Pokalreise des FCS ist gar nicht hoch genug einzuschätzen

Aus der Traum vom Pokalfinale! Durch die Niederlage gegen den 1. FC Kaiserslautern hat der 1. FC Saarbrücken die historische Chance verpasst, erstmals in der Vereinsgeschichte nach Berlin zu fahren. Doch so bitter das Ausscheiden auch ist: Die Pokalreise des 1. FC Saarbrücken ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. Ein Kommentar.

Purer Irrsinn!

Dass ein Drittligist im DFB-Pokal die erste Runde übersteht, ist schon durchaus besonders. Schließlich geht es stets gegen einen höherklassigen Gegner. Dann auch noch das Achtelfinale zu erreichen, verdient Respekt. Es anschließend ins Viertelfinale zu schaffen, ist Wahnsinn. Danach die Qualifikation für das Halbfinale klar zu machen, bedeutet die endgültige Eskalation. All das hat der 1. FC Saarbrücken in dieser Saison geschafft – und das nicht gegen irgendwelche Gegner, sondern gegen den Karlsruher SC, Bayern München, Eintracht Frankfurt und Borussia Mönchengladbach. Gleich drei Bundesligisten geschlagen und damit mehr Siege gegen Klubs aus der 1. Liga gefeiert zu haben als Darmstadt 98, ist purer Irrsinn! Sicherlich haben die – vorsichtig ausgedrückt – besonderen Platzverhältnisse im Ludwigspark hier und da ihren Anteil dazu geleistet. Doch die sensationellen Siege allein darauf zurückzuführen, wäre viel zu kurz gegriffen.

Vielmehr war es die Art und Weise, wie der FCS kämpferisch aufgetreten ist, die Partien gegen Bayern und Gladbach gedreht und gleich dreimal während der laufenden Pokal-Saison in letzter Sekunde zugeschlagen hat. Mit Glück hat das wenig zu tun, stattdessen zeugt diese Fähigkeit von großer Mentalität. Bundesweit haben die Saarländer mit ihrer beherzten Spielweise Sympathien gesammelt und vielleicht neue Fans dazu gewonnen. Denn dass der eigentlich chancenlose Underdog über sich hinauswächst und eine Mannschaft in die Knie zwingt, die um ein Vielfaches mehr wert ist, macht den DFB-Pokal aus. Genau solche Auftritte wie die des FCS wollen die Fans sehen.

Mit jeder Menge Stolz zurückblicken

Völlig klar: Davon kaufen sich Spieler und Fans vorerst nichts, noch überwiegt die Enttäuschung, erneut gegen den 1. FC Kaiserslautern verloren und wie 2019 den Sprung ins Finale verpasst zu haben. Doch in ein paar Wochen werden die Beteiligten mit breitgeschwellter Brust auf dieses Pokal-Märchen zurückblicken – und noch ihren Enkeln davon erzählen, wie sie Bayern München nach Rückstand durch einen Treffer in der sechsten Minute der Nachspielzeit aus dem Pokal geworfen haben. Der FCS kann mehr als nur stolz auf sich sein, es soweit geschafft zu haben. Das war allerbeste Werbung für die 3. Liga! Man muss sich immer wieder vor Augen führen: Es war ein Drittligist (!), der im Halbfinale stand und die Chance auf das Finale hatte, nachdem er zuvor drei gutbetuchte Bundesligisten ausgeschaltet hatte. Das ist gar nicht hoch genug einzuschätzen!

   
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