Marc Heider: Kampfpilot konnte er nie werden

In unserer Storyserie "Vorgestellt" stellen wir die Spieler der 3. Liga einmal genauer vor. Welche Menschen stecken hinter den Fußballern? Was machen die Profis, wenn Sie nicht gerade auf dem Platz stehen? Wir sprechen mit den Drittliga-Kickern und werfen einen Blick hinter die Kulissen des Alltags eines Fußballers. Heute: Marc Heider, deutsch-amerikanischer Torjäger beim VfL Osnabrück.

Für das Team beißt Heider auf die Zähne

Obwohl Marc Heider seit längerer Zeit an einem Meniskusriss laboriert, beißt er auf die Zähne. Der 31-jährige Angreifer des VfL Osnabrück steht Woche für Woche in der Startelf und gehört beim VfL zu den absoluten Leistungsträgern. In der jüngsten Partie bei Schlusslicht Rot-Weiß Erfurt (4:4) überzeugte Heider mit einem Tor und einer Vorlage. Gemeinsam mit Marcos Alvarez ist der Außenstürmer der beste Torschütze im Osnabrücker Kader. Beide trafen bisher achtmal.

Vermutlich erst nach der Saison will sich Heider am beschädigten Knie operieren lassen: "Es ist sicher nicht schön, mit Schmerzen im Knie zu spielen. Ich will der Mannschaft aber so lange wie möglich helfen. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, die OP nach hinten zu verschieben. Ich werde versuchen, bis zum Saisonende durchzuhalten“, erklärt Heider im Gespräch mit liga3-online.de. Würde sich Heider jetzt operieren lassen, wäre die Saison wohl gelaufen. Nach einer Meniskus-OP sollte mit einer Zwangspause von vier bis sechs Wochen gerechnet werden.

Erst kürzlich bis 2019 verlängert

Bereits jetzt steht fest, dass Osnabrück auch in der nächsten Saison mit Heider planen kann. Vor rund einem Monat verlängerte der beidfüßige 1,87 Meter große Stürmer seinen Vertrag vorzeitig bis Juni 2019. Dass er sich beim VfL, der in dieser Saison unter seinen Erwartungen bleibt und nur auf Platz 16 rangiert, wohl fühlt, ist kein Wunder. Heider ist im rund 30 Kilometer von Osnabrück entfernten Recke aufgewachsen. Dort lebt seine Familie auch heute noch.

Außerdem war Heider bereits im Nachwuchsbereich für die Lila-Weißen am Ball. Von 2003 bis 2005 lernte er beim VfL das Kicken. Im Anschluss daran machte er bei Osnabrück seine ersten Schritte im Profibereich. 2006 folgte der Wechsel zur U23 des SV Werder Bremen. Insgesamt zehn Jahre sollte Heider nun woanders spielen, bevor er 2016 von Holstein Kiel wieder nach Osnabrück wechselte und damit in seine Heimat zurückkehrte. "Es war ein Traum von mir, wieder für den VfL an der Bremer Brücke zu spielen. Das ist etwas ganz Besonderes für mich", so Heider, der 2016 nicht lange überlegen musste, als Osnabrück Interesse zeigte: "Ich wusste sofort, dass die Rückkehr zum VfL das ist, was ich will."

Sehschwäche lässt Traum platzen

Als Kind hatte Heider noch andere Träume. Lange Zeit wollte er gerne den Beruf von seinem Vater ausüben, der viele Jahre Kampfpilot war. "Mein Vater war als Kind mein Vorbild. Ich habe es immer genossen, wenn ich mit ihm auf das Fluggelände durfte", erinnert sich Heider an seine Kindheit zurück. Schon früh stand aber fest, dass Heider nie Kampfpilot werden kann. Grund dafür ist seine Rot-Grün-Sehschwäche, die ihn sein Leben lang begleiten wird.

Wegen des Jobs seines Vaters wurde Heider übrigens nicht in Deutschland geboren. Die ersten Monate seines Lebens verbrachte er in Sacramento, USA. Als Heider sechs Jahre alt war, ging es noch einmal für ein halbes Jahr in die USA. "Die Zeit in den USA hat mir sehr gut gefallen. Das Land ist extrem schön und sehenswert“, so Heider, der auch in den Staaten natürlich fleißig Fußball gespielt hat.

Alles dreht sich um Fußball

Fleißig Fußball spielt Heider aktuell nicht nur beruflich beim VfL Osnabrück, sondern auch privat mit seinen Kindern Kian (5) und Miley (2). Um sich vom Alltag als Profi-Fußballer abzulenken, spielt Heider also Fußball mit seinen Kids. Da muss er auch selbst lachen: "Was soll ich machen? Selbst für die erst zweijährige Miley gibt es nichts Größeres, als mit mir zu kicken."

Andere Hobbies als seine Familie hat Heider, der seit 2011 mit seiner Frau Justine verheiratet ist, nicht. Die will er aber auch gar nicht haben: "Ich genieße jede freie Sekunde mit meiner Familie." Und wenn man mal ehrlich ist: Viel Zeit für Hobbies bleibt einem Profifußballer und zweifachen Familienvater auch gar nicht – erst Recht, wenn man sich wie Heider nebenbei noch ein zweites Standbein aufbaut. Der Torjäger ist dabei seine B- und A-Lizenz als Fitnesstrainer zu erwerben und will dem Sport nach seiner aktiven Laufbahn unbedingt verbunden bleiben.

Karriere-Highlight soll noch kommen

An die Zeit nach seiner Karriere will Heider aber noch nicht denken. Erst einmal verfolgt er als Fußballer noch ein großes Ziel. Heider möchte dorthin, wo er noch nie war – in die 2. Bundesliga. Mit Holstein Kiel hatte er es in der Saison 2014/15 fast geschafft. Doch in der Relegation scheiterte Kiel am TSV 1860 München (0:0/1:2).

"Wenn ich in die 2. Bundesliga aufsteige, wäre das für mich das Karriere-Highlight“, betont Heider, der sich diesen Traum am liebsten mit dem VfL Osnabrück erfüllen würde: "Das wäre am allerschönsten. Der VfL gehört mit den Fans und dem Umfeld auch in die 2. Liga. Ich hoffe, dass wir nächste Saison wieder weiter oben mitspielen können.“ Und wer weiß: Vielleicht kann Osnabrück ja auch schon wieder ganz oben angreifen.

Erst einmal geht es aber darum, in dieser Saison die Klasse zu halten. Bei noch sieben ausstehenden Spielen beträgt der Vorsprung auf die Abstiegszone acht Punkte. Nach zuletzt fünf Partien ohne Sieg will der VfL am Samstag (ab 14 Uhr) gegen Hansa Rostock wieder dreifach punkten. Angreifer Heider möchte seinem Team dabei helfen – mit Meniskusriss und Tor(en).

   
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