DFB beschließt neue Aufstiegsregelung für die Regionalliga

Der DFB-Bundestag hat am Freitag die Aufstiegsregelung in der Regionalliga ab der Saison 2020/21 beschlossen. Wie erwartet bleibt es bei fünf Staffeln, aus denen vier Meister in die 3. Liga aufsteigen. Die West- und Südwest-Staffeln erhalten dabei dauerhaft einen festen Aufstiegsplatz.

Keine Lösung für viergleisige Regionalliga

Zahlreiche Modelle zur Reform der Regionalliga wurden in den vergangenen Monaten diskutiert. Ziel war es, die Anzahl der Staffeln von fünf auf vier zu reduzieren, damit alle Meister direkt in die 3. Liga aufsteigen können. Um eine Lösung zu finden, setzte der DFB nach dem letzten Bundestag vor zwei Jahren eine Arbeitsgruppe mit verschiedenen Vertretern aus Vereinen und Landesverbänden ein. Doch weil keine Mehrheiten für die diskutierten Modelle einer viergleisigen Regionalliga gefunden wurden, löste sich die Arbeitsgruppe im November 2018 wieder auf.

Der Knackpunkt: Damit aus fünf Regionalliga-Staffeln vier werden können, hätte die Nordost-Staffel zerschlagen werden sollen. Die Klubs aus Thüringen und Sachsen wären der Regionalliga Bayern zugeordnet worden, die Vereine aus Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern der Nord-Staffel. Ein herber Einschnitt, den vor allem der Nordostdeutsche Fußball-Verband (NOFV) strikt ablehnt. Daher einigten sich die Vertreter der Dritt- und Viertligisten aus dem Norden, dem Nordosten und Bayern im Rahmen einer Tagung im März darauf, an der Nordost-Staffel und somit fünf Staffeln festzuhalten. Im Anschluss wurde ein entsprechender Antrag gestellt, der am Freitag vom DFB-Bundestag mit zwei Gegenstimmen und sechs Enthaltungen – und damit mit der nötigen Zwei-Drittel-Mehrheit – verabschiedet wurde.

Nord, Nordosten und Bayern mit zwei Aufsteigern

Konkret heißt das: Auch künftig bleibt es bei fünf Regionalliga-Staffeln mit vier Aufsteigern. Die Staffeln West und Südwest erhalten ab der Saison 2020/21 einen festen Aufstiegsplatz. Begründet wird das damit, dass in ihren Gebieten knapp die Hälfte aller 25.000 in den Landesverbänden organisierten Vereine in Deutschland vertreten sind: 4.500 im Westen und 7.700 im Südwesten. Aus den übrigen Staffeln Nord, Nordosten und Bayern werden die anderen beiden Aufsteiger ermittelt. Ein direkter Aufstiegsplatz wird dabei jährlich zwischen den drei Staffeln wechseln, die übrigen zwei Meister werden in einer Relegation den vierten Aufsteiger in die 3. Liga ermitteln. Klar ist also: Ein Meister aus den Staffeln Nord, Nordosten und Bayern wird nicht aufsteigen.

Warum keine Lösung für eine Regionalliga mit vier Staffeln gefunden wurden, erklärt DFB-Vizepräsident Rainer Koch so: "Es ist nicht möglich, dass aus fünf Regionalligen vier gemacht werden, ohne dass es irgendwo in Fußball-Deutschland große Probleme gibt." Auch wirtschaftlich sei das nicht darstellbar, "dazu sind die Distanzen zu groß, außerdem ist die regionale Identität gerade im Nordosten viel zu bedeutsam, um ihn in zwei Teile zu zerschneiden." Zusätzlich unterstrich Koch, "dass die nicht vorhandene pyramidale Ligenstruktur oberhalb der Regionalligen eine adäquate Aufstiegsregelung zur 3. Liga quasi unmöglich macht." Die nun beschlossene Regelung sei die "beste unter allen schlechten", so Koch.

Interessen zu unterschiedlich

Knackpunkt sind vor allem die stark unterschiedlichen Interessen der einzelnen Regional- und Landesverbände und ihrer Vereine. Problem: Mitten durch die Regionalligen verläuft die Grenze zwischen Profi- und Amateurfußball. Auf der einen Seite gibt es Vereine wie Lübeck, Erfurt, Essen, Aachen, Saarbrücken, Cottbus und Offenbach, die klar den Aufstieg in die 3. Liga anstreben und sich keinesfalls dauerhaft in der Regionalliga aufhalten wollen – diese Klubs würden von einer viergleisigen Regionalliga mit vier direkten Aufsteigern profitieren.

