Müller: "Froh, schon so lange in der 3. Liga kicken zu dürfen"

Im Interview mit liga3-online.de spricht der neue Drittliga-Rekordspieler Robert Müller von der SpVgg Unterhaching über seine insgesamt acht Stationen in der 3. Liga, besondere Merkmale der 3. Liga und Ziele für die abschließenden Jahre seiner Karriere.

"Eine schöne Bestätigung"

liga3-online.de: Mit nun 333 Partien haben Sie sich den ersten Platz im Rekordspieler-Ranking der 3. Liga zurückerobert. Was bedeutet Ihnen das, Herr Müller?

Robert Müller: Es ist eine schöne Bestätigung, dass ich eine Konstante der 3. Liga bin, und eine tolle Momentaufnahme. Man schaut gerne auf eine Liste, in der man selbst ganz oben steht. Allerdings hätte ich mich mehr über einen erfolgreichen Januar für unser Team gefreut. Der zurückliegende Monat ist für uns mit nur einem Punkt aus sieben Spielen leider komplett in die Hose gegangen.

Nach der Saison 2016/17 waren Sie schon einmal Rekordspieler. Seien Sie ehrlich: Sie sind mit dem Wechsel nach Unterhaching im September 2020 nur noch einmal in die 3. Liga zurückgekehrt, um sich den Platz an der Sonne zurück zu erobern!

(lacht) Natürlich bin ich immer auf den größtmöglichen Erfolg aus. Und die Chance, noch einmal in der 3. Liga zu kicken, wollte ich unbedingt wahrnehmen. Das lag aber sicher nicht daran, dass ich vor allem die Rekordspielerliste im Blick hatte.

Im Ernst: Wie kam es im September dazu, dass Sie mittlerweile bei Ihrem achten Verein in der 3. Liga landeten?

Nachdem mein Vertrag bei Energie Cottbus nicht verlängert wurde, war ich zunächst im Camp der Vereinigung der Vertragsfußballer. Unter der Regie von Peter Neururer habe ich mich dort fitgehalten. Der Kontakt nach Unterhaching kam dann zustande, weil sich Kapitän Josef Welzmüller einen Kreuzbandriss zugezogen hatte und der Klub auf der Suche nach einem Ersatz war. Da ich mich in der 3. Liga gut auskenne, passte ich ins Profil und wir einigten uns auf eine Zusammenarbeit.

Zuvor kickten Sie bereits für Carl Zeiss Jena, Holstein Kiel, Hansa Rostock, den SV Wehen Wiesbaden, den VfR Aalen, den KFC Uerdingen und Energie Cottbus drittklassig. Damit sind Sie auch der Spieler mit den meisten Drittliga-Stationen. Was waren die Gründe für Ihre vielen Wechsel?

Im schnelllebigen Fußballgeschäft hat man nicht immer alles in der eigenen Hand. Es gab sicher einige Vereine, wie zum Beispiel Hansa Rostock und Wehen Wiesbaden, bei denen ich gerne länger geblieben wäre. Aber der Fußball ist nun einmal kein Wunschkonzert und manchmal ändern sich Situationen schneller als man denken kann. Ich bin einfach froh, dass ich schon so lange das Privileg habe, in der 3. Liga kicken zu dürfen. Es ist nicht so, dass ich mich darüber ärgere, so viele Tapetenwechsel vollzogen zu haben. Aber mittlerweile bin ich trotzdem oft genug umgezogen. (lacht)

 

"Kann mir gut vorstellen, Trainer zu werden"

Dass Sie die meisten Jahre Ihrer Karriere in der 3. Liga verbrachten, erklärt sich von selbst. Was zeichnet die 3. Liga aus?

Man kann nie prognostizieren, wer auf- und absteigt. Die Liga ist traditionell sehr eng und ausgeglichen – im deutschen Profisport gibt es meiner Meinung nach keine spannendere Spielklasse. Fast jede Woche erleben wir verrückte Spiele. Unsere Partie gegen den SC Verl im Januar war mal wieder das beste Beispiel dafür. Bis zur 85. Minute haben wir 3:1 geführt und dennoch 3:4 verloren. Die 3. Liga zeichnet aber leider auch aus, dass sie für die Vereine wirtschaftlich nicht attraktiv genug ist. Im Gegenteil: Viele Klubs kämpfen um ihre Existenz und müssen bestenfalls schnell aufsteigen, um ihren Fortbestand zu sichern. Beim VfR Aalen habe ich dieses Problem selbst mitbekommen. Sportlich standen wir gut da, durch eine Insolvenz mussten wir aber mit einem Neun-Punkte-Abzug um den Klassenverbleib kämpfen.

Seit der Liga-Gründung im Jahr 2008 verpassten Sie bloß die Drittliga-Spielzeiten 2011/12 und 2019/20. Wie hat sich die Liga in den zurückliegenden Jahren verändert?

Sie ist qualitativ immer noch einmal ein Stück besser geworden. Mit Vereinen wie Hansa Rostock, Dynamo Dresden, dem 1. FC Magdeburg, dem MSV Duisburg oder dem 1. FC Kaiserslautern spielen zahlreiche Schwergewichte des deutschen Fußballs in der 3. Liga, die früher einmal in der 1. Bundesliga gespielt haben und teilweise sogar international am Ball waren. Die meisten Klubs verfolgen das Ziel, irgendwann wieder dahin zu gelangen, wo sie in der Vergangenheit schon einmal waren. Das erhöht den Konkurrenzkampf und gleichzeitig die Attraktivität der Spiele.

Sie sind jetzt 34 Jahre alt. Welche Ziele haben Sie noch als Fußballer?

Erst einmal zählt nur der Klassenverbleib mit der SpVgg Unterhaching. Wir hatten – auf gut Deutsch gesagt – einen beschissenen Start ins neue Jahr und wollen so schnell wie möglich wieder konstant punkten, um unten herauszukommen. Für mich persönlich gilt: Solange mich die Beine tragen, ich mich fit fühle und ich weiterhin Spaß am Fußball habe, will ich auch noch spielen. Ich genieße es weiterhin, Woche für Woche auf dem Platz zu stehen. Allerdings vermisse ich die Fans schmerzlich. Der Fußball lebt von der Stadionatmosphäre und ich kann es kaum abwarten, bis wir wieder vor tausenden Zuschauern spielen dürfen.

Was folgt nach Ihrer aktiven Laufbahn?

Ich kann mir gut vorstellen, Trainer zu werden, und bemühe mich demnächst um meine ersten Trainerscheine. Eigentlich wollte ich damit schon begonnen haben, aber Corona kam dazwischen. Möglich ist auch ein Managementposten bei einem Verein. Aktuell studiere ich Sportmanagement an einer Fernuniversität in Düsseldorf und bereite mich so schon einmal auf die Zeit nach meiner Spielerkarriere vor. Aber wie gesagt: Noch denke ich nicht ans Aufhören. Mindestens zwei Jahre möchte ich auf jeden Fall noch kicken.

   
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