Nächste Heimpleite: Preußen stecken endgültig in der Krise

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Es sollte der Start zur Trendwende werden, doch am Ende kassiert der SC Preußen Münster den nächsten großen Rückschlag und steckt nach der zweiten Heimniederlage in Folge endgültig in der Krise: Die Preußen verloren vor heimischer Kulisse gegen die zweite Mannschaft des VfB Stuttgart auch in der Höhe verdient mit 1:3. Breier und Vier brachten den „kleinen VfB“ in Hälfte eins mit 2:0 in Führung, Kiefer machte nach dem zwischenzeitlichen Anschlusstreffer durch Grote alles klar. Zu allem Überfluss wurde Münsters Amaury Bischoff in der Nachspielzeit wegen groben Foulspiels mit glatt Rot vom Platz gestellt. Am Vormittag nach der Partie wurde Trainer Pavel Dotchev entlassen.

Halet feiert eineinhalb Wochen nach Herzstillstand Startelfdebüt

Preußens Coach Pavel Dotchev stellte seine Startelf im Vergleich zum 2:2 in Elversberg auf drei Positionen um. Clement Halet, der vor eineinhalb Wochen noch beim Spiel gegen Kiel einen kurzzeitigen Herzstillstand erlitt, ersetzte auf der rechten Abwehrseite den zuletzt schwachen Benjamin Siegert. Zudem rückten Dennis Grote und der gegen Elversberg nach seiner Einwechslung erfolgreiche Mehmet Kara für Kühne bzw. Piossek in die erste Elf. Auch VfB-Trainer Jürgen Kramny würfelte mächtig durcheinander. Kevin Müller hütete für Odissaes Vlachomidos das Tor, zudem spielte Timo Cecen für den verletzten Tobias Rathgeb sowie Manuel Janzer für Erich Berko und Pascal Breier für den gesperrten Marco Grüttner.

Die Preußen, die mit nur sieben Zählern aus den ersten sechs Spielen und damit deutlich unter den eigenen Erwartungen in die Spielzeit gestartet sind, waren zu Beginn des Spiels sehr bemüht. Nach fünf Partien ohne Sieg wollten die Adlerträger endlich ihren zweiten Saisonsieg einfahren und gleichzeitig bei den Fans Wiedergutmachung für die böse 0:3-Klatsche gegen Holstein Kiel vor zwei Wochen betreiben. Konzentriert und auf Vorsicht bedacht ging Münster das Spiel an. Unterstützung erhielten sie dabei von den über 7.000 Zuschauern, die in den ersten Minuten nahezu jeden gewonnen Zweikampf in der Defensive, Balleroberung in des Gegners Hälfte und gute Idee mit Applaus quittierten. Doch als die Preußen erstmals realisierten, dass Geduld alleine heute nicht ausreichen würde, schlugen die Gäste eiskalt zu. Jens Truckenbrod leistete sich die erste kleine Unkonzentriertheit des Spiels, verlor in der eigenen Hälfte zu einfach den Ball, der bei Alexander Riemann landete. Dieser leitete den Ball mustergültig auf Breier weiter, der keine Mühe hatte, den Ball an Preußen-Keeper Daniel Masuch vorbei ins Tor zu befördern.

Vier hält Stuttgarter Defensive stabil

Der SCP wirkte geschockt und fiel in altbekannte Muster zurück. Zu oft ging der Ball viel zu leicht verloren, bezeichnend dafür eine Szene Mitte der ersten Hälfte, als Dominik Schmidt innerhalb weniger Sekunden einen Fehlpass spielte, den wieder zurückkommenden Ball verstolperte und den Gegenspieler anschließend nur noch mit einem Foulspiel stoppen konnte, für die er zurecht die Gelbe Karte erhielt. Spielgestalter Bischoff wurde von der VfB-Defensive komplett aus dem Spiel genommen und bestritt das vielleicht schlechteste Spiel seit seinem Wechsel an die Hammer Straße im vergangenen Jahr. Kamen die Preußen doch einmal gefährlich vors gegnerische Gehäuse, war immer ein Stuttgarter zur Stelle. Besonders Kapitän Daniel Vier zeigte eine hervorragende Leistung und gewann gefühlt jeden Zweikampf. Aber auch offensiv griff er einmal aktiv ins Geschehen ein – und besorgte damit gleich das 2:0. Nach einem Freistoß behinderten sich Masuch und Schmidt gegenseitig und Vier muss nur noch ins leere Tor einschieben. Der zunehmenden Unsicherheit in Münsters Spiel folgte große Unruhe auf den Rängen. Von der anfänglichen Unterstützung war nicht mehr viel zu hören, stattdessen schallte es immer wieder „Aufwachen“-Rufe. Spätestens da dürfte den Spielern klar geworden sein, was sie zum Pausenpfiff erwarten würde: Ein gellendes Pfeifkonzert, welches sogar noch ohrenbetäubender war als vor zwei Wochen gegen Kiel – damals stand es zur Pause 0:3 aus Münsters Sicht.

