Kommentar: Der Winter ist da!

Da ist er wieder, der Winter. Wer hätte das gedacht? Und auch die 3. Liga hat er im Griff, es kam (völlig überraschend) schon zu 17  Spielausfällen – witterungsbedingt. Allein dieses Wochenende fielen 7 der 10 Partien aus. Hätte man das nicht erahnen können? Warum muss die Liga Mitte/Ende Januar in die Rückrunde starten, wenn aus den letzten Jahren bekannt ist, wie der Winter den Drittligavereinen zu schaffen macht? Und warum haben besagte Vereine an Länderspielpausen spielfrei? Es tummeln sich nicht sehr viele Nationalspieler in der Deutschen Drittklassigkeit.

Drittligavereine haben schon 34 Spielausfälle!

Und selbst wenn ein Verein einen San-marinesischen Fußballnationalspieler unter Vertrag hat, ist es meines Erachtens kein Problem, für diesen eine Ausnahme zu machen und ein eizelnes Spiel (statt eines ganzen Spieltages!) zu verlegen. Denn ohne die drei Länderspielpausen im Sommer/Herbst (mit ensprechender Spieltagsansetzung) könnte die 3. Liga auch viel später in die Rückrunde starten – bis Mitte/Ende Februar könnte der Auftakt verlegt werden! Sprich: Jetzt wäre immernoch Winterpause (denn das ist ja auch der ursprüngliche Sinn, im Winter zu pausieren!) und der DFB müsste sich nicht um Vereine kümmern, die zusammen schon 34  Spielausfälle zu beklagen haben!

Viele Englische Wochen sorgen für Wettbewerbsverzerrung

Denn nun kommt der Verband in Terminnot. 13 Spiele (wohlgemerkt BIS JETZT! Der Winter ist immernoch da) müssen bis Anfang Mai noch nachgeholt werden. Da bis dahin jedes Wochenende ein Spieltag angesetzt ist, heißt das: Zusätzliche Englische Wochen für die  Teams. Und das ist (und war schon immer) eine massive Wettbewerbsverzerrung. Man schaue sich unten stehende Tabelle an. Diese zeigt die Anzahl Spielausfälle nach Verein in diesem Winter (in Klammern: davon Heimspiele). Wenn ein Verein im entsprechenden Stadion eine Rasenheizung besitzt, ist dies mit "RH" vermerkt:

1. Osnabrück/RH 4 (2)
2. Wiesbaden/RH 3 (1)
2. CZ Jena/RH 3 (1)
4. Regensburg 3 (2)
5. Unterhaching/RH 2 (2)
6. VfR Aalen/RH 2 (1)
6. Offenbach/RH 2 (1)
6. RW Erfurt/RH 2 (1)
6. Burghasen/RH 2 (1)
10. Sandhausen 2 (1)
11. Stuttgart II 2 (2)
12. Heidenheim/RH 1
12. Oberhausen/RH 1
12. Chemnitz/RH 1
12. Arm Bielefeld/RH 1
16. Bremen II 1 (1)
16. Münster 1 (1)
18. Darmstadt 1
19. Babelsberg 0
19. Saarbrücken 0

Aufstieg wird nicht auf dem Platz entschieden!

Betrachten wir den Aufstiegskampf. Dort befindet zum Beispiel der 1. FC Saarbrücken auf Rang 5 (36 Zähler) mit zwei Punkten Rückstand auf den Relegationsrang. Dann könnten wir den VfL Osnabrück ansehen. Die Niedersachsen befinden sich auf dem 12. Platz in der Tabelle (29 Zähler), haben aber 3 Spiele weniger als der FCS auf dem Konto. Sollten die lila-weißen (theoretisch) alle Spiele, die sie weniger haben, gewinnen, dann hätten sie sogar diese beiden Punkte mehr als Saarbrücken. Damit häten wir eine höchst interessante Ausgangssituation für einen spannenden Aufstiegskampf. Aber: Die Saarbrücker haben, da sie bisher keinen Spielausfall zu beklagen haben, einen "normalen" Kräfteverschleiß von einem Spiel pro Woche (die "eingeplante" Englische Woche am 34. Spialtag mal unbeachtet). Osnabrück aber muss Kräfte für drei ZUSÄTZLICHE Englische Wochen bündelen. Sie werden (mindestens!) in drei Wochen die doppelte Anzahl der Spiele absolvieren müssen und haben durch den hinzukommenden Kräfteverschleiß einen großen Nachteil im Aufstiegkampf. Wettbewerbsverzerrung pur!

Gewinner und Verlierer – aber was hat das mit Fußball zu tun?

So zieht es sich durch die ganze Liga. Die Vereine, die mehr Spielausfälle haben, sind eindeutig benachteiligt. Es gibt Gewinner und Verlierer durch diese Situation – und diese sind nicht sportlich entstanden. Ist das der Sinn der Sache? Dann kann man gleich würfeln… Auch Vereine mit gleicher Anzahl ausgefallener Spiele haben unterschiedliche Folgen zu tragen. So trägt zum Beispiel die SpVgg Unterhaching seine (bisheigen) beiden Nachholspiele zu Hause aus (Nachteil: weniger Gästefans nehmen unter der Woche den Weg auf sich -> weniger Einnahmen). Der SV Wehen Wiesbaden hat(te) dagegen zwei Nachholsspiele in der Fremde. Vorteile und Nachteile auf beiden Seiten zwar, mit unterschiedlichen Wirkungen – dennoch ist auch das wettbewerbsverzerrend.

