Kommentar: Der Srbeny-Verkauf ist riskant

Neun Tore und elf Vorlagen: Dass der SC Paderborn nach 21 Spieltagen an der Tabellenspitze steht, ist auch ein Verdienst von Dennis Srbeny. Umso schwerer wiegt nun der Abgang des 23-Jährigen zum englischen Zweitligisten Norwich City. Zwar kassieren die Ostwestfalen wohl eine stattliche Summe von 1,5 Millionen Euro, dennoch ist der Verkauf riskant. Ein Kommentar.

Ein unmoralisches Angebot

Auf den ersten Blick ist die Sache klar: In der vergangenen Saison spielte Srbeny noch in der Regionalliga, nun ist der Angreifer 1,5 Millionen Euro wert – ein beachtlicher Werdegang. Vor diesem Hintergrund konnten die Ostwestfalen das unmoralische Angebot des englischen Zweitligisten kaum ablehnen. Nicht, wenn der SCP in der laufenden Saison trotz Millionen-Einnahmen im Pokal ein Minus von rund drei Millionen Euro einfahren wird. Nicht, wenn der Schuldenberg bis zum Saisonende auf über sechs Millionen Euro angewachsen sein wird. So gesehen wäre es fast schon fahrlässig gewesen, die Millionen-Offerte aus England abzulehnen. Und so ist der Verkauf aus finanzieller Sicht die einzig richtige Entscheidung.

Betrachtet man jedoch die sportliche Seite, hätte der Tabellenführer seinen besten Angreifer nicht gehen lassen dürfen – schon gar nicht zum aktuellen Zeitpunkt. Mit 47 Punkten nach 21 Spielen befinden sich die Blau-Schwarzen in einer exzellenten Ausgangslage, um ab der kommenden Saison wieder in der 2. Bundesliga spielen zu können. Mit dem Verkauf von Dennis Srbeny riskiert der SCP diese Möglichkeit nun ein Stück weit, wenngleich der Verbleib des 23-Jährigen keineswegs eine Garantie für den sicheren Aufstieg gewesen wäre.

Srbeny nicht gleichwertig zu ersetzen

Doch wie wichtig Srbeny für den SCP war, zeigte sich in der bisherigen Saison mehr als deutlich: Stand der 23-Jährige auf dem Platz, verloren die Blau-Schwarzen kein Spiel (13 Siege, zwei Unentschieden). Ohne Srbeny kassierte Paderborn hingegen vier Niederlagen in sechs Spielen. Hinzukommt, dass Srbeny viele Bälle festmachte und somit stets mehrere Verteidiger auf sich zog. Das schaffte Lücken, in die Sven Michel, Ben Zolinski und Christopher Antwi-Adjej immer wieder hinein sprinten konnten. Ohne Srbeny wirkte das Offensivspiel des SC Paderborn oft statisch, mit ihm ging es deutlich schneller nach vorne. Es kommt nicht von ungefähr, dass die Blau-Schwarzen mit dem 23-Jährigen deutlich erfolgreicher waren als ohne ihn.

Klar ist: Gleichwertig kann Dennis Srbeny momentan nicht ersetzt werden. Zwar hat der SCP mit den Verpflichtungen von Philipp Tietz (Eintracht Braunschweig), Kwame Yeboah (Borussia Mönchengladbach) und Philipp Klement (FSV Mainz 05) personell bereits vorgesorgt, jedoch kann man nicht erwarten, dass sie auf Anhieb in die Fußstapfen von Srbeny treten. Das wird Steffen Baumgart auch kaum verlangen können. Somit steht fest: Die Ostwestfalen müssen bis zum kommenden Mittwoch noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv werden und einen Srbeny-Ersatz verpflichten – durchaus auch gegen eine Ablösesumme. Denn gelingt der Aufstieg am Saisonende nicht, wird das den SCP deutlich mehr kosten als 1,5 Millionen Euro. Steigt Paderborn aber auch ohne Srbeny auf, hat der SCP alles richtig gemacht.

In Krösche und Baumgart vertrauen

Einen Vorwurf kann man Manager Markus Krösche jedoch nicht machen. Bei der Entscheidung, Srbeny zu verkaufen, befanden sich die Ostwestfalen in einem klassischen Dilemma: Wertvolle Transfererlöse oder die sportliche Perspektive, ohne Garantie, dass der Aufstieg auch tatsächlich gelingt – das waren die beiden Optionen. Und: Hätte sich Srbeny noch voll in den Dienst der Mannschaft gestellt, wenn man ihm den Wechsel verweigert hätte?

Seit seinem Amtsantritt im März 2017 hat Krösche viele richtige Entscheidungen getroffen, ein gutes Händchen bei der Verpflichtung von Trainer Steffen Baumgart gehabt und den SCP mit vielen klugen Transfers an die Tabellenspitze gebracht. Zudem passt der Srbeny-Verkauf zum alten Paderborner Weg: Junge Spieler aus der Regionalliga verpflichten, sie weiterentwickeln und sie gewinnbringend verkaufen – mit diesem Konzept hatten sich die Ostwestfalen über mehrere Jahre in der 2. Bundesliga gehalten. Man sollte dem langjährigen Paderborner daher vertrauen, dass er auch dieses Mal die richtige Entscheidung getroffen hat. Und auch Steffen Baumgart darf man vertrauen, dass er Spieler wie Philipp Tietz weiterentwickeln wird. Klar ist aber auch: Seinen besten Stürmer in der Winterpause als Tabellenführer mit guten Chancen auf den Zweitliga-Aufstieg abzugeben, ist riskant – trotz der finanziellen Sorgen.

   
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