Nietfeld im Interview: "Sind nicht komplett unzufrieden"

Im Interview mit liga3-online.de spricht Jonas Nietfeld, Kapitän des Halleschen FC, über die jüngsten Erfolge während der Länderspielpause, ein Duell zweier "angezählte Boxer", seine Rolle auf dem Platz als Kapitän und mögliche Verhandlungen über einen neuen Vertrag.

"Größere Ausbeute wäre möglich gewesen"

liga3-online.de: Der Hallesche FC ist trotz der Länderspielpause mit einem Freundschaftsspiel gegen den BSV Ammendorf (4:0) und im Landespokal beim SV Eintracht Elster (5:0) im Spielrhythmus geblieben. Wie viel Selbstvertrauen geben die beiden Erfolge für die anstehenden Aufgaben, Herr Nietfeld?

Jonas Nietfeld: Siege sind immer wertvoll. Außerdem geben Spiele ohne Gegentor Sicherheit. Wir wissen allerdings, dass die beiden jüngsten Duelle gegen unterklassige Mannschaften stattfanden und in der Liga ein ganz anderes Kaliber auf uns zukommt. Aus diesem Grund werden wir weder das Pokal- noch das Testspiel überbewerten.

Wie bewerten Sie das knappe erste Saisonviertel mit acht Punkte aus neun Spielen?

Zwischenbilanzen sind schwierig, weil wir von Woche zu Woche schauen und die einzelnen Ergebnisse unterschiedlich zustande kamen. Zum jetzigen Zeitpunkt der Saison sind uns die Entwicklung der neuformierten Mannschaft und der Trend unserer Leistungen wichtiger als der Tabellenstand. Es wäre zweifellos eine größere Ausbeute möglich gewesen. Wir sind dennoch nicht komplett unzufrieden mit dem bisherigen Verlauf. Dass der große Umbruch im Sommer Zeit benötigt, war uns allen bewusst.

Worauf wurde während der Länderspielpause in den Trainingseinheiten der Fokus gelegt?

Das Trainerteam hat einmal mehr Reize gesetzt, um genügend Substanz für das kräftezehrende Programm bis zur frühen Winterpause zu haben. Inhaltlich arbeiten wir ohnehin – auch ohne Ligapause – stets an ähnlichen Schwerpunkten: Defensivverhalten, offensive Lösungen, Standards, Spielaufbau. In den Einheiten vor dem Spiel in Duisburg kommen noch spezifische Aspekte des Gegners hinzu.

Nun ist der HFC am Samstag (14 Uhr) in der Partie beim MSV Duisburg bei einem möglichen direkten Kontrahenten im Rennen um den Klassenverbleib zu Gast. Worauf wird es in dieser Begegnung ankommen, um nicht in die Gefahrenzone abzurutschen?

Die Angst vor der Gefahrenzone sollte uns nicht lähmen und ist am zehnten Spieltag auch definitiv ein schlechter Ratgeber. Wir schauen auf uns, wollen gegen defensiv stabile Duisburger Chancen erspielen und bei gegnerischem Ballbesitz als Team kompakt sein. Letztlich geht es in jedem Spiel um Nuancen: Zweikämpfe, gedankliche Schnelligkeit, Fehlerminimierung.

Der MSV Duisburg hat zuletzt in der Liga viermal in Folge nicht gewonnen, dabei sogar drei Niederlagen in Serie kassiert und ist zusätzlich im Landespokal ausgeschieden. Wie gefährlich ist so ein "angezählter Boxer"?

Der MSV hat drei Zähler mehr auf dem Konto als wir. Insofern treffen vermutlich zwei angeschlagene Boxer aufeinander, um im Bild zu bleiben. Wir wollen an diesem Tag einen Tick besser sein, um so etwas Zählbares mit nach Hause zu nehmen.

 

"Bin ein Teamplayer – auch ohne Kapitänsbinde"

Trotz Ihrer erst 28 Jahre führen Sie den HFC bereits in der dritten Spielzeit auf den Platz. Was macht Sie als Kapitän so wichtig?

Das sollen andere beurteilen. Ich definiere mich als Teamplayer, scheue mich nicht vor Verantwortung und versuche meine Erfahrung einzubringen. Das würde ich allerdings auch ohne Binde am Arm versuchen.

Wie definieren Sie diese Rolle auf dem Platz?

Als Abwehrspieler habe ich das Geschehen zumeist vor mir, versuche zu organisieren und zu antizipieren. Immer im Verbund mit den Neben- und Vorderleuten, denn einer allein wird im Mannschaftssport nie etwas reißen können.

Ihr Vertrag läuft im Sommer aus. Gibt es schon Gespräche mit Verantwortlichen, um das Arbeitspapier auszuweiten?

Die Saison ist noch lang, deshalb beschäftige ich mich nicht sonderlich intensiv mit der Zeit im Sommer 2023. Ich fühle mich sehr wohl in Halle. Das ist doch schon mal eine gute Ausgangssituation für alles, was noch kommt.

Der Hallesche FC gehört auch in diesem Jahr wieder zu den Kandidaten im Rennen um den Klassenverbleib. Was macht Sie zuversichtlich, dass der HFC einmal mehr Klasse halten wird?

Wir haben eine sehr junge Mannschaft, die noch längst nicht an ihrem Zenit ist und stets dazu lernt. In unserem Team haben alle Lust auf diese Spielklasse und sehen sie nicht als Notlösung. Das Potenzial für die 3. Liga haben wir nachgewiesen. Nun gilt es, dies über einen längeren Zeitraum abzurufen und in es Resultate umzumünzen.

 

   
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