Rasenheizung selten erfolgreich

Wenn man sich die obige Tabelle noch einmal ansieht, fällt noch etwas auf: Die drei Vereine mit den meisten Ausfällen haben eine Rasenheizung – ironischerweise haben Babelsberg und Saarbrücken, die (noch) ohne Ausfall sind, keine. Diese technische Errungenschaft scheint doch nicht das Heilsmittel zu sein. Alle beiden Heimspiele in der (rasenbeheizten) osnatelARENA wurden abgesagt. Alle Spiele im Saarbrückener Ludwigspark fanden statt. Und selbst wenn ein Spiel trotz Schnee stattfinden kann, weil die Rasenheizung lief, sind das dennoch keine optimalen Bedingungen zum Fußballspielen. Der Platz ist je nach dem weiterhin rutschig und eigentlich unbespielbar. Es gibt auch Gebiete, in denen der Winter nicht so hart zuschlägt. Aber wenn die Rasenheizung arbeiten muss ist das Ergebnis weniger als befriedigend. Ein Fußballspiel wird zum Glücksspiel. Vielleicht gewinnt die Spitzenmannschaft und der Absteigskandidat verliert, wie es auch unter optimalen Bedingungen gewesen wäre. Aber die Ergebnisermittlung hat mit Fußball nichts mehr zu tun. Den Oberhammer zog Schiedsrichter Martin Thomsen in Stuttgart. Der ließ die Nachhol-Partie VfB Stuttgart II  gegen Jahn Regensburg anpfeiffen, obwohl eine zentimeterdicke Schneedecke auf dem gesamten Spielfeld lag (aus diesem Grund hatte er die erste Ansetzung des Spiels abgesagt…). An Fußballspielen war nicht zu denken. Das reine Rumgerutsche ließ kaum eine vernünftige Aktion zu, das einzige Tor der Tages wurde (natürlich) durch eine Ecke erzielt. Anders kamen die Teams nicht gefährlich vor das gegnerische Tor. Das beste was man sagen konnte war, dass sich kein Spieler verletzt hat. Nur vier Tage später wurde die Partie der kleinen Stuttgarter gegen Burghausen (am selben Ort mit den gleichen Bedingungen) übrigens wegen "Unbespielbarkeit des Platzes" abgesagt…

Auch die Profis gegen Länderspielpausen

Dass unter solchen Bedingungen nicht gespielt werden sollte, sehen sogar die Spieler so. Zum Beispiel Ronny Philp. Der 23-jährige Außenverteidiger von Jahn Regensburg (mit einem kicker-Notenschnitt von 2,75 der Beste der Liga) meint: "Dass auf solchen Plätzen wie in Stuttgart angepfiffen wird ist absolut eine Frechheit. Das ist reines Glücksspiel und wenn dann am Ende der Saison diese paar Punkte fehlen, ist das bitter…" Das bei diesem Spiel das Glück entschied, bestätigte auch Stuttarts Coach Jürgen Kramny nach der Partie.

Wann reagiert der DFB?

Warum also wird Jahr für Jahr schon so früh in die Rückrunde gestartet? Der DFB bekommt jed en Winter dieselben Probleme. Wenn die Länderspielpausen unterhalb der 2. Bundesliga für Meisterschaftsspiele genutz würden, könnte die Rückrunde viel später beginnen. Natürlich ist nicht vorausgesagt, dass es Ende Februar oder gar Anfang März keinen Schnee und Eis mehr gibt. Das entscheidet der Winter jedes Jahr selbst. Was aber vermieden werden KÖNNTE sind bis Ende Februar (mindestens) 17 ausgefallene Partien. Wenn die 3. Liga später aus der Winterpause kommen würde, käme der DFB nicht so arg in terminliche Nöte und alle Vereine hätten weniger mit dieser Wettbewerbsverzerrung zu kämpfen. Statt 6 oder 7 Nachholspielen eventuell nur eines, oder zwei. Und es würden auch nicht so viele Begegnungen unter irregulären Platzverhältnissen stattfinden.

Längere Saison evt. eine Möglichkeit?

Auch dass sehen die Fußball-Profis ähnlich: "Zum Thema Länderspielpause: In der 3. Liga gibt es wirklich nicht viele Nationalspieler, das sollten sie sich sparen….", so Ronny Philp. Der Jahn-Verteidiger bringt augenzwinkernd sogar eine weitere Lösungsidee: "Ich denke einfach man sollte die Saison nach hinten verlegen, zum Beispiel bis Ende Mai spielen. Denn ich weiß nicht, ob die Drittligisten auch so viele EM-Spieler haben". Das wären mit Relegation zur 2. Bundesliga zwei zusätzliche Wochen, und damit zwei zusätzliche Spieltage. Und zwei Englische Wochen weniger…

   
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