Kommentar: Schiri bei Hansa gegen den VfL fehlte das Gespür

8.500 Fans im Stadion und rund 170.000 Zuschauer bei der TV-Übertragung des NDR wurden am Samstag Augenzeuge einer nicht ganz gewöhnlichen Partie zwischen dem F.C. Hansa Rostock und dem VfL Osnabrück. Während sich die Hansa-Kogge am Ende über einen Punkt im Verfolgerduell freute, stand nach den 90 Minuten vor allem der Schiedsrichter Tobias Stieler im Mittelpunkt der Diskussionen. Zwei Elfmeter, eine 13-minütige Spielunterbrechung und gleich drei Platzverweise lassen auf einen ereignisreichen Nachmittag schließen. Doch der Reihe nach. Nach nicht mal zwei Minuten entschied der 32-jährige Referee auf Strafstoß. Stanislav Iljutcenko lief auf das Tor der Rostocker zu, Hansa-Keeper Hahnel kam aus dem Strafraum, traf den Ball nicht richtig und beförderte ihn unfreiwillig in Richtung Elfmeterpunkt. Dort kam Iljutcenko wieder an den Ball, wurde jedoch von  Shervin Radjabali-Fardi von den Beinen geholt. Wie die TV-Bilder später zeigten, war dies ein eindeutiger Elfmeter. Die nächste Szene ließ keine 20 Minuten auf sich warten: Nach einer Flanke aus dem Halbfeld in den Strafraum der Rostocker schien die Situation geklärt zu sein, doch die Hanseaten verloren den Ball rund 20 Meter vor dem Strafraum wieder. Hohnstedt wurde schließlich mit einem langen Ball geschickt und im Strafraum von Alexandre Mendy zu Fall gebracht. Auch hier war schnell klar: Eindeutiger Elfmeter. Nicht mal Mendy selbst beschwerte sich beim Schiedsrichter.

Zwei umstrittene Platzverweise

Deutlich kontroverser wurden die beiden Platzverweise kurz vor der Halbzeitpause diskutiert. Nach einem eher harmlosen Foul von Milorad Pekovic in der 33. Minute an Stanislav Iljutcenko entschied Schiri Stieler auf glatt Rot für den Rostocker. Was genau den Unparteiischen zu dieser Entscheidung verleiten ließ, wurde auch beim Blick auf die TV-Bilder nicht klar. Wahrscheinlich könnte der erfahrene Mittelfeldspieler der Rostocker den Linienrichter mit einer abfälligen Geste (möglicherweise auch verbal) beleidigt haben. Wenngleich die Schiedsrichter vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) vermehrt dazu angehalten werden, solche Situationen konsequent mit einem Platzverweis zu bestrafen, scheint diese Entscheidung durchaus etwas hart zu sein. Dies gilt vor allem auch für den zweiten Platzverweis in der 41. Minute, als Sascha Schüneman den Osnabrücker Stanislav Iljutcenko unsanft von den Beinen holte. Zwar musste Iljutcenko verletzt ausgewechselt werden, der Platzverweis war jedoch dennoch etwas zu hart. Kurz vor Ende flog der eingewechselte Osnabrücker Pascal Testroet mit gelb-rot vom Platz. Diese Entscheidung war gerechtfertigt.

Fingerspitzengefühl fehlte

Die Stimmung im weiten Rund war nun erst recht erhitzt und sorgte in der 51. Minute für eine rund 13-minütige Spielunterbrechung. Nachdem der Osnabrücker David Pisot vom eigenen Mitspieler im Strafraum umgerannt wurde, blieb der Verteidiger liegen. Kurz danach flogen aus dem Rostocker Fanblock Gegenstände auf den Platz, weshalb Tobias Stieler die Mannschaften in die Kabinen schickte und zudem klar machte, dass er die Partie bei weiteren Würfen von Gegenständen abbrechen werde. Insgesamt hatte der Schiedsrichter einige knifflige Entscheidungen zu treffen, die zum Teil vollkommen richtig, zum Teil aber etwas zu hart waren. Mehr Fingerspitzengefühl seitens des Referees , etwa ein längeres Abwarten nach den Szenen, die zu den Platzverweisen geführt haben, hätte sicherlich zu mehr Ruhe im Stadion geführt.

Die Partie in Fotos:

 

FOTOS: Flohre Fotografie

 

   
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