Extase beim FCK: Party "bis zum Verlust der Muttersprache"

Der 1. FC Kaiserslautern ist wieder da! Vier Jahre nach dem erstmaligen Abstieg aus der 2. Liga sind die Roten Teufel nach dem Sieg in der Relegation gegen Dynamo Dresden wieder zweitklassig. Nach Abpfiff kannte der Jubel keine Grenzen – vollmundige Party-Ankündigungen inklusive. Gleichzeitig dankten die Beteiligten aber auch Ex-Trainer Marco Antwerpen und fühlten mit Dynamo. 

"Einfach geil"

Um 22:33 Uhr war er nach einer siebenminütigen Spielunterbrechung in der Nachspielzeit (Dynamo-Fans hatten nach dem 0:2 etliche Feuerwerkskörper auf den Rasen geschossen) endlich besiegelt, der Aufstieg in die 2. Liga. 1.472 Tage nach dem letzten Zweitliga-Spiel sind die Roten Teufel zurück im Bundesliga-Unterhaus. Als Schiedsrichter Daniel Siebert die Partie abpfiff, brachen alle Dämme. Sofort rannten Spieler und Trainer zu den 3.000 mitgereisten Fans, rutschten ihnen auf Knien entgegen und wurden frenetisch empfangen. "Nie mehr 3. Liga" und "Der FCK ist wieder da" wurden in Dauerschleife angestimmt, auch das obligatorische "Oh, wie ist das schön" durfte natürlich nicht fehlen.

Die Spieler hüpften, sangen und wussten gar nicht wohin mit ihrer Freude. Zu "Lautern ist der geilste Klub der Welt" sprang die Mannschaft gemeinsam mit den Fans auf und ab. Bilder, wie es sie seit Jahren nicht mehr gegeben hatte. "Was hier abgeht, ist Wahnsinn", konnte es Kapitän Jean Zimmer direkt nach dem Spiel im "Sky"-Interview noch gar nicht richtig fassen. "Ich bin emotional und so kaputt, dass ich noch nicht realisieren kann, was wir geschafft haben." Für ein dickes Lob an die Anhänger reichte es aber noch: "Die Fans standen immer hinter uns. Einfach geil. Wahnsinn, dass wir endlich raus sind aus der 3. Liga."

Dank an Antwerpen

Nach dem 0:0 im Hinspiel sorgen Daniel Hanslik (59.) und Philipp Hercher (90.+2) für den notwendigen Auswärtssieg. "Wir haben alles reingefeuert und sind über die Kotzgrenze hinausgegangen", sagte Aufstiegstrainer Dirk Schuster, der im Moment des großen Erfolgs aber auch seinem Vorgänger dankte: "Marco Antwerpen hat seinen Anteil zum Aufstieg beigetragen. Wir haben das vollendet, was er vorbereitet hat. Jetzt können wir uns alle gemeinsam als Aufsteiger fühlen." Auch Mike Wunderlich richtete einen "Riesendank" an Antwerpen und Co-Trainer Frank Döpper. "Ohne sie wären wir nicht hier hingekommen. Wir haben ihre Arbeit jetzt vergoldet."

Bedanken konnte sich der FCK an diesem Dienstagabend zudem bei Keeper Matheo Raab, der gleich mehrfach sehenswert parierte und damit wie im Hinspiel die Null hielt. "Lautern in der 2. Liga ist ein geiles Gefühl", machte Schuster aus seinen Gefühlen keinen Hehl. Es sei "brutal", wie sich nun alle in den Armen liegen würden. "Die ganze Region hat danach gelechzt, das hat man gespürt bei den Menschen. Die haben alle nur ein Ziel gehabt: Die wollten aus der 3. Liga raus. Ich bin einfach nur stolz, dass wir ihnen dieses Geschenk machen konnten."

 

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Auch Hikmet Ciftci war "unfassbar stolz" auf die Mannschaft. "Der Verein ist in den letzten Jahren durch viel Scheiße gegangen. Mit dieser Saison konnten wir ihnen etwas zurückgeben." Man habe gespürt, "dass was in der Luft liegt", meinte Wunderlich. "Dieser Verein gehört nicht in die 3. Liga. eigentlich auch nicht in die 2. Liga." Durch den Aufstieg, den der 36-Jährige als "absoluten Höhepunkt" seiner Laufbahn bezeichnete, hat sich sein Vertrag automatisch verlängert, wie er bestätigte.

"Stadt wird auseinanderbrechen"

Neben all der Freude über den Aufstieg fühlten die Lautrer aber auch mit Dynamo, das nach nur einem Jahr zurück in die 3. Liga muss. "Schade, dass sie runtergehen müssen", sagte etwa Terrence Boyd bei "Sat.1", während Sportchef Thomas Hengen ergänzte: "So ein Verein gehört in den Profifußball." Klingenburg, der in der Saison 2019/20 selbst für Dresden spielte, glaubt aber "fest daran, dass die wiederkommen".

Und wie wird jetzt gefeiert? Darüber bestand direkt nach Spielende noch nicht bei allen Klarheit: Während Boyd der "besten Busfahrt aller Zeiten" entgegenfieberte und den Mittwoch kurzerhand zum Feiertag ausrief, kündigte Hengen an, "zwei Tage" durchfeiern zu wollen. "Das wird unglaublich. Die Stadt wird auseinanderbrechen." Einer, der ganz vorne mit dabei sein wird, ist wohl Klingenburg. "Weil ich nicht spielen musste, habe ich noch Energie in den Knochen", grinste der 28-Jährige. Auch Kevin Kraus will sich "nicht verstecken, das werden viele Nächte. Heute lassen wir die Sau raus, bis zum Verlust der Muttersprache".

Durch den Aufstieg sei der "schlafende Riese" jetzt erwacht, meinte Boyd. In der kommenden Zweitliga-Saison wollen die Roten Teufel eine "gute Rolle" spielen und mit "sehr viel Freude auftreten", wie Schuster ankündigte. Doch erstmal wird Lautern die Nacht zum Tag machen.

   
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