Marchese: "Haben uns einfach zu dämlich angestellt"

In einer spektakulären Partie unterlagen die Stuttgarter Kickers am Samstag Dynamo Dresden mit 3:4. Die Schwaben konnten dabei den zwischenzeitlichen 1:3-Rückstand ausgleichen, obwohl sie nach der roten Karte gegen Fabian Baumgärtel wegen grober Unsportlichkeit ab der 60.Minute in Unterzahl spielten. Die Kickers bewiesen also wieder einmal tolle Moral, wurden jedoch am Ende nicht dafür belohnt. Während die Fans ihre Mannschaft für das spektakuläre Spiel feierten, regierten bei den Kickers-Profis nach der Partie Frust, Wut und Enttäuschung. "Wir müssen uns heute an die eigene Nase fassen, weil wir uns in vielen Situationen einfach zu dämlich angestellt haben“, meint Kapitän Enzo Marchese nach dem Spiel. liga3.online.de erklärt im folgenden Artikel, was der Italiener mit diese Aussage meint.

Umstellungen wenig erfolgreich

Nach der Niederlage gegen Cottbus, bei der keine Spieler Normalform erreichte, musste die Mannschaft eine Reaktion zeigen. Trainer Horst Steffen, der ansonsten kein Fan von Rotation ist, stellte seinen Kader gleich auf vier Positionen um. Im Tor durfte Mark Redl sein Startelf-Debüt in der Saison feiern und Korbinian Müller musste auf der Bank Platz nehmen. Ebenso spielten Manuel Fischer, Fabian Gerster und Nick Fennell von Beginn an. Besonders glücklich waren die Wechsel allerdings nicht. Redl musste gleich vier Mal hinter sich greifen und konnte sich kaum auszeichnen, Fischer musste schon zur Halbzeit wieder Edwini-Bonsu weichen, der deutlich mehr Schwung in den Kickers-Angriff brachte. Fennell traf in das eigene Tor zum 1:3 und blieb wie auch Fabian Gerster ansonsten unauffällig. „Man hat heute gesehen, dass wir von der Bank nichtmehr wirklich nachlegen können. Wir spielen im Moment einfach am Limit“, sagte Sportdirektor Michael Zeyer, der auch die Laufleistung seiner kompletten Mannschaft kritisierte. So oder so, man hat auch gegen Dresden gesehen, dass die Mannschaft sich schwer tut, die Ausfälle von Braun, Badiane und Soriano zu kompensieren.

Unnötige rote Karte

Als wäre es also nicht schon schwer genug, drei Stammspieler zu ersetzten, schwächen die Blauen sich auch noch selber. Fabian Baumgärtel sah kurz nach dem 3:1 für Dresden die rote Karte, da er eine strittige Freistoß-Entscheidung des kleinlich pfeifenden Schiedsrichters nicht akzeptieren wollte. Damit hatte er seiner Mannschaft einen Bärendienst erwiesen. Sportdirektor Zeyer hatte kein Verständnis für diese Unsportlichkeit seines Abwehrspielers. "Ich bin stinksauer wegen der roten Karte. Wenn man aufsteigen will, darf man sich so etwas einfach nicht erlauben, da es auch die ganze Mannschaft schwächt. Daraus könnte man auch deuten, dass nicht jeder Spieler um jeden Preis aufsteigen will“, redet Zeyer Klartext. Diese rote Karte war einer dieser Aktionen, die Enzo Marchese als „völlig unnötig“ beschrieb.

Dresdner Tore zum richtigen Zeitpunkt

Völlig unnötig aus SVK-Sicht waren aber auch die vier Gegentore. Beim 1:0 für die SGD darf Niklas Kreuzer beispielsweise seelenruhig durch Mittelfeld der Blauen spazieren, ohne angegriffen zu werden.  Nachdem man sich gerade zurückgearbeitet hat, kassiert man ein direktes Freistoßtor durch Stefaniak, bei der die Mauer auch nicht entschlossen genug hoch springt. In der zweiten Hälfte waren die Blauen wieder die tonangebende Mannschaft, bis Fennell ins eigene Netz köpfte. Das vierte Tor durch Hartmann wäre ebenso vermeidbar gewesen, da der Ball in den Fünf-Meter-Raum geflankt wird. Neben der roten Karte kommen also noch vier unnötige Gegentore hinzu, welche die Gäste immer in der Phase schossen, in der die Kickers wieder die spielbestimmende Mannschaft waren. Daniel Engelbrecht sprach von einer der schmerzlichsten Niederlagen der Saison. "Schließlich hatten wir nach dem 1:3 in Unterzahl eine tolle Moral gezeigt und durch Edwini-Bonsu noch die Chance zum 4:3 gehabt“, war Engelbrecht enttäuscht. Auch Dynamo-Trainer Peter Nemeth meinte: "Wir hätten das Spiel in der Schlussphase sogar noch verlieren können.“ Die Sachsen waren am Ende auch der etwas glücklichere Sieger an einem tollen Fußball-Nachmittags. Daran hatten auch die 8.000 Fans ihren Anteil, die für eine tolle Stimmung sorgten und dieses verrückte Fußballspiel wohl lange nicht vergessen werden.  Während die Gäste durch den Sieg auf den zehnten Tabellenplatz vorklettern, wird der Aufstieg der Kickers nach der zweiten Niederlage in Folge immer unwahrscheinlicher.

 

   
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