zu ermitteln, ist klar festgelegt. So gibt es eine Aufstiegsrunde, an denen der Meister der jeweiligen Regionalliga und zusätzlich der Vizemeister der Regionalliga Südwest teilnehmen darf. Eine Auslosung ergibt drei Partien, wo in Hin- und Rückspielen das Trio ermittelt wird, welches sich für die eingleisige 3.Liga letztlich qualifizieren wird. Ebenso wie in der 3.Liga hat auch bei den Regionalligen der DFB die Verantwortung, während die DFL für die 1. und 2. Bundesliga zuständig ist.

Die perfekte Mischung

Die Regionalliga Nord ist mit echten Traditionsteams wie VfB Lübeck, Holstein Kiel, SV Meppen oder dem VfB Oldenburg besetzt. Mit den Zweitvertretungen vom Hamburger SV, dem FC St. Pauli, Hannover 96, dem VfL Wolfsburg und nicht zuletzt Drittliga-Absteiger Werder Bremen befinden sich fünf Reserveteams in der nördlichsten vierten Liga Deutschlands. Mit dem Goslarer SC 08, BV Cloppenburg, VfB Oldenburg, BSV Schwarz-Weiß Reden, SC Victoria Hamburg, VfR Neumünster, ETSV Weiche und dem FC Oberneuland kommen acht interessante Teams aus der fünftklassigen Oberliga in die neu gegründete Spielklasse. Besonders die Derbys in Hamburg, wo mit dem Hamburger SV II, St. Pauli II und Victoria Hamburg drei Teams aufeinandertreffen, versprechen Spannung und Brisanz zugleich.

Das interessante Fußballprojekt

Die Regionalliga Nordost ist ein bisschen weniger prominent besetzt. Dafür gibt es mit RB Leipzig vielleicht das interessanteste Fußball-Projekt in ganz Deutschland. Vor allem, wenn man bedenkt, dass nun Ralf Rangnick das sportliche Kommando für den Brausehersteller Red Bull übernommen hat. Alles Andere als der Drittliga-Aufstieg wäre sicherlich eine herbe Enttäuschung für das Weltunternehmen. Auch Teams wie der 1.FC Magdeburg, der FSV Zwickau, Lokomotive Leipzig und nicht zuletzt Drittliga-Absteiger FC Carl-Zeiss Jena besitzen enorme Tradition. Aus den Oberligen sind Mannschaften wie Union Berlin II, FSV Zwickau, Optik Rathenow, VfB Auersbach, TSG Neustrelitz, 1.FC Lokomotive Leipzig und der Torgolower SC Greif in die vierthöchste Spielklasse aufgestiegen. Mit den Zweitvertretungen von Hertha BSC, Union Berlin und Energie Cottbus spielen drei Reserveteams in dieser Spielklasse. Interessante Lokalderbys gibt es in Berlin mit Hertha, Union und dem Berliner AK, und auch in Sachsen, wo Zwickau, Plauen und Auerbach sich um die Vormachtstellung in der Region streiten werden.

Unzählige Lokalderbys

Man muss kein Wahrsager sein, um zu wissen, dass in der Regionalliga West die meisten Derbys ausgetragen werden. Viel Tradition mit Teams wie Rot Weiß Essen, dem Wuppertaler SV, Fortuna Köln, den Sportfreunden Siegen oder auch Drittliga-Absteiger Rot Weiß Oberhausen gibt es in dieser Staffel zu bestaunen. Letztlich fällt es schwer einen klaren Favoriten zu benennen, weil auch die Zweitvertretungen aus Mönchengladbach, Köln, Leverkusen, Schalke, Bochum, Duisburg und Düsseldorf über viele talentierte Spieler, aber auch möglichen Spielern aus den jeweiligen Profikadern verfügen. Die Unberechenbarkeit ist daher Trumpf in der vielleicht emotionalsten aller fünf Spielklassen. Aus den fünftklassigen Oberligen sind Viktoria Köln, Sportfreunde Siegen, MSV Duisburg II, SSVg Velbert, VfB Hüls, SV Bergisch Gladbach 09 und der FC Kray neu hinzugekommen. Neben den Domstadtderbys zwischen dem 1.FC Köln II, Fortuna und Viktoria Köln gibt es vor allem im Ruhrgebiet zwischen Duisburg, Schalke, Bochum, Essen, Kray, Oberhausen und Hüls echte Lokalduelle. Besonders für die passionierten Lokalpatrioten bietet diese Spielklasse einfach alles, was das Fußballherz begehrt.

