Krämer im Interview: "Fürchten uns nicht vor hohen Ansprüchen"

Von

© imago/Revierfoto

Im Interview mit liga3-online.de spricht Uerdingens Cheftrainer Stefan Krämer über die aktuelle Siegesserie, den bisherigen Saisonverlauf, einen möglichen Durchmarsch in die 2. Liga und das Restprogramm im Kalenderjahr 2018, das es in sich hat.

"Wort 'Durchmarsch' gefällt mir nicht"

liga3-online.de: Nach drei Niederlagen gab es nun drei Siege ohne Gegentor in Folge. Wieso läuft es für Ihre Mannschaft jetzt wieder rund, Herr Krämer?

Stefan Krämer: Es ist im Fußball nicht so, dass man einfach so auf einen Knopf drücken kann und schon wird alles besser. Das würde der 3. Liga auch nicht gerecht werden. In dieser Liga kann man jedes Spiel gewinnen, aber auch verlieren. Um konstant erfolgreich zu sein, braucht es zum einen das nötige Selbstvertrauen. Zum anderen muss man aber auch dazu in der Lage sein, nach Niederlagen richtig zu reflektieren und Veränderungen vorzunehmen – nicht nur personell, sondern auch taktisch. Nach der Niederlagenserie haben wir beispielsweise unsere Verhaltensweise im Spielaufbau verändert. Wir haben analysiert, in welchen Räumen wir die meisten Ballverluste hatten und uns Lösungen überlegt, wie wir nach vorne gelangen, ohne so häufig in diese Räume zu spielen. Wir sind nun wieder stabiler und agieren sicherer. Gepaart mit dem zurückgekehrten Selbstvertrauen und einem Quäntchen Glück, das man immer braucht, konnten wir die zurückliegenden Partien für uns entscheiden.

Durch die Siegesserie ist der KFC wieder auf Relegationsplatz drei vorgerückt, der Rückstand auf Spitzenreiter VfL Osnabrück beträgt gerade einmal drei Zähler. Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Saisonverlauf?

Insgesamt bin ich sehr zufrieden. Wir arbeiten vernünftig gegen den Ball, das beweisen auch die erst 18 kassierten Gegentore. Beim Spiel mit Ball ist dagegen noch viel Luft nach oben – aber das ist ganz normal. Die Mannschaft wurde im Sommer ganz schön durcheinandergewirbelt, auch erfahrene Bundesliga- und Zweitligaprofis wie Dominic Maroh und Kevin Großkreutz müssen sich erst einmal an die 3. Liga gewöhnen. Mit unserer aktuellen Tabellenplatzierung kann ich gut leben. Unser Ziel war, zur Winterpause auf einer Position zu stehen, aus der wir noch alle Möglichkeiten haben, oben anzugreifen. Stand jetzt sieht es sehr gut aus.

Der KFC hat deutlich gemacht, dass der Aufstieg in die 3. Liga für die hohen Ansprüche des Vereins noch nicht genug ist. Glauben Sie an den Durchmarsch in die 2. Liga?

Das Wort "Durchmarsch" gefällt mir erst einmal gar nicht. Wer nämlich glaubt, man kann durch die 3. Liga einfach so durchmarschieren, lebt realitätsfern. Die 3. Liga ist gespickt mit vielen Teams, die hoch wollen. Wer nicht dazu bereit ist, in jeder einzelnen Partie an sein Limit zu gehen, wird auch nichts reißen. Aber klar: Wir als Team wissen, dass der Verein hohe Ansprüche hat. Davor fürchten wir uns auch nicht. Wir sind uns im Klaren, dass wir das Zeug dazu haben, direkt nach dem Aufstieg bis zum Saisonende eine gute Rolle in der 3. Liga zu spielen.

 

"Wir sind also gewarnt"

Die restlichen drei Begegnungen vor der Winterpause sind allesamt gegen Teams, die ebenfalls den Anspruch haben, oben mitzuspielen. Zunächst hat der KFC am Samstag den FC Hansa Rostock zu Gast, danach geht es zum SV Wehen Wiesbaden und zur SpVgg Unterhaching. Wie bewerten Sie dieses schwierige Programm?

Jedes Spiel – und das ist keine Floskel – stellt dich vor viele Fragen, auf die du Antworten finden musst. Dabei ist es ganz egal, ob man gegen den Tabellenführer oder den Tabellenletzten spielt. Natürlich stehen uns schwierige Spiele bevor. Das wäre aber auch so, wenn die nächsten drei Gegner alle unten drin stehen würden. Eintracht Braunschweig ist beispielsweise seit vielen Wochen Schlusslicht, hat aber eine sehr starke Mannschaft. Es war brutal schwer, dort zu gewinnen. Das hat auch Spitzenreiter VfL Osnabrück zu spüren bekommen, der mit Ach und Krach einen 4:3-Sieg bei der Eintracht geholt hat. Man muss verstehen und verinnerlichen, dass es in der 3. Liga, die mit ihrer unglaublichen Ausgeglichenheit nun einmal sehr speziell ist, keine einfachen Spiele gibt.

Der F.C. Hansa knöpfte dem VfL Osnabrück zuletzt beim 1:1 ein Remis ab. Wie schätzen Sie den Gegner ein und wo sehen Sie die Stärken bei Rostock?

Den F.C. Hansa Rostock hatte ich von Saisonbeginn an als ein Team auf dem Zettel, das um den Aufstieg mitspielen wird. Mein Trainerkollege Pavel Dotchev hat eine gestandene und robuste Drittligatruppe beisammen, die offensiv sehr gefährlich ist, aber auch gut gegen den Ball arbeitet. Das 1:1 gegen Osnabrück war ein ansehnliches Spiel, das als Zuschauer Spaß gemacht hat. Wenn eine Mannschaft den Sieg verdient gehabt hätte, dann war das Meiner Meinung nach Rostock. Wir sind also gewarnt und wissen, was für ein spielstarker Gegner auf uns zukommt.

Wie sieht die Personallage vor dem Spiel am Samstag aus?

Neben den Langzeitverletzten Mario Erb, Dennis Daube und Ali Ibrahimaj müssen wir krankheitsbedingt auf Dominic Maroh verzichten. Außerdem ist Kevin Großkreutz gelbgesperrt. Wieder zum Kader gehören dagegen wieder der zuletzt gelbgesperrte Stefan Aigner und Oguzhan Kefkir nach überstandener Krankheit. Beim noch angeschlagenen Johannes Dörfler ist der Einsatz fraglich. Ob er spielen kann, entscheidet sich kurzfristig.

   

Hinweis: Seit dem 25. Mai gilt unsere neue Datenschutzerklärung.