Kommentar: Hut ab, SC Paderborn!

Am 20. Mai sportlich in die Regionalliga abgestiegen, hat der SC Paderborn nach einer überragenden Hinrunde die 2. Bundesliga im Visier und steht im DFB-Pokal erstmals in seiner 111-jährigen Vereinsgeschichte unter den letzten Acht. Wow! Hut ab, SC Paderborn. Ein Kommentar.

Überragende Zweikämpfquote, überragende Fitness

Es war einer dieser Tage, die der SC Paderborn in den letzten zwei Jahren nur selten erlebte: DFB-Pokal, Flutlicht, ein mit 14.500 Paderbornern ausverkauftes Stadion und die Chance, Geschichte zu schreiben. Wäre es am Dienstag gegen den FC Ingolstadt allein nach der Form beider Teams in den letzten Spielen gegangen, hätte der Zweitligist die Partie wohl für sich entschieden. Doch was der SCP vor heimischer Kulisse zeigte, war schlicht beeindruckend – und die Krönung einer irren Hinrunde. Im letzten Spiel des Jahres sprühten die Ostwestfalen nur so vor Spielwitz, ein Klassenunterschied war nicht zu erkennen. Vor allem in den direkten Zweikämpfen war Paderborn dem FCI deutlich überlegen und gewann gefühlt 80 Prozent der Duelle – der Grundstein für den Erfolg.

Besonders Robin Krauße verdiente sich als Abräumer im Mittelfeld Bestnoten. Und wenn der Ball erstmal in den eigenen Reihen war, ging es überfallartig und schnörkellos nach vorne. Damit kam der FC Ingolstadt nicht zurecht. Auch in Sachen Einsatz und Leidenschaft waren die Ostwestfalen den Schanzern um einiges voraus. Obwohl der SCP am Dienstagabend sein 27. Pflichtspiel in der laufenden Saison bestritt (Ingolstadt kommt auf 21), war die Elf von Trainer Steffen Baumgart deutlich fitter und sich selbst in der umkämpfen Schlussphase nicht zu schaden, jedem Ball hinterher zu laufen. So pflügten die Blau-Schwarzen den Rasen regelrecht um und zogen hochverdient in das Viertelfinale des DFB-Pokals ein.

"Der SCP ist wieder da"

Vor allem Trainer Steffen Baumgart muss dabei der allerhöchste Respekt gezollt werden. Was er aus dem SC Paderborn in den vergangenen Monaten gemacht hat, ist schlicht phänomenal und gleicht einem Märchen. Saisonübergreifend gewannen die Ostwestfalen unter Baumgart 26 von 34 Spielen und erzielten dabei unglaubliche 87 Tore – was für eine irre Bilanz. Und: Es ist Baumgarts Verdienst, dass sich Paderborn überhaupt für den DFB-Pokal qualifiziert hat. Denn das Westfalenpokal-Endspiel gegen die Sportfreunde Lotte fand fünf Tage nach dem bitteren Abstieg in die Regionalliga statt. Und dennoch gelang es dem 45-Jährigen, seine damalige Mannschaft noch mal heiß zu machen. Allein das beschreibt die Erfolgsgeschichte des SCP mehr als treffend. Es ist die Wiederauferstehung eines Klubs, der sportlich und finanziell am Ende war. Oder anders gesagt: Ende Mai stand Paderborn vor einem enormen Scherbenhaufen und war quasi tot. Nun hat der SC Paderborn – auch dank Manager Markus Krösche – wieder eine echte Perspektive und kann mit großer Vorfreunde in die Rückrunde gehen.

Auch aus finanzieller Sicht war der Sieg gegen Ingolstadt goldwert, spült er doch weitere 1,273 Millionen in die Kassen. Insgesamt hat der SCP im DFB-Pokal der laufenden Saison nun schon rund drei Millionen an Prämien und Zuschauereinnahmen eingenommen. Enorm viel Geld für einen Drittligisten. "Der SCP ist wieder da", schallte es am Dienstagabend nach Abpfiff durch die Benteler-Arena. Viele Anhänger dürften dabei eine Gänsehaut und Tränen in den Augen gehabt haben. Denn auf welche Art und Weise der SCP der Hölle Regionalliga entkommen ist, ist nach wie vor kaum zu fassen. Vieles deutet darauf hin, dass der SCP in der kommenden Saison wieder in der 2. Bundesliga spielen wird – und das nach dem Sturz in die Bedeutungslosigkeit im vergangenen Mai. Das verdient große Anerkennung, das verdient viel Lob. Hut ab, SC Paderborn.

 

   
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