Tradition ist Trumpf

Eine äußerst interessante Mischung aus alteingesessenen Traditionsvereinen und aufstrebenden Visionsteams bietet die Regionalliga Südwest, deren Vizemeister exklusiv an der Aufstiegsrunde für die 3.Liga teilnehmen darf. Als Favorit gilt die SG Sonnenhof Großaspach, aber auch der ehemalige Zweitligist Eintracht Trier, Wormatia Worms und die zweite Mannschaft von Eintracht Frankfurt haben die Qualität für einen möglichen Aufstieg. Tradition ist Trumpf in dieser Liga, denn im Südwesten tummeln sich mit dem FC Homburg 08, dem SSV Ulm 1846 und Waldhof Mannheim drei ehemalige Bundesligisten, die Spuren im deutschen Fußball hinterlassen haben. Auch ehemalige Zweitligisten wie die TuS Koblenz, Trier, Hessen Kassel oder Wormatia Worms präsentieren sich. Mit Eintracht Frankfurt , dem FSV Frankfurt, dem FSV Mainz 05, 1899 Hoffenheim, SC Freiburg und dem 1.FC Kaiserslautern sind sechs Reserveteams aktiv. Novizen in der Liga sind die Teams aus Ulm, des 1.FC Eschborn und aus Homburg. Besonders rund um Frankfurt gibt es für die Fans einige attraktive regionale Vergleiche zu bestaunen. Neben Eintracht und FSV Frankfurt II spielt mit Eschborn, Mainz II und Bayern Alzenau ein Quintett in dieser Region.

Provinzteams dominierend

Provinzteams sind in der Regionalliga Bayern omnipräsent. Einzig die Aufsteiger aus der Oberliga Würzburger Kickers und Viktoria Aschaffenburg traten überregional in Erscheinung. Als heißeste Anwärter auf den Drittliga-Aufstieg gelten die Zweitvertretungen Greuther Fürth, Ingolstadt, Nürnberg, Bayern München und 1860 München. Durch die Profiabteilungen gibt es einen qualitativ und quantitativ ausreichenden Spielerkader. Besonders im Großraum München kommt es zu einer Vielzahl an regionalen Fußballspielen, die die Bevölkerung begeistern können. Neben 1860 und Bayern München gibt es mit Ismaning und dem SV Heimstetten kleinere Vereine, für die die Regionalliga-Teilnahme allein schon ein großer Erfolg ist. Gegen aus der Profimannschaft herabgestufte Profis zu kicken ist ein ganz besonderer Anreiz für die motivierten Spieler aus den kleinen bayrischen Vereinen. Auch die Region rund um Nürnberg, wo der 1.FCN II, Greuther Fürth II, SC Eltersdorf und auch der SV Seligenporten um lokales Prestige kämpfen, ist als hochinteressant zu betrachten. Das etwas provinziell Anmutende kann auch darin begründet sein, dass 14 der 20 Vereine neu in der viertklassigen Regionalliga sind. Mit dem TSV 1860 Rosenheim, SpVgg Bayern Hof, SC Eltersdorf, TSV Buchbach, TSV Rain am Lech, SV Seligenporten, VfL Frohnlach, FC Eintracht Bamberg, FC Ismaning, FV Illertissen, Viktoria Aschaffenburg, SV Heimstetten, den Würzburger Kickers und dem FC Augsburg II sind die Vereine im größten Bundesland Deutschlands weitläufig verteilt. Kurze Distanzen, wie in der Weststaffel zu beobachten, sind in der facettenreichsten Spielklasse eher die Seltenheit.

   

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