Kwasniok: "Langsam bekommt man schwitzige Hände"

Im Interview mit liga3-online.de spricht Lukas Kwasniok, Cheftrainer von Drittliga-Aufsteiger 1. FC Saarbrücken, über das anstehende DFB-Pokalhalbfinale gegen Bayer 04 Leverkusen am Dienstagabend (ab 20.45 Uhr live in der ARD), die Rückkehr in die 3. Liga und die Lage bei seinem Ex-Klub Carl Zeiss Jena.

liga3-online.de: Aufstieg in die 3. Liga, riesiger Medienrummel vor dem anstehenden DFB-Pokal-Halbfinale gegen Bayer 04 Leverkusen, aber seit Monaten kein Pflichtspiel absolviert: Die aktuelle Situation ist für den 1. FC Saarbrücken – in mehrerer Hinsicht – außergewöhnlich, oder Herr Kwasniok?

Lukas Kwasniok: Das stimmt. Allerdings fühlt es sich aktuell einfach nur wie ein langes Trainingslager an. Wie außergewöhnlich es wirklich ist, werden wir erst merken, wenn die Partie gegen Leverkusen angepfiffen wurde.

Am Dienstagabend bestreitet der FCS gegen Leverkusen eines der größten Spiele der Vereinsgeschichte. Wie lief die Vorbereitung darauf?

Es war sicher nicht einfach, im Training schon viele Wochen vorher den Fokus komplett auf ein Spiel zu legen. Priorität hatte anfangs zunächst, dass unsere Jungs wieder einen Top-Fitnesszustand erreichen, ohne dabei zu überlasten. Das haben wir mit einem Blocktraining geschafft. Nach vier Tagen mit intensiven Einheiten gab es drei Tage Pause. Spätestens seitdem wir nun in Quarantäne sind, gilt der Fokus nur noch der Partie gegen Leverkusen. Die Anspannung ist in der letzten Wochen täglich gestiegen und so langsam bekommt man schwitzige Hände.

Während Bayer 04 schon seit Wochen wieder Pflichtspiele bestreitet, konnte Saarbrücken bloß trainieren. Ein großer Nachteil?

Wir haben insgesamt nicht allzu viele Vorteile. Das Kernproblem ist, dass Leverkusen außerordentlich guten Fußball spielt. (lacht) Dass wir nur trainieren durften, lässt sich nicht ändern und wir werden nicht jammern. Außerdem glaube ich, dass das nach einer gewissen Spielzeit ohnehin keine große Rolle mehr spielt. Wichtig wird sein, dass wir die Anfangsviertelstunde überleben und uns in die Partie "reinfuchsen". Dann ist alles möglich.

Auch das leere Stadion ist alles andere als ein Vorteil.

Wir werden unseren zwölften Mann in Form einer atemberaubenden Pokalatmosphäre definitiv vermissen. Allerdings wird es für Bayer 04 trotzdem eine unangenehme Aufgabe sein, in Völklingen zu spielen. Die Rahmen- und Platzbedingungen in diesem Stadion sind für ein Bundesligateam ungewöhnlich.

 

"Lieber widerlich, als wieder nicht"

Es ist die vierte Halbfinalteilnahme der Klubhistorie, der erstmalige Einzug ins Endspiel ist möglich. Wie wollen Sie den großen Favoriten aus Leverkusen knacken?

Frei nach dem Motto: Lieber widerlich, als wieder nicht. (lacht) Wir wollen einmal mehr ein ekliger Gegner sein, der den eigenen Strafraum wie eine Festung verteidigt. Nur, wenn wir Bayer 04 von Beginn an mürbe machen, haben wir eine Chance.

Was passiert in Saarbrücken, wenn tatsächlich das Finale erreicht wird? Wird dann die größte Party mit Abstand, die es je gab, veranstaltet?

Wir tun gut daran, uns erst einmal auf das Spiel zu konzentrieren – und nicht mit Feierlichkeiten im Falle einer weiteren Sensation. Wenn wir aber tatsächlich ins Endspiel einziehen sollten, wird uns spontan schon etwas einfallen. Da bin ich mir sicher.

Auch eine Aufstiegsfeier mit den Fans steht wegen Corona noch aus. Die 3. Liga kennen Sie bereits aus Ihrer Zeit als Trainer bei Carl Zeiss Jena. Wie groß ist die Freude über die schnelle Rückkehr?

Es geht nicht um mich, sondern um den 1. FC Saarbrücken. Der Verein hat lange auf die Rückkehr in den Profibereich gewartet und ich bin sehr glücklich, dass wir es jetzt geschafft haben. Ziel ist, den Klub in der 3. Liga zu etablieren.

Verfolgen Sie das Drittliga-Geschehen und die Lage bei Ihrem Ex-Klub Jena intensiv?

Natürlich, bis September letzten Jahres war ich ja noch bei Jena im Amt. Zu vielen Spielern habe ich weiterhin guten Kontakt. Es ist sehr schade, dass das Team mit großer Wahrscheinlichkeit absteigen wird. Ich bin immer noch der Meinung, dass unsere Grundidee im zurückliegenden Sommer mit dem Aufbau einer jungen Mannschaft die richtige war. In der 3. Liga sollten in jedem Team vor allem U25-Spieler auf dem Platz stehen. Es ist uns aber leider nicht gelungen, um die Jüngeren herum eine Achse mit erfahrenen Spielern zu bilden.

Traditionell geht es in der 3. Liga sehr eng zu. Welche Teams haben die größten Aufstiegschancen?

Ich denke, dass sich der MSV Duisburg auf den Aufstiegsplätzen behaupten wird. Den Stolperstart nach dem Re-Start hat die Mannschaft hinter sich gelassen, nach dem jüngsten 2:1-Sieg gegen Chemnitz wird der MSV nun wieder ins Rollen kommen. Außerdem traue ich dem FC Ingolstadt den sofortigen Wiederaufstieg zu. Aber wie Sie schon sagen: Es ist so eng in der 3. Liga, dass auch Teams aus der unteren Tabellenhälfte noch aufsteigen können und Prognosen wahnsinnig schwer sind. Vielleicht liege ich meinen Tipps am Ende auch komplett daneben. (lacht)

   
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