„Joker“ Kiefer macht den Deckel drauf

Dotchev reagierte und brachte Rogier Krohne für den erneut enttäuschenden Kara. Und tatsächlich wurden die Westfalen nun etwas stärker. Drei Minuten nach Wiederanpfiff setzte der gerade eingewechselte Niederländer einen Kopfball nach Flanke Halet nur knapp am Tor vorbei. Vier Zeigerumdrehungen später keimte dann wieder Hoffnung auf im Preußenstadion. Nach einem Handspiel traf der bis dahin unglücklich wirkende Grote den Ball schön ins linke untere Eck. Münster drängte nun auf den Ausgleich, konnte sich aber nur selten gute Chancen erspielen. Nach einem halbhohen Ball von Truckenbrod hätte Manno das 2:2 erzielen können, scheiterte jedoch an Müller. Fast im Gegenzug machte dann die Zweitvertretung des Deutschen Meisters von 2007 den Deckel drauf. Riemanns Eckball landete beim in der Pause für Cecen gekommenden Kiefer und der schlenzte den Ball perfekt und unhaltbar in den linken Winkel. Die Moral der Preußen war nun endgültig gebrochen, eine Aufholjagd wie noch am 3. Spieltag, als Münster einen 1:3-Rückstand gegen Erfurt aufholen konnte, schien heute zu keinem Zeitpunkt realistisch. Auch nicht in den letzten Minuten des Spiels, wenn zurückliegende Mannschaften traditionell noch einmal die Brechstange auspacken, klappte beim vor der Saison als einer der Aufstiegsaspiranten geltende Sportclub nichts mehr. Stattdessen hätte Berko nach einem schönen Sololauf sogar noch auf 4:1 erhöhen können.

„Wir haben eine Riesenmoral gezeigt“

Der Negativhöhepunkt des Spiels folgte dann in der Nachspielzeit: Bischoff „krönte“ seine Leistung mit einem Platzverweis nach groben Foulspiel und dürfte seinem Team damit einige Wochen fehlen. Für Aufregung sorgte die Reaktion der Stuttgarter Bank, die angeblich die Rote Karte gefordert haben soll. Davon wollte Kramny nach dem Spiel jedoch nichts wissen: „Die Spieler fiebern immer mit, reagieren auf Szenen und springen da auch auf, aber eine Rote Karte haben sie nicht gefordert. Das wäre in der 94. Minute bei einer 3:1-Führung auch Quatsch.“ Stattdessen freute er sich über den dritten Sieg von knapp vier Wochen: „Ich bin natürlich sehr glücklich über den auch in der Höhe verdienten Sieg. Wir haben gut ins Spiel gefunden und mit dem Führungstreffer Münster den Rhythmus genommen. Das Gegentor war unglücklich, aber das Team hat eine Riesenmoral gezeigt“, so Kramny.

Deshalb geht der Sieg alles in allem auch mehr als in Ordnung. Ohne eine solche Münsteraner Vorstellung wäre er in der Form allerdings auch nicht zustande gekommen. Nicht einmal auf den Kampfgeist, der in dieser Saison gegen Leipzig, Erfurt und zuletzt Elversberg immerhin noch jeweils einen Punkt brachte, war noch Verlass; kein Spieler zeigte ab dem ersten Gegentreffer auch nur annähernd seine Normalform. Für Sportvorstand Carsten Gockel und Präsident Dr. Marco de Angelis Grund genug, wenige Stunden später die Reißleine zu ziehen und Dotchev zu entlassen.

FOTO: Marcel Junghanns [Klettermaxe Photographie | Fototifosi]

   
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