Kommentar Hansa: Endlich ein Sieg und das wichtige Wir-Gefühl

Abstiegsangst. Tiefpunkt. Untergang. Das waren die gängigen Wörter im Zusammenhang mit dem F.C. Hansa Rostock in den letzten Wochen. Vieles gelang nicht. Die Mannschaft war bemüht, belohnte sich allerdings letztlich nie selbst. Am 16. Spieltag beim Heimspiel gegen den VfL Osnabrück das gleiche Bild: Hansa spielt gut, der Gegner trifft. Bis zur 90. Minute steht es 0:2 doch dann trifft Hansa Stürmer Mustafa Kucukovic mit einem Doppelpack und seinen Saisontoren eins und zwei zum 2:2. Ein Knackpunkt?

Wellenbewegungen

Der Tenor war klar: Nach dem gefühlten Sieg gegen Osnabrück sollte im Heimspiel gegen die zweite Vertretung des VfB Stuttgart endlich wieder ein „echter“ Sieg folgen. Die Stimmung an der Ostseeküste schien sich zu bessern. Doch dann der große Schock: Am Mittwochnachmittag beim Training verletzte sich der neue Kopf des Teams, Aleksandar Stevanovic, am Knöchel. Der erste Verdacht: Syndesmosebandriss und mehrere Wochen Pause. Plötzlich war die Stimmung wieder im Keller. Typisch für das Rostocker Leben, typisch für die Kogge. Fehlende Kontinuität und mangelnde Ruhe. Wellenbewegungen. Auf Wellenberg folgt ein Wellental etc.. Auch dieses Mal traf das Gesetz der Serie zu. Glücklicherweise gab es dieses Mal mehrere Wellenberge am Stück.

Ein besonderes Gefühl

Zuerst die Präsentation des neuen Sportdirektors Uwe Klein, der damit auch endlich Coach Peter Vollmann von den Aufgaben des Sportdirektors erlösen konnte und dann auch noch eine Stunde vor Anpfiff der Partie gegen den VfB Stuttgart II die erfreuliche Nachricht, dass Stevanovic spielen konnte. Und wie. Um 14.02 Uhr endlich wieder Jubel im Ostseestadion. Hansas Regisseur trat den ersten Freistoß butterweich in den Strafraum und Marcel Ziemer nickte gekonnt ein. Noch am Freitag betonte Rostocks David Blacha im Interview mit den NNN, wie wichtig es wäre, dass erste Tor zu erzielen. Gesagt getan. Ein wichtiges Tor und doch wusste jeder leidgeprüfte Hansafan, dass zu diesem Zeitpunkt noch mindestens 89 Minuten zu spielen waren. Von Unsicherheit keine Spur und endlich blitzte das große Potential der Hanseaten auf. Ein wichtiges Tor vor der Pause bei Ziemers zweitem Streich sorgten nochmals für einen Wellenberg doch auch das Gegentor in Hälfte zwei brach nicht den Rostocker Willen zum Sieg. Spätestens nach Ziemers drittem Treffer war ein Hauch von Ruhe zu spüren. Doch damit noch nicht genug, denn auch Mustafa Kucukovic traf erneut in der Nachspielzeit zum viel umjubelten 4:1. Das Gefühl danach war natürlich ein besonderes. Endlich ein Heimsieg! Und was für einer..

Positive Erkenntnisse und Teamwork

Was bleibt von diesem Spiel? Drei Punkte, endlich ein Heimsieg, ein angeschlagener Mittelfeldstratege, der trotzdem die Mannschaft antreiben konnte. Außerdem ein Dreifachtorschütze, der wieder eine aufstrebende Form zeigte, aber leider aufgrund einer fragwürdigen gelben Karte eine Gelbsperre absitzen muss. Doch selbst die Sperre Ziemers tut der Zuversicht keinen Abbruch, schließlich ist auch Mustafa Kucukovic in guter Form. Selbst Aleksandar Stevanovic gab ein positives Feedback bezüglich seines Fußes und so steigt die Stimmung. Erfreulicherweise zeigte auch der wiedergenesene Manfred Starke nach seiner Einwechslung eine gute Leistung. Natürlich ist bei Weitem noch nicht wieder alles gut an der Ostseeküste aber die Aussichten haben sich verbessert. Der Verein braucht Kontinuität um sich endlich regenerieren zu können. Es braucht Ruhe und Geduld. Das Stichwort in diesen Tagen lautet aber Teamwork. Alle handelnden Personen sind sich einig, wenn sie über geleistetes oder zu leistendes reden. „Das Hauptding ist jetzt, dass wir unsere Leistung bringen und dort unten herauskommen. Aber das können wir nur alle zusammen machen“, sagte Hansas Torjäger Ziemer.

Aussichten aber Schritt für Schritt

Eins steht fest: Der Sieg war, auch aufgrund des Art und Weise, überlebenswichtig für die Rostocker und doch war es nur ein erster kleiner Schritt. Das Potential und die Fähigkeiten, die Saison noch „so positiv wie möglich“ (Uwe Klein) zu beenden, hat das Team. Die Kunst wird es auch weiterhin sein, diese auch dauerhaft abzurufen. Wichtig ist außerdem, dass die Mannschaft ihren Weg des Zusammenwachsens und –wirkens weiterhin fortsetzt. Nicht unerheblich für den Erfolg dürfte auch die baldige Genesung von Tommy Grupe oder Halil Savran sein, die für eine weitere Bereicherung sorgen werden. Nun heißt es aber erst einmal konzentriert zu bleiben und den stürmischen Herbst an der Ostseeküste positiv zu überstehen. Die Wellen werden immer wieder kommen, gerade weil der Verein im nächsten Jahr sein 50. Vereinsjubiläum feiern wird und die Anspannung steigt, denn niemand möchte in der Regionalliga feiern, so viel ist klar. Dem Verein geht es noch immer nicht gut, aber es können wieder bessere Zeiten kommen, wenn alle gemeinsam an einem Strang ziehen. In eine Richtung rudern und die Richtung soll mittelfristig wieder die 2.Liga sein. Aber bis dahin stehen noch einige andere Etappen an.

FOTO: Sebastian Ahrens / rostock-fotos.de

 

   

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