Piossek: "Platz 1 im Wandervogel-Ranking verteidigen"

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Im Thesen-Interview mit liga3-online.de spricht Marcus Piossek vom SV Meppen über sein Wandervogel-Image, warum er nie zum FC Bayern gehen würde und revidiert ein Toni Schumacher-Zitat.

"Nicht alle Wechsel waren geplant"

liga3-online.de: Marcus Piossek, Sie kommen aus der Talentschmiede des BVB. Wir gehen mal davon aus, dass Sie – insofern es mit den Spielterminen passt – jedes Wochenende aus Meppen in den Ruhrpott reisen, um auf der Südtribüne stehen. Stichwort Echte Liebe und so!

Marcus Piossek: Früher in der Jugend habe ich auf der Südtribüne gestanden, heute nicht mehr. Aber klar fühle ich mich Borussia Dortmund noch immer verbunden und drücke die Daumen, dass es in dieser Saison mit der Meisterschaft klappt.

Ihr aktueller Klub SV Meppen ist bereits die siebte Station in der 3. Liga. Bis zum Karriereende kommen noch mindestens drei Klubs dazu!

Wirklich sehr interessante Thesen (lacht). Wer weiß, was Steven Ruprecht und Robert Müller, die ebenfalls sieben Stationen haben, aber derzeit nicht in der 3. Liga aktiv sind, noch so vorhaben. Zudem kommen einige Spieler bestimmt auf fünf, sechs Klubs und drücken von hinten. Da habe ich schon den Anspruch, Platz 1 im Ranking der Wandervögel zu verteidigen – insofern ich mit 30 Jahren fit genug bleibe.

Marcus Piossek kann darüber lachen, wenn er als "Wandervogel" oder "Söldner" bezeichnet wird!

Ja, da kann ich schmunzeln. Die meisten Außenstehenden kennen doch die Hintergründe für einige Wechsel gar nicht. Jedenfalls waren nicht alle geplant. Manchmal verändert jedoch eine Verletzungen oder ein überraschender Trainerwechsel die Situation eines Spielers enorm.

Dann lassen wir ihre Karriere doch noch mal Revue passieren: Nachdem Sie zusammen mit ihrem heutigen Mitspieler David Vrzogic aus Dortmund zu Rot-Weiss Ahlen gegangen waren, ging Ihr Kumpel ein Jahr später zu Bayern München II. Sie lehnten wiederum auf Grund der Verbundenheit zum BVB ab!

Hätte es das Angebot von Bayern damals wirklich gegeben, wäre ich wahrscheinlich trotzdem zum Karlsruher SC gewechselt. Echte Liebe ist schon mehr als irgendein Spruch. Unter Fans und Spielern herrscht in Dortmund ein größerer Zusammenhalt als in München.

 

"Ausland reizt mich nicht"

Stattdessen ging es über Karlsruhe und Osnabrück zu Preußen Münster. Hier waren Sie nur deshalb länger als ein Jahr, weil ihre Frau so gerne Fahrrad fährt!

Ganz im Gegenteil. Zu dieser Zeit kannte ich meine Frau (Anna-Maria, Anm. d. Red) noch gar nicht und ich hab mich beim Autofahren auch eher über einige Radfahrer geärgert. Das ist schon sehr speziell mit dem Verkehr in Münster. Sportlich lief es für mich aber unter Pavel Dotchev und Ralf Loose umso besser.

Im Nachhinein ist in den letzten Jahren ein Wechsel geplatzt, worüber Sie im Nachhinein ganz froh sind!

Nicht direkt, aber 2012 stand ich vor der Wahl zwischen dem VfL Osnabrück und Rot-Weiß Erfurt. Die Erfurter hatten sich relativ früh um mich bemüht. Da sich der Klub in der Saison in der unteren Tabellenhälfte bewegte und später finanzielle Probleme hatte, bin ich froh, mich damals anders entschieden zu haben.

Ihr Gastspiel bei den Sportfreunde Lotte endete vor dem Arbeitsgericht. Nach der aktiven Karriere schlagen sie eine Juristen-Laufbahn ein, um anderen Fußballern in vergleichbaren Situationen zu helfen.

Das wäre denkbar. Den Fall, dass ein Spieler von einem Klub auf das Abstellgleis geschoben wird und nicht mal mehr mit dem Team trainieren darf, gibt es ja recht häufig. Bei den Sportfreunden Lotte herrschte damals einfach Chaos. Nicht jeder hat den Mum, für seine Rechte vor Gericht zu gehen. Ich kann andere dazu nur ermutigen.

"Ich spiele doch nicht in Meppen, da gehe ich lieber in die Türkei", sagte einst Torwart-Legende Toni Schumacher. Marcus Piossek würde den Satz umgekehrt unterschreiben.

Das Ausland reizt mich nicht und vor allem die Türkei nicht. Ich habe dort zwar noch nie gespielt, aber wenn ich mir die Geschichten einiger ehemaliger Mitspieler anhöre, würden dort bestimmt einige Probleme auf mich zukommen. Dazu kommt die politische Situation. Da spiele ich viel lieber für einen gut geführten Drittligisten wie den SV Meppen.

   

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