RL-Reform: Hessische Klubs sehen Kompassmodell kritisch
Bei der geplanten Regionalliga-Reform ist weiterhin keine Einigkeit in Sicht. Am Montag trafen sich die Präsidenten der Regional- und Landesverbände zu ihrer turnusmäßigen Sitzung beim DFB in Frankfurt, auch die Reform stand auf der Agenda. Schon vorher übten die hessischen Regionalligisten Kickers Offenbach, KSV Hessen Kassel, TSV Steinbach Haiger, FSV Frankfurt und SG Barockstadt Fulda-Lehnerz mit einem gemeinsamen Statement Kritik am vom DFB favorisierte Modell.
Sorge um Derbys
Das Ziel der Reform stellen die Klubs dabei nicht infrage. "Meister müssen aufsteigen!", heißt es in der Stellungnahme, eine Meisterschaft müsse sportlich etwas wert sein. Das Kompassmodell, das ab der Saison 2028/29 greifen soll, sei aber noch nicht ausreichend durchdacht. Bevor weitreichende Entscheidungen fallen, müssten die sportlichen, organisatorischen und wirtschaftlichen Folgen transparent dargestellt und die Modelle fundiert verglichen werden.
Hauptkritikpunkt ist die jährlich neue Einteilung der vier Staffeln nach geografischen Gesichtspunkten. Nach Ansicht der Vereine ist nicht auszuschließen, dass hessische Klubs aus ihrem angestammten Verbandsgebiet “auseinandergerissen" werden. Das bedeute einen Verlust attraktiver Spiele und sei "nicht im Sinne der Fans". Als Beispiele nennen die Klubs die gut besuchten Duelle zwischen Frankfurt und Offenbach sowie das Hessenderby zwischen Kassel und Offenbach. Zwar betont der DFB, dass auch in vier Staffeln Derbys möglich bleiben sollen. Ob das etwa für Offenbach gegen Kassel gilt, stellen die Vereine aber infrage. Die beiden Städte liegen rund 160 Kilometer auseinander.
"Nicht die Probleme anderer Regionen lösen"
Als Blockierer wollen die Klubs nicht dastehen. Die Regionalliga Südwest habe bereits 2018 einen weiteren Aufstiegsplatz zur Verfügung gestellt, um eine Lösung zu ermöglichen. Zudem habe man den Spielbetrieb professionalisiert und eine über mehrere Landesverbände tragende Struktur aufgebaut, die im Kompassmodell nicht angemessen berücksichtigt werde. Andere Ligen hätten ebenfalls über Jahre Zeit gehabt, tragfähige Konzepte zu entwickeln. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, “die Regionalliga Südwest müsse die Probleme anderer Regionen lösen". Kassel und Offenbach seien zudem selbst Leidtragende der Reform von 2012 gewesen. Bis 2018 mussten alle Meister in Relegationsrunden antreten, im Südwesten durfte auch der Zweite teilnehmen, und die hessischen Klubs stiegen dennoch nicht auf.
Auch das finanzielle Angebot überzeugt die Klubs nicht. Die in Aussicht gestellten 40.000 Euro pro Verein klängen zwar zunächst positiv, taugten aber nicht "als Lockmittel". Ohne Einblick in die künftigen Kostenstrukturen unter dem Dach des DFB und in zusätzliche Pflichten lasse sich nicht seriös beurteilen, ob am Ende ein Vorteil oder eine Mehrbelastung stehe. "Entscheidend ist, was unter dem Strich übrig bleibt." Konstruktiv mitarbeiten wollen die Vereine dennoch. Voraussetzung seien ein transparentes Verfahren, belastbare Zahlen und die ergebnisoffene Prüfung aller Modelle. Gefordert wird ein Konzept, das sportlich gerecht und wirtschaftlich tragfähig ist und die regionale Verbundenheit zum jeweiligen Landesverband berücksichtigt.
Süden könnte Kompassmodell verhindern
Sollten beim DFB-Bundestag am 18. Dezember die Regional- und Landesverbände aus dem Süden (Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland) geschlossen gegen das Kompassmodell stimmen, könnten sie die für die Satzungsänderung notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit verhindern, da sie zusammen über etwas mehr als ein Drittel der Stimmen verfügen. Der DFB wird in den verbleibenden siebeneinhalb Wochen bis zur Abstimmung somit noch einiges an Überzeugungsarbeit leisten müssen.