Auf der anderen Seite spielen in den fünf Regionalliga-Staffeln aber auch Klubs wie Drochtersen/Assel, Altona 93, Homberg, Bahlingen und Schalding-Heining, welche die Regionalliga als persönliche "Champions League" ansehen. Ein Aufstieg käme, selbst wenn sie sich sportlich qualifizieren würden, aus finanziellen und organisatorischen Gründen nicht in Frage. Für diese Vereine wäre eine auf den direkten Aufstieg in die 3. Liga ausgelegte Regionalliga-Struktur ein Nachteil, einige müssten angesichts des Wegfalls einer Staffel den Gang in die Oberliga antreten.

Neben der jetzt beschlossenen Regelung wurden auch weitere Modelle diskutiert: Darunter eine zwei- bzw. dreigleisige 4. Liga zwischen der 3. Liga und der Regionalliga, die Zusammenlegung der Bundesländer Baden-Württemberg, Hessen und Bayern zu einer Liga und eine jährlich wechselnde freie Einteilung von vier Regionalligen nach ausschließlich geografischen Gesichtspunkten. Mehrheiten fanden diese Modelle allerdings nicht. Ebenso unrealistisch ist die Aufstockung der 3. Liga auf 22 Mannschaften sowie eine zweigleisige 3. Liga – vor allem aus wirtschaftlichen Gründen.

Drittliga-Ausschuss gegründet

Unterdessen hat der DFB-Bundestag die Gründung eines Ausschusses 3. Liga beschlossen. Der Ausschuss soll ein eigenständiges Gremium mit Antragsrecht werden, das die Interessen der 3. Liga im DFB und nach außen vertreten soll. Kernaufgabe ist die systematische Weiterentwicklung der Liga. Bislang beim DFB-Spielausschuss liegende Zuständigkeiten aus Satzung und Ordnungen des DFB, die ausschließlich die 3. Liga betreffen, sollen auf den neuen Ausschuss übergehen.

"Die Einrichtung des Ausschusses ist ein Bekenntnis, den Stellenwert der 3. Liga und ihre Bedeutung weiter zu erhöhen", so DFB-Vizepräsident Peter Frymuth. "Die Klubs erhalten eine eigene Stimme und ein Gremium, um sich noch gezielter zu engagieren im gemeinsamen Bestreben, die 3. Liga voranzubringen und sowohl finanziell als auch strukturell nachhaltiger aufzustellen." Zum Ausschussvorsitzenden gewählt wurde Tom Eilers, neben ihm gehören fünf Vereinsvertreter, der Vorsitzende des DFB-Spielausschusses, der Spielleiter der 3. Liga, ein hauptamtlicher Mitarbeiter der DFB-Zentralverwaltung sowie zwei Vertreter der DFL dem Ausschuss an. Das neue Drittliga-Gremium wird mit zwei Personen im DFB-Spielausschuss vertreten sein. Der zuständige DFB-Vizepräsident wird neben dem Spielausschuss auch den Ausschuss 3. Liga begleiten, teilte der Verband mit.

Offen ist noch, wie die Drittligisten auf die nun beschlossene Aufstiegsregelung in der Regionalliga ab der Saison 2020/21 reagieren. Dem vierten Abstiegsplatz als Kompromiss hatten die Drittligisten lediglich unter der Bedingung zugestimmt, dass es ab 2020/21 nur noch vier Regionalliga-Staffeln gibt, aus denen alle Meister direkt aufsteigen. Die zentrale Forderung der Drittliga-Klubs wäre damit nicht erfüllt. Neuerliche Proteste wären möglich. Bereits im vergangenen November protestierten die Drittliga-Klubs, in dem sie am 17. Spieltag jeweils die erste Minute der Partien bestreikten. Gleichzeitig forderten die Drittliga-Klubs eine Rückkehr zu drei Absteigern.

[box type="info"]Kommentar: Die Drittligisten sind die Verlierer[/box]

   
  • Fat Tony

    Wenn man bedenkt, welche Verhältnisse man vor der Gründung der 3. Liga hatte, sollte jeder Drittligist sogar mit fünf Abstiegsplätzen zufrieden sein. Dann hätte man bei Abstieg wenigstens die Garantie als Meister auch direkt wieder aufsteigen zu können. Wer es nicht schafft einen von 15 Nichtabstiegsplätzen zu erreichen, sollte die Schuld woanders suchen!

  • ironimus

    Die Drittligisten werden sich des lieben Friedens willen wohl oder übel mit dem 4. Absteiger zufrieden geben müssen. Eine sinnvolle Lösung für den Aufstieg aus den Regionalligen ist angesichts der Kräfteverhältnisse im DFB und des Proporzdenkens in seinen Regional- und Landesverbänden nicht umsetzbar. Der kleinste gemeinsame Nenner und die "beste" von allen schlechten Lösungen haben gewonnen. Mehr war einfach nicht drin.

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